Voller Hoffnung waren die Handwerksverbände, als die neue Bundesregierung im Frühjahr ihren Koalitionsvertrag vorstellte. Bürokratieabbau, Bau-Turbo, Bekämpfung der Schwarzarbeit – viele der anvisierten Maßnahmen sprachen auch uns im Gerüstbau aus dem Herzen. "Die Richtung stimmt" – so lautete damals unser Kommentar, verbunden mit dem dringenden Appell, die angekündigten Maßnahmen auch zügig umzusetzen.
Doch genau das geschah nicht. Die Koalitionsparteien verzettelten sich in politischen Streitigkeiten, nach 100 Tagen Großer Koalition fiel die Bilanz einigermaßen ernüchternd aus.
Die Regierung reagierte mit neuen Ankündigungen: Ein "Herbst der Reformen" sollte endlich den dringend nötigen Durchbruch bringen. In der Tat wurden Reformvorhaben auf den Weg gebracht. Der Bau-Turbo passierte ohne Schwierigkeiten Bundestag und Bundesrat, ein "Entlastungskabinett" verabschiedete gleich mehrere Gesetze zum Bürokratieabbau.
Für die Bundesvereinigung Bauwirtschaft, dem Zusammenschluss von 16 Verbänden des Bau-, Ausbau- und Dienstleistungshandwerks am Gebäude mit 3,4 Millionen Beschäftigten, habe ich als Vorsitzender bereits in der Frühjahrspressekonferenz betont: "2025 sollte ein Jahr des Aufbruchs werden – vorausgesetzt, die richtigen Rahmenbedingungen würden gesetzt." Jetzt, zum Jahreswechsel, müssen wir feststellen: Es hat zwar Fortschritte gegeben, doch nicht alles ist so gekommen, wie es nötig gewesen wäre.
Vieles hätte schneller und entschlossener umgesetzt werden können. Der Wohnungsbaumarkt bleibt auf verlässliche Investitionsimpulse angewiesen, damit aus der ersten Stabilisierung, die wir derzeit vermelden, eine echte Trendwende wird.
Analysen und Prognosen zur wirtschaftlichen Konjunktur kommen derzeit zu einem ähnlichen Fazit:
Die Situation ist und bleibt angespannt, die ersehnte Trendwende ist weiter nicht in Sicht. Statt Aufbruchstimmung und Optimismus beherrschen viele Fragezeichen das Bild: Werden dem Bau-Turbo weitere Fördermaßnahmen folgen, die erst garantieren, dass nicht nur beschleunigt geplant, sondern tatsächlich auch mehr gebaut wird? Werden die Schuldenmilliarden des Sondervermögens wirklich in der Infrastruktur ankommen? Derzeit sieht es leider nicht danach aus . . .
Vor allem eines ist in den vergangenen Monaten immer deutlicher geworden: Die Politik in Deutschland ist sich der Bedeutung des Mittelstands für die Wirtschaft viel zu wenig bewusst. Das Ringen um die Beibehaltung der Fach- und Teillosvergabe, die gerade für das Gerüstbau-Handwerk überlebensnotwendig ist, darf hier als systematisch gelten. Auch bei uns im Gerüstbau bleibt die Lage unsicher. Ein kleiner Rückblick: Seit der Zinswende Mitte 2022 ist die Nachfrage im Wohnungsbau eingebrochen. Auf Grund von Bauüberhang und den am Bau üblichen Projektzeiten sind die Baufertigstellungen zwar erst 2024 signifikant gesunken. Die preisbereinigten Bauinvestitionen waren in diesem Zeitraum jedoch rückläufig. Vor diesem Hintergrund waren die Rahmenbedingungen für das Gerüstbaugewerbe in den zurückliegenden Jahren nicht gut.
Dennoch lagen die Beschäftigtenzahlen im Gerüstbau bis einschließlich 2024 immer über dem jeweiligen Vorjahresniveau. Das zeigt einmal mehr, dass unser Gewerbe viele Standbeine hat und nicht so stark vom Bau abhängig ist, wie allgemein angenommen.
Doch das Blatt hat sich gewendet: 2025 war die Anzahl der gewerblichen Arbeitnehmer erstmalig rückläufig. Sie lag bis Ende September im Mittel ca. ein Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Das wiegt besonders schwer, weil der Gerüstbau, wie viele andere Wirtschaftszeige auch, vom Facharbeitermangel betroffen ist. Eine realistische Chance, den freigesetzten Mitarbeiter zurückzugewinnen, gibt es folglich nicht. Nun ist Gerüstbau nach wie vor Handarbeit. Wenn also die Mitarbeiterzahlen sinken, reduziert sich automatisch das Produktionsvolumen.
Wir gehen deshalb davon aus, dass das Marktvolumen 2025 real um 1 Prozent sinkt. Die nominale Entwicklung des Gerüstbaumarktes ist schwer abzuschätzen, weil sich die sinkende Nachfrage immer negativ auf die Preise auswirkt. Auf der anderen Seite müssen wir die in allen Bereichen steigenden Kosten weitergeben, weshalb wir ein nominales, preisgetriebenes Umsatzwachstum von 2 Prozent für 2025 prognostizieren.
Für 2026 gehen die Einschätzungen noch auseinander. Während manche Wirtschaftsforschungsinstitute von einer vorsichtigen Wiederbelebung der Bauinvestitionen ausgehen, prognostizieren andere ein Aufsetzen der konjunkturellen Entwicklung auf der Talsohle, dem nun ein Seitwärtstrend folgt. Entscheidend wird hier die bereits zuvor erwähnte Frage sein, ob die Milliarden aus dem Sondervermögen wirklich zielführend investiert werden.
Im Gerüstbau-Handwerk sehen wir aktuell eher einen Seitwärts- als einen Aufwärtstrend. In Zahlen ausgedrückt beutet das, dass die Anzahl der Betriebe und der Beschäftigten im kommenden Jahr auf dem Niveau von 2025 stagnieren wird, was auch für die der reale Umsatzentwicklung gilt. Nominal wird es 2026 voraussichtlich ein preisbedingtes Wachstum von circa 3 Prozent geben.
Als Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk setzen wir uns politisch dafür ein, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gerade für kleine und mittlere Unternehmen wieder auf Wachstumskurs kommt.