Berlin (ABZ) | Der Ersatzneubau der Eisenbahnüberführung (EÜ) Wiltbergstraße in Berlin-Buch stellt hohe Anforderungen an Planung und Bauausführung. Im Auftrag der DB InfraGO AG arbeitet die Gebr. Echterhoff GmbH & Co. KG gemeinsam mit ihrem ARGE-Partner daran, vier bestehende Brückenbauwerke über der Wiltbergstraße schrittweise zu ersetzen und den Bahnbetrieb während der Bauarbeiten weitgehend aufrechtzuerhalten. Zum Projekt gehören außerdem umfangreiche Gleis-, Kabeltiefbau-, Oberleitungs- und Straßenbauarbeiten. Der Hauptauftrag hat laut Angaben des Unternehmens ein Volumen von rund 14,4 Millionen Euro netto, davon entfallen etwa 12,2 Millionen Euro auf Echterhoff.
Besondere Anforderungen ergaben sich laut Projektangaben durch unerwartete Randbedingungen des Baugrunds. Dadurch musste die Entwurfsplanung für den Verbau und die Gründung der Hilfsbrücken vollständig überarbeitet werden. Statt der ursprünglich vorgesehenen Spundwandgründung wurde auf eine Gründung mit Bohrpfählen umgeplant. Auch das ursprünglich vorgesehene erschütterungsarme Verfahren für die verbleibenden Verbauten musste aufgrund der angrenzenden Bebauung angepasst werden. Die Spundbohlen werden nun mit einer GIKEN-Presse erschütterungsfrei in den Boden eingebracht.
Zusätzlich zum ursprünglich vorgesehenen Leistungsumfang entstehen zwei weitere Stützwände sowie eine Treppenanlage. Damit wurden weitere Bauleistungen in den bereits komplexen Bauablauf aufgenommen.
Eine zentrale Rolle übernehmen die temporären Hilfsbrücken. Ursprünglich waren zwei vorgesehen, tatsächlich wurden im vergangenen Jahr drei Hilfsbrücken vom Typ ZH31 mit einer Stützweite von jeweils 29,8 m eingebaut. Sie übernehmen während der Bauzeit vorübergehend die Funktion der Bestandsbauwerke und schaffen damit laut Angaben des Unternehmens die Voraussetzung dafür, dass der Bahnbetrieb weitgehend aufrechterhalten werden kann.
Im Jahr 2026 beginnen die Arbeiten an den neuen Widerlagern. Zuvor müssen zahlreiche vorhandene Versorgungsleitungen aus dem Baufeld verlegt werden. Die erforderlichen Umverlegungen durch die jeweiligen Leitungsträger sollen laut Projektangaben im November 2026 abgeschlossen sein.
Für Oktober 2027 ist ein weiterer Bauabschnitt vorgesehen. Dann sollen die drei Hilfsbrücken ausgebaut und durch drei neue Überbauten ersetzt werden. Den Einbau der neuen Überbauten übernimmt der ARGE-Partner SBN. Nach deren Fertigstellung können die darüberliegenden Gleise in Betrieb genommen werden.
Anschließend folgt der letzte Abschnitt des Ersatzneubaus. Bis August 2028 soll der vierte bestehende Überbau ausgebaut und erneuert werden. Nebenarbeiten, insbesondere zur Herstellung der Medienfreiheit für DB-eigene Leitungen, sollen das Projekt laut Projektangaben noch bis Ende 2028 begleiten.
Begonnen haben die Arbeiten im Januar 2022. Ursprünglich war die Fertigstellung für Februar 2024 vorgesehen. Aufgrund der unerwarteten Randbedingungen, zusätzlicher Leistungen und erforderlicher Umplanungen hat sich der Projektzeitraum laut Angaben des Unternehmens bis Ende 2028 verlängert.
Für das Echterhoff-Team unter der Leitung von Bauleiter Johannes Tiedtke bedeutet dies, Bauverfahren und Planungen an veränderte Bedingungen anzupassen und die Schnittstellen zwischen Ingenieurbau, Bahnverkehr und Versorgungsinfrastruktur zu koordinieren. Der Ersatzneubau umfasst damit neben der Erneuerung der vier Brücken auch umfangreiche Arbeiten im unmittelbaren Umfeld der bestehenden Verkehrsinfrastruktur.