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Technik muss sich über die Maschinenlebensdauer rechnen

Der wirtschaftliche Nutzen von digitaler Technik über die gesamte Maschinenlebensdauer ist entscheidend. Assistenzsysteme helfen bei Fachkräftemangel und steigern Produktivität.

Von ABZ
Yanmar T190 Vorbetonierer bei Baustelle Landbau
Assistenzfunktionen können anspruchsvolle Arbeitsabläufe vereinfachen. Bei der horizontalen Planierung müssen beispielsweise Ausleger, Stiel und Löffel gleichzeitig gesteuert werden. | Foto: Yanmar

Almere/Niederlande (ABZ). – Kompakte Baumaschinen werden zunehmend mit digitalen Funktionen und Automatisierungssystemen ausgestattet. Für Ryu Kudo, CEO von Yanmar Compact Equipment (Yanmar CE), kommt es dabei nicht allein auf den technischen Fortschritt an. Entscheidend sei, welchen wirtschaftlichen Nutzen die Technik über die gesamte Lebensdauer einer Maschine bietet.

»Der wichtigste Punkt sind die Gesamtbetriebskosten«, erklärt Kudo. Neben dem Anschaffungspreis seien die Betriebs- und Wartungskosten sowie der spätere Wiederverkaufswert zu berücksichtigen. Neue Funktionen müssten einen konkreten Nutzen bieten, ohne die Bedienung zu erschweren oder die Maschinenpreise unnötig zu erhöhen.

Kudo arbeitete zuvor 21 Jahre für einen großen US-amerikanischen Baumaschinenhersteller, zunächst in der Maschinenentwicklung und später im Kundendienst. Diese Erfahrung prägt seinen Blick auf technische Neuerungen und deren praktischen Nutzen.

Ein wichtiges Einsatzfeld für Assistenzsysteme ist der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Laut dem Global Construction Market Intelligence Report 2026 von Turner & Townsend bestehen in mehr als 70 Prozent der 112 untersuchten Märkte Fachkräftelücken. »Wenn wir mit unseren Kunden sprechen, ist ihr erstes Problem der Arbeitskräftemangel«, sagt Kudo. »Es ist sehr schwierig, erfahrene Mitarbeiter zu finden.«

Assistenzfunktionen können anspruchsvolle Arbeitsabläufe vereinfachen. Bei der horizontalen Planierung müssen beispielsweise Ausleger, Stiel und Löffel gleichzeitig gesteuert werden. Automatische Unterstützung kann weniger erfahrenen Maschinenführern helfen, schneller produktiv zu arbeiten. Ähnliche Ansätze gibt es für Geradeausfahrten und wiederholbare Bewegungsabläufe.

Eine vollständige Automatisierung bewertet Kudo zurückhaltender. Kompaktmaschinen werden häufig in Städten und Wohngebieten eingesetzt, wo präzise manuelle Arbeiten weiterhin erforderlich sind. »Eine vollständig autonome Maschine kostet fast fünfmal so viel wie die ursprüngliche Maschine«, erklärt er. Yanmar CE prüfe deshalb, welche autonomen Funktionen tatsächlich benötigt werden und wirtschaftlich vertretbar sind.

Auch regionale Unterschiede spielen eine Rolle: Wo qualifizierte Arbeitskräfte knapp und teuer sind, kann Automatisierung wirtschaftliche Vorteile bieten. In Indien könne eine entsprechend ausgestattete Maschine dagegen so viel kosten wie die Beschäftigung von 20 bis 30 Arbeitskräften, schätzt Kudo.

Während Baumaschinen für eine lange Einsatzdauer ausgelegt sind, entwickelt sich digitale Technik vergleichsweise schnell weiter. Das wirkt sich auf den Gebrauchtmaschinenmarkt aus. Maschinen mit teilautonomen Funktionen oder 3D-Steuerung können als Neugeräte höhere Preise erzielen, verlieren diesen Vorteil jedoch möglicherweise beim Weiterverkauf.

»Wenn sie als Gebrauchtmaschinen verkauft werden, ist diese Technologie bereits veraltet«, sagt Kudo. Neue autonome Steuerungssysteme erreichen inzwischen Genauigkeiten von etwa zehn Millimetern. Ältere Systeme arbeiteten teilweise mit Toleranzen von vier bis fünf Zentimetern, obwohl die Maschinen noch viele Jahre genutzt werden können.

Bei elektrischen Baumaschinen kommt der Batteriezustand hinzu. Nach fünf bis zehn Jahren kann die Kapazität laut Kudo auf etwa 70 Prozent des ursprünglichen Werts sinken. Als mögliche Lösung nennt er den Rückkauf gebrauchter Maschinen, den Austausch der Batterie und den anschließenden Verkauf als generalüberholte Geräte. Gebrauchte Batterien könnten zudem in weniger anspruchsvollen Anwendungen weiterverwendet werden.

Mit zunehmender technischer Ausstattung wächst auch der Schulungsbedarf. In Japan nutzen Maschinenführer beispielsweise vermehrt Tiltrotatoren und Hydraulikhämmer. Nicht immer sei ausreichend bekannt, wie sich diese Anbaugeräte effizient einsetzen lassen, erklärt Kudo.

Da qualifizierte Servicetechniker insbesondere bei kleineren Händlern und Vermietunternehmen knapp sind, baut Yanmar CE nach eigenen Angaben Schulungen direkt bei den Händlern aus. Zudem führt das Unternehmen Gespräche mit Vermietunternehmen über Wartungsleistungen durch den Hersteller.

Der mittelfristige Plan 2030 des Yanmar-Konzerns sieht vor, technische Entwicklungen stärker am Kundennutzen auszurichten. Für Kudo zählt deshalb nicht die Anzahl verfügbarer Funktionen, sondern deren wirtschaftlicher Beitrag über die gesamte Nutzungsdauer. Entscheidend sei, dass sich Investitionen in Technik auch langfristig für Betreiber und Eigentümer rechnen.

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