Leer (ABZ). – Die Graalmann GmbH in Leer hat in ein Recyclingsystem für Bohrspülung investiert.
Das von Bibko Infratec konzipierte System ist seit mehreren Monaten in Betrieb und ermöglicht laut Hersteller eine effiziente Aufbereitung und Wiederverwertung der anfallenden Materialien.
Bohrspülungen sind Flüssigkeiten, die bei der Verfüllung und Verpressung von Hohlräumen sowie bei Horizontal- und Geothermiebohrungen eingesetzt werden. Sie bestehen zunächst aus einem Gemisch aus Wasser, Bentonit und Mineralien, dem zur Steuerung der Eigenschaften weitere Stoffe hinzugegeben werden. Bei ihrem Einsatz entstehen große Mengen gebrauchter Bohrspülungen, die ihre bautechnisch relevanten Eigenschaften verloren haben und entsorgt werden müssen.
Die Entsorgung dieser Materialien ist jedoch schwierig, da sie stabil sind und sich nicht oder nur sehr langsam selbständig entmischen. Eine Deponierung ist aufgrund des hohen Flüssigkeitsanteils ohne vorhergehende Behandlung aus deponiebautechnischen Gründen nicht möglich.
Die 1999 gegründete Graalmann GmbH hat sich auf die fachgerechte Verarbeitung von mineralischen Abfällen spezialisiert. Vor der Installation des Bibko Infratec-Recyclingsystems bestand die Aufbereitung von Bohrspülung im Wesentlichen darin, die angelieferte Bohrspülung in großen Poldern zu puffern. Die Entwässerung beziehungsweise Volumenreduzierung erfolgte durch Wind und Sonne. Zur weiteren Entwässerung wurde das teilentwässerte Material zusätzlich mehrmals im Jahr mit Baggern umgesetzt.
Diese Methode habe zwar den Vorteil gehabt, dass nur erneuerbare Energien zum Einsatz kamen, führte jedoch zu Abhängigkeiten, die den Durchsatz und damit die verarbeitbare Abfallmenge und -qualität beeinflussten. Zudem standen Entwässerungsflächen nur in begrenztem Umfang zur Verfügung, was eine kontinuierliche Verarbeitung und sichere Planung der Annahmemengen erschwerte.
Das neue Recyclingsystem wurde für eine Inputmenge von 10.000 t pro Jahr konzipiert und besteht aus vier Prozessstufen: Materialaufgabe, Materialrecycling, Feinteilabscheidung und Prozesswasserrecycling. Ziel des Systems ist die Volumenreduzierung durch Abscheidung des Wasseranteils, die Rückgewinnung der enthaltenen Mineralien (Sand) als Sekundärrohstoff, die Rückgewinnung des verbleibenden Feststoffs in stichfester Form sowie die Rückgewinnung des Wasseranteils.
In der ersten Prozessstufe wird die Bohrspülung aus den Fahrzeugen über einen Aufgabetrichter dem Dosierpuffer zugeführt. Dort wird sie gepuffert und anschließend kontinuierlich in die Recyclinganlage transportiert. In der zweiten Stufe gelangt die Bohrspülung in die Vorwaschkammer mit einem Wasserbad. Eine rotierende Spirale fördert die Bohrspülung durch das Wasserbad und entmischt diese. Die Mineralien ≤ 250 µm werden ausgewaschen und zusammen mit dem überschüssigen Prozesswasser aus der Anlage abgeleitet.
Die dritte Prozessstufe dient der Feinteilabscheidung, bei der der Anteil an Mineralien ≤ 250 µm im Prozesswasser weiter reduziert wird. Hier erfolgt die Abtrennung der enthaltenen Bestandteile > 63 µm. In der vierten Stufe wird das Prozesswasser durch Zugabe von Fällungs- und Flockungsmittel konditioniert und in einer Zentrifuge aufbereitet. Die Feststoffe werden abgeschieden und in eine Materialbox ausgetragen. Das entstehende Zentrat wird im Kreislauf für den Recyclingprozess wiederverwendet.
Aus dem Recyclingprozess ergeben sich drei Materialströme: Mineralien > 63 µm aus der Recyclinganlage, Feststoff ≤ 63 µm aus der Zentrifuge und Zentrat aus der Zentrifuge. Aufgrund der guten Qualität können die recycelten Mineralien > 63 µm als eignungsgeprüfter Baustoff verkauft und als Sekundärrohstoff wiederverwendet werden. Auch das entstehende Zentrat wird für den Recyclingprozess wiederverwendet. Lediglich der Feststoff aus der Zentrifuge ≤ 6 µm wird noch entsorgt.
Nach Angaben des Herstellers wurden die im Vorfeld festgelegten Ziele vollständig erreicht beziehungsweise sogar übertroffen. Die projektierte Inputmenge von 10.000 t pro Jahr wird voraussichtlich deutlich überschritten. Für Anwendungen mit geringeren Mengen bietet Bibko laut eigener Aussage auch eine kostengünstigere Teillösung an, bei der die Prozessstufen 2 und 3 durch ein spezielles Sieb mit einem Trennschnitt von 250 µm ersetzt werden.