Berlin (ABZ). – Beim ZDH-Forum zum Thema "Wie kann eine erfolgreiche Wirtschaftswende gelingen?" hat Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), in Berlin an die Politik appelliert, die besonderen Bedürfnisse der lohnintensiven und standortgebundenen Handwerksbetriebe stärker in den Fokus zu rücken.
"Das Handwerk ist eine bedeutende Wirtschaftsmacht in Deutschland. Mit einem Umsatz von 766 Milliarden Euro im Jahr 2023 übertrifft es sogar die deutsche Automobilindustrie bei weitem. Mit rund 5,6 Millionen Beschäftigten und deren Angehörigen ist das Handwerk aber eben nicht nur eine immense Wirtschaftsmacht, sondern zugleich auch eine gesellschaftliche Macht. Ein starkes Handwerk ist die Voraussetzung für eine starke Gesamtwirtschaft und ein starkes Land", so Dittrich.
Der ZDH-Präsident betonte, dass politische Maßnahmen konsequent auf das Ziel ausgerichtet sein müssen, die Wachstumsschwäche zu überwinden. "Es fehlen Anreize für Leistung und Investitionen. Die Betriebe brauchen Planungssicherheit und Verlässlichkeit. Das Handwerk ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und die großen Herausforderungen gemeinsam mit der Politik anzugehen", erklärte Dittrich vor den rund300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am ZDH-Forum.
Gastredner des ZDH-Forums war Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), der in einem Impulsvortrag seine Vorstellungen für eine Wirtschaftswende präsentierte. Lindner betonte, wie wichtig es sei, die Standortbedingungen zu verbessern, um die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zu sichern: Die Herausforderungen sind laut ZDH-Präsident bekannt: eine zu hohe Steuer- und Abgabenlast, zu viel Bürokratie, fehlende Fachkräfte.
"Jetzt muss endlich angepackt werden", forderte Dittrich. Ganz oben auf der Aufgabenliste der Politik müsse eine Reform der Sozialversicherungen stehen, um sie fair, finanzierbar und zukunftsfest auszugestalten. Ohne Reformen drohten die Beiträge bis 2035 auf über 48 Prozent zu steigen. Allein der erwartete Anstieg des Zusatzbeitrags der GKV und der Pflegeversicherung werde Betrieben und Beschäftigten 20 Milliarden Euro an Kaufkraft entziehen. Geld, das dann für Investitionen und Konsum fehle.