Melker Jernberg, CEO von Volvo CE, sprach mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga im Vorfeld der Messe über Neuheiten und die Strategie des Herstellers.
ABZ: Herr Jernberg, Baumaschinen mit alternativen Antrieben sind bisher im Markt kaum gefragt. Volvo CE wird auf der bauma 2025 dennoch ausschließlich Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb vorstellen. Was ist der Grund dafür?
Jernberg: Die Hauptgründe dafür sind, dass wir unser Engagement für eine nachhaltige Bauindustrie nicht nur mit Worten kommunizieren, sondern auch ein Zeichen setzen wollen, dass wir an die Transformation in unsere Industrie glauben und weiter an unseren Zielen festhalten. Wir haben uns verpflichtet, Emissionen zu reduzieren und zeigen aus diesem Grund nur voll elektrische und kommerziell verfügbare Baumaschinen. Uns ist natürlich bewusst, dass verschiedene Märkte und Kunden in unterschiedlichen Geschwindigkeiten agieren. Und natürlich ist es schade, dass der Bedarf noch nicht so stark zugenommen hat. Dafür gibt es verschiedene Gründe und einer ist sicher, dass noch nicht so viel Wissen über diese Antriebsarten verfügbar ist. Ein weiterer ist sicherlich, dass Kunden, die diese Maschinen verwenden wollen, keine Parität bei der Angebotserstellung erreichen können oder dass diese nachhaltigeren Antriebkonzepte noch nicht in öffentlichen Auftragsvergaben Berücksichtigung gefunden haben. Viele Verwaltungen scheinen sich noch nicht darüber im Klaren zu sein, was es bedeutet ein nachhaltiger oder emissionsfreier Standort zu sein. Oft fehlt das Wissen, dass dies möglich ist, oder wie Städte Zonen mit Null Emissionen realisieren können. In manche Innenstadtbereiche darf man heute zwar nicht mehr mit einem älteren Verbrenner-LKW oder -Auto fahren – wohl aber einen Diesel-Bagger betreiben. Warum? Weil Verantwortliche das nicht wissen oder finanziell anderweitig Prioritäten gesetzt werden. Tatsächlich existieren heute viele mehr Möglichkeiten, als genutzt werden. Und ich denke, es ist wichtig, dass wir das auch weiterhin vorantreiben.
ABZ: Was können die Besucher auf Ihrem Volvo-Stand noch erfahren?
Jernberg: Wie schon voher erwähnt sind wir uns in der gesamten Volvo-Gruppe bewusst, dass sich die Märkte in verschiedenen Geschwindigkeiten entwickeln. Aus diesem Grund sind natürlich alle ausgestellten Maschinen auch als konventionelle Dieselmaschinen verfügbar. Und hier bieten wir auch mit unseren neuen Generationen von Baggern, wie auch den knickgelenkten Dumpern eine branchenführende Kraftstoffeffizienz mit bis zu 15 Prozent Verbesserung je nach Modell. Seit letzten Jahr haben wir die umfassendeste Überarbeitung unseres Produktportfolios vorangetrieben mit über 35 Prozent der gesamten Produktpalette und wir haben noch einiges vor im Jahr 2025.
Ein Herzstück unseres Standes ist die neue interaktive Solutions Bar, die Volvo als Anbieter ganzheitlicher Lösungen präsentiert. Hier ist der Fokus klar auf die maßgeschneiderte und datengeschützte Beratung mit dem Ziel die Produktivität, Effizienz und Nachhaltigkeit auf ein neues Niveau zu heben.
Ein Highlight wird auch die Enthüllung einer komplett neuen emissionsfreien Maschine auf der bauma werden. Vorbeikommen lohnt sich auf jeden Fall.
ABZ: In welchen Marktplätzen ist Volvo CE heute aktiv und welche sind für das Unternehmen am wichtigsten?
Jernberg: Das ist eine gute Frage, denn rückblickend waren wir ein paar Jahre lange sehr abhängig von ein paar Orten auf der Welt – und von ein paar zentralen Produkten. Das ist heute anders, im Allgemeinen sind wir jetzt viel widerstandsfähiger, sowohl im globalen Wettbewerb, als auch in den vielen verschiedenen Regionen Europas. Natürlich stechen Nordamerika und Europa hervor, aber wir haben großartige Aktivitäten in Lateinamerika, in Afrika, Südostasien, Indien und China. Aus dem Blickwinkel unserer Produkte sind wir mit Radladern und knickgelenkten Dumpern aufgewachsen und haben in den letzten 20 Jahren eine großartige Entwicklung erlebt – das zeigt unser kräftig gewachsenes Portfolio. Insgesamt steht die Gruppe heute viel ausgeglichener da, als vor zehn Jahren und das ist sehr hilfreich. Natürlich, das war und ist oftmals ein holpriger Weg, denn wie Sie wissen sind auch wir in verschiedenen Konjunkturzyklen.
ABZ: Volvo CE hat jüngst seine Produktfamilie mit knickgelenkten Dumpern um das Modell A50 erweitert auf nun insgesamt 7 verschiedene Fahrzeuge. Was sind die Highlights und die größten Marktplätze für Volvo CE für diese Art von Maschinen?
Jernberg: Wir sind wie schon angedeutet stolz darauf, Weltmarktführer zu sein. Mit dieser komplett neu überarbeiteten Generation der Dumper sind ein eigens entwickeltes Getriebe und ein neues modernes elektronischen System zu nennen. Auch der Fahrerkomfort hat sich weiter verbessert und besonders am Herzen liegt mir auch hier die Nachhaltigkeit. In schwedischen Werk wird mit dieser neuen Generation auch kohlstoffarmer Stahl in der Serienproduktion eingesetzt. Ein weiterer Aspekt, der die Maschinen in jeder CO2-Bilanz verbessert. Was diesen Produktbereich betrifft, sind wir in Europa extrem stark, auch in Nordamerika sind wir Marktführer. Global sind wir sehr stark aufgestellt, wobei ich nicht unerwähnt lassen möchte, dass für uns auch die Märkte in Asien, sprich in Indonesien sehr wichtig sind. Auch Südafrika ist ein sehr wichtiger Marktplatz und in Europa natürlich auch Großbritannien.
ABZ: Wie beurteilen Sie die aktuellen Marktentwicklungen als Baumaschinenhersteller in Deutschland und in Nordamerika?
Jernberg: In Deutschland? Nicht gut. Es ist sicher keinem international agierenden Unternehmen verborgen geblieben, das Deutschland in einer Rezession steckt. Sicherlich gibt es von verschiedenen Interessenvertretungen und auch von Seiten der politischen Vertreter die Erkenntnis und den Willen dazu, dass Dinge verändert werden müssen, oder vielleicht auch repariert werden müssen. Aber es bleibt abzuwarten, wie schnell sich nach der Regierungsbildung Änderungen abzeichnen. Europa braucht ein starkes Deutschland und wir brauchen einen starken deutschen Marktplatz. Je schneller das Land wieder auf die Beine kommt, desto besser ist das auch für Europa. Wir wissen – Deutschland ist ein starkes Land, Deutschland hat eine starke Gemeinschaft und stellt sein Licht aktuell vielleicht etwas zu sehr unter den Scheffel. Auch den Entwicklungen in Nordamerika sehen wir gelassen entgegen. Wir sind extrem in diesem Marktplatz involviert und werden es auch weiterhin sein. Wir haben uns zuletzt im nordamerikanischen Markt sehr gut entwickelt und neue, schlagkräftige Händler aufgebaut. Wir haben dort ein extrem starkes und gutes Setup. Nordamerika wird trotz der Veränderungen auf lange Sicht ein sehr guter Markt bleiben und wir haben dort fantastische Kunden. Ich denke, es ist auch noch zu früh abzuschätzen, welchen Einfluss die Regierung unter Donald Trump auf die internationalen Marktplätze haben wird. Wir als Konzern schauen natürlich auch auf das große LKW-Geschäft, das wir in Nordamerika haben, auch als Produzent. Aber ich meine, es wäre sehr ratsam, dem Treiben etwas gelassener entgegen zu sehen. Wir sind auf der Welt eine intelligente Gemeinschaft und ich glaube schon, dass sich früher oder später wieder ein Gleichgewicht der Interessen einstellen wird. Das ist eigentlich meine Hoffnung.
ABZ: Denken Sie dabei speziell auch an Ihr verstärktes Engagement im Bereich der Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb?
Jernberg: Selbstverständlich. Wir agieren und planen nicht kurzfristig, sondern langfristig. Manche Entwicklungen mögen aus der aktuellen Warte heraus vielleicht verfrüht erscheinen, aber wir erweitern unser Portfolio sukzessive und in einer wie ich meine, sehr klugen Weise. Wenn also ein Kunde in einem Land eine herkömmliche Technik verlangt, können wir diese liefern. Wenn Sie jedoch mit Kunden sprechen, die gerne etwas zukunftsorientierter und nachhaltiger handeln, dann können wir auch das liefern. Der Markt wird das letztlich entscheiden.