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Klimaresiliente Stadtplanung als Antwort

Bei einer Berliner Veranstaltung betonten Experten die Notwendigkeit klimaresilienter Stadtplanung und dezentraler Regenwasserbewirtschaftung bei Wetterextremen.

Von ABZ
Fachpresse bei Veranstaltung in Berlin
Die Referenten (v. l.).: Markus Böll (Mall GmbH), Christoph Schulze Wischeler (Mall GmbH), Martin Lienhard (Mall GmbH), Dr. Gunter Mann (Bundesverband GebäudeGrün e. V.), Prof. Dr. Heiko Sieker (Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH) und Dr. Tim Peters (Provinzial Holding). | Fotos: Cornelia Rachow

"Regenwasser ist kein Müll – Regenwasser ist Ressource", hat Christoph Schulze Wischeler, Geschäftsführer der Mall GmbH, bei einer gemeinsamen Presseveranstaltung des Unternehmens und des Bundesverbandes GebäudeGrün e.V. (BuGG) in Berlin gesagt. "Wir reden mittlerweile nicht mehr über Verhinderung des Klimawandels – wir reden mittlerweile über Klimaanpassung.".

Berlin. – Längere Hitzeperioden und geringerer Niederschlag im Sommer sowie häufigere Starkregenereignisse bei zunehmender Versiegelung führen vor allem in Städten zu einem Umdenken im Umgang mit Regenwasser. Klimaresiliente Innenstädte brauchen Regenwasser – um Stadtbäume mit ausreichend Wasser zu versorgen, Überhitzung zu verhindern und den natürlichen Wasserhaushalt so gut wie möglich zu erhalten. Dieser neue Blick auf den Umgang mit Regenwasser stand im Mittelpunkt einer Presseveranstaltung mit rund 40 Journalistinnen und Journalisten der Fach-, Publikums- und Tagespresse in Berlin.

Bei der Veranstaltung wurde eine aktuelle Marktbefragung der Mall GmbH zum Umgang mit Regenwasser in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgestellt. An der Befragung nahmen im Frühjahr 2025 insgesamt 4458 Personen aus Architektur- und Ingenieurbüros, Handwerk, Behörden, Hochschulen und dem Baustofffachhandel teil. Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Bild der aktuellen Entwicklung in der Branche.

Mall-Geschäftsführer Christoph Schulze Wischeler stellte die strategische Ausrichtung des Unternehmens im Bereich Regenwasserbewirtschaftung und klimarelevanter Infrastruktur vor und betonte, die Schwammstadt sei kein Pilotprojekt mehr, sondern mit den Lösungen von Mall ganz praktisch umsetzbar: unterirdisch und dezentral. Das Unternehmen mit Sitz in Donaueschingen beschäftigt rund 500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von 105 Millionen Euro.

Dr. Tim Peters von der Provinzial Holding analysierte in seinem Vortrag die Ursachen und Auswirkungen extremer Starkregenereignisse und betonte: "Naturgefahren wurden unterschätzt. Das frühere Extremereignis wird das künftige Normal." Anhand meteorologischer Grundlagen, Schadensdaten und Klimaszenarien verdeutlichte er die wachsende Bedeutung einer präzisen Risikobewertung und einer verbesserten Aufklärung sowie Absicherung gegenüber Naturgefahren.

Die Präsentation umfasste konkrete Schadenereignisse aus der Vergangenheit und deren versicherungsrelevante Bewertung. Peters zeigte auf, wie die Risiken von Starkregenereignissen in Deutschland noch immer unterschätzt werden, obwohl die Häufigkeit und Intensität solcher Ereignisse nachweislich zunehmen. Versicherungsunternehmen müssen ihre Risikomodelle entsprechend anpassen und Kommunen sollten präventive Maßnahmen verstärken.

Professor Dr. Heiko Sieker vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Berlin stellte praxisnahe Strategien zur Umsetzung des Schwammstadtprinzips vor, mit Fokus auf den Umgang mit Starkregen, Trockenperioden und steigender Flächenversiegelung. "60 Prozent der Straßenbäume in Berlin sind geschädigt", erklärte er. "Ein Prozent Versiegelung kommt pro Jahr in Berlin dazu."

Anhand konkreter Berliner Projekte wie den Buckower Feldern zeigte er, wie multifunktionale Flächen, Baumrigolen und dezentrale Speicher zur klimaangepassten Stadtentwicklung beitragen können. "Massive Entwässerung ist nicht die Antwort – die Antwort ist das Schwammstadtkonzept", so Sieker. "Schwammstadt ist erprobt, aber es muss Mainstream werden."

Das Schwammstadtprinzip, international auch als "Sponge City" bekannt, zielt darauf ab, Regenwasser dort zu speichern, wo es fällt, anstatt es schnell abzuleiten. Dies geschieht durch verschiedene Bausteine wie Versickerungsmulden, Retentionsräume, Raingardens, durchlässige Beläge, Teiche, Dach- und Fassadenbegrünung sowie Baumrigolen und Straßenmulden.

Sieker formulierte klare Handlungsempfehlungen für Planung, Regelwerke und Integration der Infrastruktur. Dazu gehört, dass blaue und grüne Infrastruktur zusammengedacht werden müssen und Langzeitspeicher statt Kurzzeitspeicher eingesetzt werden sollten. Zudem müssten Regelwerke und Normen angepasst werden, um die Umsetzung des Schwammstadtprinzips zu erleichtern.

Martin Lienhard, Leiter der technischen Abteilung bei Mall, zeigte praxisbewährte Lösungen für eine klimaresiliente Regenwasserbewirtschaftung. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unsere Kanalisation an die Regenereignisse anpassen", warnte er. Stattdessen sollte der Abfluss beeinflusst werden, idealerweise bei gleichzeitiger Verbesserung des Stadtklimas.

Lienhard stellte unter anderem die Baumrigole ViaTree zur Verdunstung und Rückhaltung von Niederschlägen vor. Ein ausgewachsener Laubbaum verdunstet über ein Jahr etwa 40.000 Liter Wasser. Bei einem angenommenen Niederschlag von 800 Millimetern pro Jahr kann ein Baum mit einer Anschlussfläche von 50 Quadratmetern das gesamte anfallende Regenwasser verdunsten. Die Baumrigole ViaTree ist in verschiedenen Größen erhältlich und kann je nach Typ zwischen 2500 und 5700 Liter Wasser speichern.

Weitere vorgestellte Lösungen umfassten die Straßenwasserversickerung "Innodrain", den Sickertunnel CaviLine und Systeme zur Pestizid- und Metallbehandlung wie ViaToc. Lienhard betonte, dass mit typisierten, dezentralen und qualitativ hochwertigen Produkten der Ansatz der "blue-green-city" wirtschaftlich umgesetzt werden kann.

Dr. Gunter Mann, Präsident vom Bundesverband GebäudeGrün e. V. (BuGG), präsentierte aktuelle Marktdaten, Trends und Praxisbeispiele zur Dach- und Fassadenbegrünung: "Dach- und Fassadenbegrünungen gewinnen im Rahmen einer klimaresilienten und wasserbewussten Stadtentwicklung bundesweit an Bedeutung." Der Gründachmarkt verzeichnete 2023 mit über zehn Millionen Quadratmetern neu begrünter Fläche ein deutliches Wachstum, ebenso der Bereich Fassadenbegrünung. Mehr als die Hälfte der Städte über 50.000 Einwohner geben finanzielle Zuschüsse für die Umsetzung von Dach- und Fassadenbegrünungen.

Neben kommunalen Förderinstrumenten wurden vielfältige Anwendungen – von Retentionsgründächern über Biodiversitätsflächen bis hin zu Solargründächern – als Lösungen für Klimaschutz und Stadtentwicklung aufgezeigt. Mann betonte die Multifunktionalität begrünter Gebäudehüllen, die nicht nur zur Regenwasserrückhaltung beitragen, sondern auch das Stadtklima verbessern, Biodiversität fördern und die Energieeffizienz von Gebäuden steigern.

Die Ergebnisse der Marktbefragung, die Mall-Pressesprecher Markus Böll vorstellte, zeigen ein klares Bild: 77 Prozent der befragten Architekten, Ingenieure und Behördenvertreter sehen die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung positiv. 98 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten eine steigende oder zumindest gleichbleibende Nachfrage bei Maßnahmen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung.

Die ungleiche Verteilung des Regenwassers zwischen punktuellem Starkregen und Trockenperioden spiegelt sich in den Topthemen der Zukunft wider: Starkregen und Regenwassernutzung stehen mit 74 und 72 Prozent bei den Befragten ganz oben. Das Thema Trockenheit verzeichnete den stärksten Anstieg (von 16 im Jahr 2023 auf jetzt 40 Prozent). Bei der Frage nach geeigneten Materialien für Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung wie Rigolen oder Zisternen zeige sich eine differenzierte Betrachtung der Vor- und Nachteile von Beton und Kunststoff. Auch die Umweltbilanz der Materialien wurde thematisiert, unter anderem anhand des Klima-Rads des Bundesfachverbands Betonkanalsysteme e. V. (FBS), das den CO2-Ausstoß bei der Herstellung von Regenspeichern aus verschiedenen Materialien vergleicht.

Am zweiten Tag der Veranstaltung standen realisierte Bauvorhaben aus dem Schwammstadt-Umfeld im Mittelpunkt. Das Bürogebäude AERA in Berlin-Charlottenburg hat einen öffentlich zugänglichen Dachgarten mit fünf verschiedenen Baum- und 25 Pflanzenarten. Das integrierte Retentionssystem kann Wasser speichern, das in Trockenperioden den Pflanzen zur Verfügung steht und bei Starkregen das städtische Überflutungsrisiko reduziert.

Der Gendarmenmarkt ist seit seiner Sanierung vollständig von der Kanalisation abgekoppelt – das anfallende Regenwasser wird über Substratfilter gereinigt und versickert anschließend über Rigolen im Untergrund. Diese Beispiele zeigen, dass das Schwammstadtprinzip bereits erfolgreich in der Praxis umgesetzt wird und sowohl bei Neubauprojekten als auch bei der Sanierung bestehender Strukturen angewendet werden kann.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass alle Bausteine der Regenwasserbewirtschaftung – Rückhaltung, Speicherung und Nutzung, Behandlung, Versickerung und Verdunstung – notwendig sein werden, um den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken. Die Schwammstadt soll dabei kein Pilotprojekt mehr sein, sondern mit den entsprechenden Lösungen ganz praktisch umsetzbar: unterirdisch und dezentral.

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