Als Präsident des MIRO schaue ich mit gemischten Gefühlen auf dieses neue Baujahr. Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Besonders im Wohnungsbau ist der Rückgang schmerzhaft für alle. Zwischen ambitionierten Zielzahlen und der Realität klafft ein Abgrund: viel Wille in der Sonntagsrede, wenig Umsetzung montags im Bauamt. Die Bauwirtschaft leidet, und die Gesellschaft spürt die Folgen unmittelbar: fehlende Wohnungen, steigende Mieten, Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten.
Der politisch beschlossene "Bau-Turbo" zeigt immerhin, dass im politischen Berlin jemand den Wecker gehört hat. Doch das bedeutet noch nicht, dass auch jemand baut. Die Realität bleibt: zu viele Vorschriften, zu viele Zuständigkeiten, zu viele Verfahrensschritte. Genehmigungen ziehen sich, die Jahre vergehen – erst recht bei der Gewinnung mineralischer Rohstoffe. Dabei ist kein Bauprojekt ohne Kies, Sand, Schotter oder Naturstein denkbar. Ohne Rohstoffe bleibt jede Bauidee ein Papiertiger. Wir sehen deutlich: Deutschland steuert selbstverschuldet in die Rohstoffknappheit. Es wird zu wenig erschlossen, zu wenig genehmigt, zu viel verhindert. Das treibt Preise nach oben – was wiederum das Bauen weiter verteuert und verlangsamt. Ein Teufelskreis, den wir uns in dieser Konjunkturlage nicht leisten können.
Uns machen die Mittel aus dem Sondervermögen für den Wohnungsbau Hoffnung. Aber Hoffnung allein schafft keinen Quadratmeter Wohnraum. Entscheidend ist, dass dieses Geld zusätzliche Projekte ermöglicht. Wenn bestehende Vorhaben nur umetikettiert werden, bleibt alles beim Alten: Die Statistik sieht zwar besser aus, die Menschen wohnen trotzdem nicht und stehen weiterhin im Stau.
Wir brauchen Entscheidungen, die Mut zeigen, nicht nur Absichtserklärungen. Wer in Zeiten des Mangels weiter auf langwierige und oft politisierte Genehmigungskultur setzt, verwechselt Verwaltung mit Tatkraft. Es ist Zeit, die Verhältnisse umzudrehen: Weg von der Vermutung, dass Vorhaben grundsätzlich schädlich seien, hin zu einer Haltung, dass Projekte für das Gemeinwohl notwendig sind. Konkret heißt das: Genehmigungsfiktionen müssen Standard werden. Wenn Behörden nicht entscheiden, gilt ein Vorhaben nach Ablauf einer klaren Frist als genehmigt. Punkt. Nur so entsteht Druck, der Prozesse wirklich beschleunigt, für Bauvorhaben aller Art und erst recht für die Sicherstellung der Rohstoffversorgung.
Wir sollten uns nichts vormachen: Die Nachfrage nach Infrastruktur, Energieanlagen, Wohnungen und Gewerbe wird steigen und nicht verschwinden. Wer glaubt, man könne Rohstoffe einfach importieren, sollte sich die geopolitische Lage anschauen. Rohstoffsouveränität ist Standortpolitik. Sie entscheidet darüber, ob Deutschland bauen kann oder nur darüber diskutiert, warum es nicht gelingt. 2026 muss das Jahr sein, in dem wir aus dem Krisenmodus in den Gestaltungsmodus wechseln. Die mineralische Rohstoffwirtschaft steht bereit. Die Betriebe wollen investieren und liefern. Aber sie brauchen Verlässlichkeit und Zugang zu den Rohstofflagerstätten, die alles erst möglich machen.
Politik und Verwaltung haben es in der Hand. Wenn der Bau-Turbo wirklich zündet und die Rohstoffgewinnung nicht länger ausgebremst wird, kann dieses Jahr ein Wendepunkt werden. Es wäre schön, wenn wir rückblickend sagen können: 2026 hat der Wecker nicht nur geklingelt, sondern Deutschland ist auch endlich aufgestanden.