Hamburg (ABZ). – Die Europäische Union hat das Projekt "Carbon2Business" (C2B) von Holcim Deutschland als erstes von insgesamt drei strategischen deutschen Projekten für die NZIA-Listung ausgewählt.
Im Rahmen des Projekts will Holcim Deutschland in Lägerdorf, Schleswig-Holstein, bis zum Ende des Jahrzehnts eines der ersten klimaneutralen Zementwerke der Welt betreiben.
Mit dem "Net-Zero Industry Act" (NZIA) hat die Europäische Union einen Rechtsrahmen geschaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu stärken und ihre Dekarbonisierung zu fördern. Das Projekt läuft in der Kategorie "Energy-intensive industry decarbonisation project". In Lägerdorf entsteht derzeit eines der ersten klimaneutralen Zementwerke der Welt, das bis Ende des Jahrzehnts in Betrieb gehen soll.
Im Rahmen des Gesamtvorhabens, das Holcim gemeinsam mit Technologie- und Infrastrukturpartnern wie Linde Engineering und Open Grid Europe (OGE) realisiert, soll das Zementwerk jährlich etwa 1,2 Millionen Tonnen CO2 abscheiden und für die weitere nachgelagerte Nutzung aufbereiten.
Möglich macht das laut Holcim die Nähe zum Elbehafen in Brunsbüttel, von wo aus das CO2 anderen Industrien als Rohstoff zur Verfügung gestellt ("Carbon Capture and Utilization", CCU) oder als Übergangslösung zur Offshore-Speicherung ("Carbon Capture and Storage", CCS) transportiert werden soll. Damit das CO2 von Lägerdorf nach Brunsbüttel gelangt, ist eine rund 30 Kilometer lange Pipeline geplant.
Hochrein aufbereitetes CO2 kann nach Angaben des Unternehmens zum Beispiel in der chemischen Industrie dabei helfen, fossile Grundstoffe zu ersetzen. Das fördere die Kreislaufwirtschaft und treibe die Dekarbonisierung voran. Insgesamt investiert Holcim Deutschland einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in das klimaneutrale Zementwerk. Die EU fördert das Projekt mit rund 110 Millionen Euro.
"Herzlichen Glückwunsch an Carbon2Business Lägerdorf zur Ernennung zum strategischen Projekt des EU Net-Zero Industry Act. Ein Vorzeigeprojekt dafür, wie Dekarbonisierung die Wettbewerbsfähigkeit fördert und Europas Netto-Null-Ziel in einen globalen Wettbewerbsvorteil verwandelt", sagt Kerstin Jorna, Generaldirektorin Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU der Europäischen Union (DG GROW).
Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Frank Wetzel: "Mit dem Net-Zero Industry Act hat Europa wichtige Impulse für die Stärkung von Transformationstechnologien und die industrielle Dekarbonisierung gesetzt – und Deutschland geht entschlossen voran. Technologien zur CO2-Abscheidung, -Speicherung und -Nutzung sind ein zentraler Schlüssel, um unseren Industriestandort zukunftsfähig zu halten."
"Carbon2Business ist ein Paradebeispiel für eine sektorübergreifende Zusammenarbeit", sagt Matthias von der Brelje, Geschäftsführung Holcim Deutschland. "Hier zeigen Vertreter aus verschiedenen Industriezweigen ihre Bereitschaft, sich öffentlich zum Net-Zero Industry Act zu bekennen und aktiv für Klimaneutralität einzutreten."