Emden (ABZ). – Für die etwa 300 km lange Gleichstromtrasse A-Nord von Amprion kommt bei der Verfüllung der Kabelgräben Flüssigboden zum Einsatz. Der selbstverdichtende Baustoff soll eine hohe Wärmeleitfähigkeit gewährleisten und Wärmestau verhindern.
Die A-Nord-Trasse ist als Vorhaben Nummer 1 im Bundesbedarfsplan verankert und reicht vom Konverter im niedersächsischen Emden bis zum Konverter im rheinischen Osterath. Die Verbindung soll zukünftig rund 2000 MW elektrische Leistung übertragen und wird als Erdkabel in Gleichstromtechnik gebaut.
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion installiert zwei Systeme, die jeweils aus zwei Hochspannungskabeln sowie einem metallischen Rückleiter bestehen. Um bei Störungen nicht die gesamte Leitung abschalten zu müssen, werden die Kabel in zwei separaten Gräben verlegt. Der Kabelgraben beansprucht laut eigenen Angaben eine Breite von etwa 35 m. In einer Tiefe von etwa 2 m werden die Leerrohre für die Kabel verlegt und in Flüssigboden bzw. zeitweise fließfähige, selbstverdichtende Verfüllbaustoffe (ZFSV) gemäß Merkblatt M ZFSV der FGSV gebettet.
Dr. Jana Simon vom Büro GeoIngenieure SOS aus Bochum erklärt die Vorteile: "Ziel ist es, die über die Erdkabel an die Bodenumgebung abgegebene Wärme so schnell und gleichmäßig wie möglich abzuleiten, damit es nicht zu einem Wärmestau kommt. Flüssigboden weist eine hohe Wärmeleitfähigkeit auf und trägt dazu bei, dass die Wärmeemissionen schneller abgeleitet werden." Zusätzlich sei der Flüssigboden volumenstabil und sorge für eine gleichmäßige und spannungsfreie Einbettung der Leerrohre, was die Lebensdauer des Systems verlängern könne.
Im Vergleich zur konventionellen Verfüllung mit Sand biete Flüssigboden weitere Vorteile, sagt Simon: "Bei Sand ist eine hohe Wärmeleitfähigkeit nur bei optimaler Verdichtung zu erreichen. Da Flüssigboden selbstverdichtend ist, gewährleistet dieser eine deutlich bessere Qualität und erspart eine mechanische Verdichtung." Sand sei zudem nicht so strukturstabil und erzeuge in landwirtschaftlichen Flächen oft eine unerwünschte Drainage. Auch bestehe die Gefahr, dass Wurzeln einwachsen und die Wärmeleitfähigkeit beeinträchtigen.
Der Aushub der Leitungszone wird zu einem zentralen Mischplatz gefahren, dort zu Flüssigboden aufbereitet und in räumlicher Nähe wieder eingebaut. Bei ungeeignetem Aushubboden wird Sand oder Kies aus nahegelegenen Kiesgruben als Gesteinskörnung verwendet. Die Flüssigboden OWL aus Paderborn produziert den Baustoff in Teilen von NRW mit vier mobilen Anlagen. Geschäftsführer Dominik Sönning: "Bei guter Taktung wird alle 10 bis 15 Minuten der Inhalt eines Mischfahrzeuges à 7,5 Kubikmeter eingebaut, an vielen Tagen an bis zu sieben Stellen gleichzeitig."
Jede Anlage kann laut Sönning mit einer maximalen Leistung von 100 m³/h durchschnittlich 150 bis 350 m³ täglich produzieren. In anderen Bereichen von A-Nord stehen größere Anlagen anderer Betreiber, die bis zu 800 m³ pro Tag herstellen können.
Das Unternehmen erfüllt die Anforderungen der Bundesqualitätsgemeinschaft Flüssigböden e. V. (BQF), die Richtlinien für Ausschreibung und Qualitätssicherung definiert. Die BQF vergibt ein Qualitätszeichen, wenn alle Anforderungen an fachgerechte Herstellung, Fremdüberwachungen und nachzuweisende Fachkunde erfüllt werden.
"Bei einem Projekt in dieser Größenordnung ist uns die Einhaltung dieses Qualitätsstandards besonders wichtig", so Sönning. Bis zur geplanten Fertigstellung der Trasse Mitte 2027 sollen rund 230.000 m³ Flüssigboden verbaut werden.