Rohrdorf (ABZ). – Das Net Zero Emission-Team von Rohrdorfer hat nach eigenen Angaben eine Technologie für CCU (Carbon Capture and Utilization) entwickelt, die Abscheidung und Umwandlung in einem Prozessschritt zusammenführt. Das Verfahren mit dem Arbeitstitel iCCE (intensified Carbon Capture and Electrolysis) wird seit Juni 2025 am Standort Rohrdorf getestet.
Nach Angaben des Unternehmens arbeitet das System besonders energiesparend, da die Eigenschaften der Elektrolyse sowie die dabei entstehende Abwärme für die CO₂-Desorption genutzt werden. In einer speziell konstruierten Pilotanlage kommt eine eigenentwickelte Elektrolysezelle zum Einsatz, die mit den Prozessschritten der Aminwäsche kombiniert wird.
Das Ergebnis des Prozesses ist ein Synthesegas, das aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff besteht. Laut Herstellerangaben könnte dieses Gas künftig beispielsweise in der Eisenproduktion zur Reduktion von Roheisen zu Eisen eingesetzt werden. Auch die Herstellung von Methanol oder Ethylen für die chemische Industrie sei möglich. Die derzeit in Rohrdorf produzierten Mengen dienen primär analytischen Zwecken.
Die Carbon-Capture-Technologie gilt als ein Baustein, um die Zementproduktion CO₂-neutral zu gestalten. Aktuell steht die Wirtschaftlichkeit laut Rohrdorfer jedoch unter Vorbehalt: Nach dem geltenden EU-Emissionshandelsabkommen müssen Unternehmen für das abgeschiedene CO₂ weiterhin Zertifikate erwerben, auch wenn daraus Folgeprodukte entstehen.
Der Fokus des Unternehmens liegt daher derzeit auf der Vermeidung von Emissionen. Durch den Einsatz klinkerarmer Ersatzrohstoffe oder nicht fossiler Brennstoffe lassen sich nach Herstellerangaben bis zu 60 Prozent des CO₂ einsparen. Die verbleibenden 40 Prozent der Emissionen, die prozessbedingt beim Entsäuern des Gesteins entstehen, sollen durch Verfahren wie iCCE abgeschieden und umgewandelt werden.
„Wir testen derzeit mehrere Abscheideverfahren parallel, um eine belastbare Entscheidung treffen zu können, auf welches wir für eine Anlage im industriellen Maßstab setzen“, sagt Dr. Christopher Ehrenberg, technischer Leiter der Sparte Zement. Sorge bereite dem Unternehmen jedoch der langsame Ausbau der Infrastruktur für den CO₂-Transport sowie die Versorgung mit grünem Strom. Beides sei essenziell, um die vorgegebenen EU-Klimaziele zu erreichen. Ehrenberg sieht hier Bund und Länder in der Pflicht, den Ausbau entschiedener voranzutreiben.