Wiesbaden (ABZ). – Nach jahrelanger Flaute laufen die Geschäfte am Bau wieder besser. Öffentliche Großaufträge in der Infrastruktur und ein allmählich anziehender Wohnungsbau haben den preisbereinigten Wert der Auftragseingänge im vergangenen Jahr um 7,5 Prozent steigen lassen, wie das Statistische Bundesamt berichtet.
Einschließlich der Preiserhöhungen erhöhten sich die Bestellungen im Vergleich zum Vorjahr sogar um 10,1 Prozent. Der Wohnungsbau startete 2025 von einem sehr niedrigen Niveau und legte mit einem realen Zuwachs um 10,1 Prozent im Verhältnis am stärksten zu. Im Tiefbau wuchsen die Order preisbereinigt um 6,2 Prozent auf einen neuen Höchststand.
Hier spielten Großaufträge zur Sanierung von Bahnstrecken sowie weitere Infrastrukturaufträge eine wichtige Rolle. "Fast elf Prozent mehr Baugenehmigungen in 2025 zeigen, dass die Trendwende im Wohnungsbau begonnen hat. Insbesondere die starken Zahlen des zweiten Halbjahres unterstreichen, dass sich im Wohnungsbau vieles in die richtige Richtung bewegt. Die Stimmung in der Branche hat sich verbessert und auch die Investitionen steigen", erklärte Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, zu den vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baugenehmigungszahlen für das Jahr 2025.
Auch der Hauptgeschäftsführer des Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), Tim-Oliver Müller, kommentierte die Zahlen eher positiv: "Damit ist die lange Zeit der Baurezession endlich vorbei.
Um die Rückgänge der vergangenen Jahre auszugleichen, reicht es allerdings noch nicht, aber der Anfang ist gemacht. Wir erwarten, dass sich dies auch im laufenden Jahr fortsetzen wird, wir rechnen auch für 2026 mit einem realen Umsatzplus von 2,5 Prozent. Schließlich haben sich die Auftragsbücher wieder ein wenig gefüllt."
"Das Bauhauptgewerbe hat ein insgesamt solides Jahr hinter sich. Während die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland nur schleppend verläuft, wuchs das Bauhauptgewerbe real um rund 2,5 Prozent. Das ist ein klares Signal, dass sich die Baubranche trotz vieler Hindernisse als einer der Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft weiter behaupten kann", sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) zu den Zahlen und führte aus: "Und das muss sie auch, denn die drängenden Aufgaben von Wohnungsbau über Infrastruktur und Energiewende müssen gebaut werden. Unsere Betriebe stehen dafür bereit."
Wachstumsimpulse gab laut ZDB es aus einzelnen Bereichen des Tiefbaus. Treiber waren Großprojekte zum Umbau der Energieinfrastruktur, zur Sanierung der Schienenwege, zum Ausbau des ÖPNV und zum Breitbandausbau. Der Straßenbau dagegen lief enttäuschend. Wegen der späten Verabschiedung des Bundeshaushaltes und der Umgliederung von Haushaltsmitteln ins Sondervermögen blieben die Order bis ins vierte Quartal deutlich unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt stieg der Umsatz im Tiefbau um 11 Prozent, real ca. 9 Prozent.
Auch der HDB resümiert, dass die Branche im vergangenen Jahr von diversen Großprojekten der Bahn, aber auch im Leitungstiefbau und von den Rechenzentren profitiert habe. Müller ergänzt: "Bis diese Projekte aber umsatzwirksam werden, das dauert. Außerdem profitieren hiervon erst einmal nur wenige Unternehmen, bevor die Aufträge bei einer breiteren Unternehmerschaft ankommen.
Aus diesem Grund ist die Stimmung – laut aktuellen Umfragen von ifo und DIHK – im Branchendurchschnitt auch weiterhin verhalten, trotz insgesamt wieder besserer Auftragslage. Zudem hätten Bauunternehmen im vergangenen Jahr wieder Personal aufgebaut, und zwar um 6600 beziehungsweise 0,7 Prozent auf 923.000 Arbeitsplätze.
Dies könne den ersten Rückgang seit 16 Jahren im Jahr 2024 zwar nicht ausgleichen, die Branche habe aber den Ausgleich geschafft und sei wieder deutlich auf Wachstumskurs.