Fachwerkhäuser energieeffizient erhalten

Forschungsprojekt unterstützt

Kamp-Lintfort (ABZ). – In Deutschland existieren rund zwei Millionen Fachwerkgebäude aus dem 15. bis 19. Jahrhundert, welche aufgrund ihrer Beheizung für unverhältnismäßig hohe CO2-Emissionen verantwortlich sind.
Proceram/Cerabran Dämmstoffe
Ein Fachwerkhaus, das in Bauweise und Größe ein repräsentatives Gebäude darstellt, wird aktuell im Hessenpark saniert. Foto: Proceram/Cerabran

Neue Sanierungskonzepte und -methoden werden aktuell erforscht – die Proceram-Gruppe aus Kamp-Lintfort forscht gemeinsam mit der Universität Stuttgart mit unterschiedlichen Putzen an Fachwerkhäusern.

Traditionelles Kulturgut zu erhalten und gleichzeitig mehr Energieeffizienz zu erreichen, scheint ein Widerspruch zu sein. Gerade im Bereich der Fachwerkhäuser, die vielen deutschen Städten wie Quedlinburg, Fritzlar, Esslingen oder Tübingen ihren besonderen Charme verleihen, sei nicht an eine Veränderung der Fassade zu denken, da das den Charakter dieser traditionellen Häuser komplett verändern würde. Gleichzeitig verursachen diese Gebäude einen im Verhältnis zu ihrer Wohnfläche überproportionalen Energiebedarf und damit auch Emissionsausstoß. Daher soll bis zum Jahr 2050 die Klimaneutralität auch für den Gebäudebestand an Fachwerkhäusern erreicht werden.

Im Zusammenhang mit den Pariser Klimazielen und dem hohen Einsparpotential, welches die Gebäude- und Bauwirtschaft zu deren Erreichung bietet, müssen dringend auch für diese Bauform langfristig funktionierende Sanierungskonzepte erarbeitet werden. Daher gibt es auch ein Verbundprojekt "Fachwerk 2.0", bei dem die Hochschule Rhein-Main, das Freilichtmuseum Hessenpark und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg die Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz an Fachwerkgebäuden unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit erforschen.

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Proceram/Cerabran Dämmstoffe
Im Innenraum werden verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Putzen versehen. Projektleiter Olaf Kallweit und Anwendungstechniker Markus Termath besprechen die anstehenden Arbeiten. Foto: Proceram/Cerabran

Hierzu hatte der Leiter der Stabstelle Bauwesen & Kompetenzzentrum Fachwerk des Hessenparks, Eberhard Feußner, die Proceram-Gruppe ins Boot geholt. Dieses Forschungsprojekt ist den Verantwortlichen zufolge auch deshalb so wichtig, weil nach früheren Sanierungen klar wurde, dass nicht alle Stoffe mit den historischen Baustoffen harmonieren: So schützten beispielsweise bestimmte Farben die historischen Holzbalken nicht, sondern beschleunigten im Gegenteil noch deren Verfall oder spezieller Zement kam mit den natürlichen Bewegungen des Holzes und Lehms in der Fachwerkkonstruktion nicht zurecht und brach wieder heraus.

Gut 100 Fachwerkhäuser zählt der Hessenpark derzeit auf seinem Gelände. Sie alle waren an ihren ursprünglichen Standorten in ganz Hessen Kulturdenkmäler gewesen, die dort weichen mussten und im Hessenpark originalgetreu wieder aufgebaut wurden. Durch den Umzug haben sie den Schutzstatus verloren, werden aber im Museum zu neuem Leben erweckt: Einige sind original eingerichtet und zeigen, wie Menschen auf dem Land in früheren Jahrhunderten gelebt und gearbeitet haben.

Andere werden für die Präsentation von Ausstellungen oder seit neuestem auch für die Forschung genutzt. Eines dieser Fachwerkhäuser, welches in Bauweise und Größe ein repräsentatives Gebäude darstellt, wird aktuell im Hessenpark saniert. Hier bringt das Proceram-Team an drei Gebäudeseiten in unterschiedlichen Bereichen verschiedene Putze innen und außen auf. Dabei setzt Projektleiter Olaf Kallweit auf verschiedene Baustoffe.

Zum einen verwendet er den Aerogelputz mit 0,027 W/mK, ebenso den Perlit-Wärmeputz Branelit mit 0,060 W/mK und den Ecoputz Außen mit Mikroglashohlkugel-Technologie und 0,042 W/mK. Zudem wurden ein traditioneller Kalkputz im Außenbereich und ein Lehmputz im Innenbereich angebracht. Im Gebäude sind 210 Messfühler verbaut, die das Verhalten des Baukörpers dokumentieren und unter anderem den Feuchteaustausch und die Dämmwirkung der Putze erfassen.

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