Köln (ABZ). – Beim Fach-Forum "Bauen im Bestand", das das Netzwerk Neues Bauen – 80 Sekunden gemeinsam mit der Ed. Züblin AG am 28. und am 29. Oktober 2025 in Köln ausgerichtet hat, zeigte sich nach Veranstalterangaben: Der Umbau vorhandener Gebäude ist Ausdruck einer neuen Baukultur.
Bereits am Vorabend bot die Besichtigung der Zentralbibliothek Köln Einblicke in eines der größten öffentlichen Umbauprojekte Nordrhein-Westfalens. Dabei wird auf digitale Planung, serielle Verfahren und CO2-arme Baustoffe gesetzt.
Mit der Novellierung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD 2.0), mit der die Klimaneutralität des europäischen Gebäudebestands bis 2050 erreicht werden soll, rückt die Sanierung des Gebäudebestands in den Mittelpunkt der politischen Agenda. Der rechtliche Rahmen bewegt sich laut Veranstalter in die richtige Richtung – entscheidend seien jetzt Tempo, digitale Kohärenz und stabile Investitionsbedingungen.
In Keynotes und Panels wurde deutlich, dass die Transformation des Bauens auf den Datenqualität, Kreislaufwirtschaft und neuen Bewertungslogiken beruht. KI-gestützte Gebäudedaten, digitale Gebäudepässe und BIM-basierte Planungsprozesse sollen künftig die Grundlage für Sanierungsentscheidungen bilden. Praxisbeispiele von Concular und dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP zeigen, wie sich energetische, materielle und wirtschaftliche Kennwerte zu integrierten Entscheidungsmodellen verbinden lassen.
"Bestand ist kein Altlasten-Thema, sondern eine Frage von Präzision, Organisation und digitaler Intelligenz. Wir arbeiten heute mit digitalen Zwillingen, modellgestützter Logistik und integrierten Planungsprozessen, die alle Akteure in Echtzeit verbinden. Diese Transparenz verändert nicht nur die Baustelle, sondern auch die Haltung: Umbaukultur heißt, Verantwortung für das Gebaute zu übernehmen – ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich", hebt Niklot von Bülow, Technischer Leiter der Direktion Nord-Ost der Ed. Züblin AG, hervor.
Mehrere Beiträge verdeutlichten, dass sortenreiner Rückbau, Materialrecycling und Wiederverwendung bereits technisch möglich, regulatorisch aber noch zu komplex sind. Die Arbeitsgruppe "Kreislaufwirtschaft vereinfachen" plädierte daher für digitale Materialregister und einheitliche Bewertungsstandards.
In vier moderierten Arbeitsgruppen wurden Handlungsempfehlungen formuliert: Umbau soll in Ausbildung, Vergabe und Kommunikation verankert werden. Ferner wurde die Entwicklung digitaler Materialdatenbanken und Rückbauleitfäden sowie die Integration serieller Prozesse in öffentliche Ausschreibungen und Förderprogramme vorgeschlagen.
Die Diskussionen münden nach Angaben von Züblin in ein Forderungspapier, das Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Wirtschaft bündeln wird.