Köln (ABZ). – "Sprengen ist sicher, wirtschaftlich und zeitgemäß", dies wurde beim Fachkongress Sprengtechnik – Abbruch Explosiv laut Veranstalter Mitte November in Köln deutlich. In Vorträgen zu besonderen Bauwerkssprengungen präsentierten Experten ihr Fachwissen. Die erforderlichen umfangreichen Planungen von Sprengungen erweckten großes Interesse bei Branchen- und Behördenvertretern.
"So viele Sprengungen an einem Tag erleben Sie nur hier", mit diesen Worten eröffnete Martin Hopfe den Fachkongress Sprengtechnik – Abbruch Explosiv. Nach der Begrüßung der fast 100 Teilnehmer durch Andreas Pocha, Geschäftsführer des Deutschen Abbruchverbandes (DA), leitete Martin Hopfe, Vorsitzender des Fachausschusses Sprengtechnik des DA, durch das vielfältige Vortragsprogramm des Fachkongresses zu den Spezialverfahren für den Abbruch.
Zu Beginn referierte Clarissa Rapps, die als Geschäftsfeldleiterin Baudynamik bei der Wölfel Engineering GmbH tätig ist, zu den unterschiedlichen Sprengstrategien. Dabei zeigte sie anschauliche Simulationen von Bauwerkssprengungen. In ihrem Vortrag beantwortete die Ingenieurin die Schlüsselfrage "Wie findet man die richtige Sprengstrategie?". Mithilfe von Beratung, Machbarkeitsstudien und Simulationen lässt sich ihren Ausführungen zufolge für jedes Bauwerk die optimale Sprengstrategie finden.
Mit entsprechenden Sprengsimulationen arbeitet auch Michael Schneider, Leiter Sprengtechnik bei der Richard Liesegang GmbH. In seinem Vortrag stellte er die Havariesprengung der Rahmede-Talbrücke vor. Die erfolgreiche Niederlegung der maroden Autobahnbrücke sei nur durch ein perfektes Zusammenspiel aller Beteiligten möglich gewesen. Wie bei allen Sprengungen war auch dort nach seinen Ausführungen Sicherheit oberstes Gebot. Auch der Tierschutz soll bei diesem spektakulären Sprengvorhaben nicht zu kurz gekommen sein. Am Ende sorgten mehr als 100 Absperrposten für die nötige Sicherheit vor Ort. Das gewünschte Sprengergebnis trat zur Zufriedenheit aller Beteiligten ein. Auf die Prognose von Sprengerschütterungen bei Schornsteinen, Kühltürmen, Brücken und Bunkern ging Dr. Ulf Lichte vom Ingenieurbüro Lichte in seinem Vortrag ein. Michael Böhme von Mobiler Bild- und Messdienst zeigte an einem herausfordernden Beispiel aus Leipzig auf, wie er die Beweisaufnahme im Umfeld eines geplanten Sprengobjektes durchführte. Digitalisierung ist auch im Bereich der Sprengtechnik längst angekommen. Stefan Gräßle, Geschäftsführer der 3D-Soil GmbH, einer Tochter der Lothar Rapp GmbH, präsentierte Beispiele von Sprengungen, bei denen digitale Prozesse enorme Arbeitserleichterungen ermöglichten. "Digitalisierung ist die Zukunft und an der richtigen Stelle praktisch", so Gräßle.
Im weiteren Verlauf des Nachmittags widmete sich André Schewcow, Geschäftsführer der Deutsche Sprengunion GmbH, der Stahlsprengung eines Verladekrans. Die wichtigsten Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen, die bei einer Bauwerkssprengung zu beachten sind, erklärten anschaulich Ulrike Matthes, Sprengingenieurin bei der Thüringer Sprenggesellschaft und Gerd Vogel, Sprengtechnischer Sachverständiger mit langjährigen Erfahrungen im Bereich der Sprengtechnik. Bei Großprojekten seien vor allem das Vier-Augen-Prinzip und gesammelte Erfahrungswerte sehr hilfreich, wie die beiden Referenten dem Publikum aufzeigten.
Johannes Hubrich von der Regrata Abbruch und Recycling GmbH stellte in seinem Vortrag die Sprengvarianten für Türme von Windenergieanlagen dar. Anhand von Videos zeigte er auf, wie die verschiedenen Anlagentypen niedergebracht werden können. Abschließend beleuchtete Eduard Reisch, Geschäftsführender Gesellschafter der Reisch Sprengtechnik GmbH, den Nachhaltigkeitsaspekt von Bauwerkssprengungen am Beispiel von Auflockerungssprengungen der Fundamente von Windkraftanlagen. Hoch interessant waren seine Ausführungen zum CO2- Fußabdruck des erfolgten Sprengabbruchs im Vergleich zu einem fiktiven maschinellen Abbruch. Reisch stimmte seinem Vorredner zu und schloss sich dessen Fazit "Sprengen ist sicher, wirtschaftlich und zeitgemäß" an.