Mödlareuth (ABZ). – Am 9. November 2025, dem 36. Jahrestag des Mauerfalls, ist der Erweiterungsbau des Deutsch-Deutschen Museums in Mödlareuth feierlich eröffnet worden. Der Neubau mit 1350 m² Nutzfläche entstand nach Plänen des Kasseler Architekturbüros Atelier 30.
Das Stuttgarter Beratungsunternehmen Drees & Sommer übernahm nach eigenen Angaben die Projektleitung des 22-Millionen-Euro-Vorhabens.
Mitten durch das Dorf Mödlareuth verlief jahrzehntelang eine 700 m lange Grenzmauer. In dieser Zeit wurde der Ort, den US-Präsident George H. W. Bush bei seinem Besuch im Jahr 1983 "Little Berlin" nannte, zu einem Symbol der deutschen Teilung.
Heute besuchen rund 80.000 Menschen jährlich das Museum. Das bisherige Gebäude war dem Besucherinteresse nicht mehr gewachsen. Atelier 30, das Architekturbüro, das sich beim Planungswettbewerb durchsetzte, legte dennoch großen Wert darauf, kein überdimensioniertes Bauwerk zu errichten. Es ist ein schlanker Holzbau entstanden, der Elemente bäuerlicher Scheunen aufgreift und neu interpretiert.
Die deckenhohen Panoramafenster bieten uneingeschränkte Sicht auf die ehemalige Grenze, Mauer und Wachturm bleiben dabei im Fokus. Für die Fassadengestaltung wurde überwiegend geöltes Fichtenholz verwendet. Das begrünte Dach trägt zur Einbindung in die Umgebung bei. Nachhaltige Energieversorgung gewährleisten nach Herstellerangaben eine Erdwärmepumpe, Dreifach-Wärmeschutzverglasung und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Der Neubau ergänzt das bisherige Hauptgebäude, ein ehemaliges Rittergut in der Dorfmitte.
Die Baumaßnahme umfasste neben dem Erweiterungsneubau auch die behutsame Umgestaltung des Freigeländes. Diese startete im Frühjahr 2022 und wurde im Sommer 2023 abgeschlossen. Neben der original erhaltenen Grenzanlage des Dorfes zeigt das Museum dort auch eine Zusammenfassung der mehrstufigen Grenzbefestigung der früheren DDR.
Seitens Drees & Sommer steuerte seit Ende 2020 Maximilian Loos, Experte für Kulturbauten, gemeinsam mit seinem Projektteam sämtliche Projektphasen des Vorhabens.
Das reichte von der Auswahl und Steuerung der Planungsbeteiligten über das komplexe Fördermittelmanagement bis hin zur Ausschreibung, Vergabe und Betriebskostenprognose.
Insgesamt wurden für das Bauprojekt in der Kostenberechnung rund 22 Millionen Euro veranschlagt, die über die Bauzeit gehalten werden konnten. Der Bund und der Freistaat Bayern unterstützen mit jeweils 5,6 Millionen Euro, der Freistaat Thüringen mit 800.000 Euro. 4 Millionen Euro kommen von der Oberfrankenstiftung, 500.000 Euro von der Bayerischen Landesstiftung.
Auf rund 1350 Quadratmetern Nutzfläche können Besucher künftig entdecken, wie die Menschen in den Jahrzehnten der deutschen Teilung lebten. Auf knapp 500 Quadratmetern ist die neue Dauerausstellung zu sehen. Hinzu kommen weitere Räume für Besucherbetreuung, Wechselausstellungen und die Präsentation von Archivmaterial sowie ein integriertes Bistro.