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Historischer Geiselbachkanal wird saniert

Der historische Geiselbachkanal in Esslingen wird bis Oktober denkmalgerecht saniert, um Platzgestaltung und Denkmalerhaltung gleichzeitig zu sichern.

Von ABZ
Geschichtsträchtige Denkmalschutzarbeiten
Auf rund 31 m sind die Kämpferbereiche sowohl maschinell im Nassspritzverfahren als auch von Hand mineralisch neu beschichtet worden. | Foto: Güteschutz Kanalbau

Esslingen (ABZ). – Unter dem Marktplatz der Stadt Esslingen am Neckar verläuft der historische Geiselbachkanal, dessen Anfänge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

Im Rahmen der geplanten Neugestaltung des Esslinger Marktplatzes zum 1250. Stadtjubiläum wird der denkmalgeschützte Kanalabschnitt derzeit saniert. Die Arbeiten sollen bis Oktober dieses Jahres abgeschlossen sein.

Der zu sanierende Bereich des Geiselbachkanals mit einer Länge von 158 m besteht aus variierenden Hauben-Sonderprofilen mit Breiten zwischen 1,7 und 9,1 m und Höhen von 1,85 bis 5,05 m aus Natur- beziehungsweise Bruchsteinmauerwerk. Die Sohle mit seitlichen Auftritten und einer Trockenwetter-Rinne, beides aus Beton, ist neueren Datums. "Die Überdeckung des Kanals ist im Bereich des Marktplatzes gering. Ziel der Sanierung ist es daher, den Kanalabschnitt von innen nachhaltig so zu stabilisieren, dass die für 2026 geplante Oberflächenerneuerung des Platzes ausgeführt werden kann", erläutert Diplom-Ingenieur Daniel Weiss, Abteilungsleiter Kanalisation im Tiefbauamt der Stadt Esslingen.

Die besondere Herausforderung bestand darin, dass der Geiselbachkanal gemäß Denkmalschutzgesetz als Kulturdenkmal geschützt ist. "Als Sanierungsverfahren kamen daher nur Verfahren in Betracht, die die historische Struktur erhalten und gleichzeitig die Substanz des Kanals verbessern. Das heißt, die Sandsteine dürfen durch die verwendeten Materialien oder Verfahren in ihrer Substanz nicht angegriffen werden", sagt Projektleiter Florian Velle vom Ingenieurbüro Isas in Füssen.

Auf einer Länge von rund 85 m wird eine flächige, statische Fugensanierung des historischen Natursteinmauerwerks von innen durchgeführt. Hierfür werden die Fugen zunächst bis auf eine definierte Tiefe ausgeräumt und in Abstimmung mit dem Denkmalamt als Schattenfuge neu verfugt. Die neuen Fugen stellen nicht nur die Kraftübertragung zwischen den Steinen wieder her, sondern dienen nach Aushärtung auch als Widerlager für die anschließende Mikroinjektion des Mauerwerks.

Für die Auswahl der geeigneten Materialien wurden zunächst Musterflächen mit vier normalen Zementmörteln angelegt und anschließend Bohrkerne zur näheren Untersuchung und Prüfung nach Nürnberg zur LGA (Landesgewerbeanstalt Bayern) geschickt. Im Rahmen der konkreten Materialauswahl wurden auch weitere Produkte, wie zum Beispiel auf Grundlage von Trass (gemahlenes Vulkangestein), durch das LGA untersucht.

"Trasszementmörtel hat weniger Poren als ein normaler Zementmörtel und ist dichter. Zusätzlich härtet er im Vergleich langsamer aus, wodurch weniger Spannungsrisse entstehen. Er ist damit im Gegensatz zu normalem Portlandzement nahezu wasserdicht", erklärt Diplom-Ingenieur Volker Schmidt, Geschäftsführer der SMG Bautenschutztechnik für Hoch- und Tiefbau GmbH in Lage, der mit seinem Unternehmen die Sanierungsarbeiten in Esslingen ausführt. Neben der Materialauswahl war die Suche nach einem geeigneten Unternehmen ein zentraler Punkt des Projekts. "Bei Regenwetter fließen bis zu zehn Kubikmeter pro Sekunde durch den Geiselbachkanal. Und da der Kanal während der Sanierung in Betrieb bleiben muss, war uns schnell klar, dass wir ein ausführendes Unternehmen benötigen, welches Erfahrung in der Kanalsanierung hat und gleichzeitig die Arbeiten, wie sie mit dem Denkmalamt abgestimmt waren, fachmännisch und fachgerecht ausführen kann", so Weiss.

Daher wurde in der Ausschreibung für händische Beschichtung, Injektion und Fugensanierung die Eignung auf Grundlage der Gütesicherung Kanalbau RAL-GZ 961 gefordert. Im Rahmen von regulären Baustellenprüfungen konnten auf dieser Maßnahme direkt vier Gütezeichen geprüft werden: S42.1 (Maschinelle Beschichtung), S42.2 (Händische Beschichtung), S42.3 (Injektion) sowie S42.4 (Fugensanierung).

Was allen Beteiligten nach Fertigstellung der Sanierung im Gedächtnis bleiben wird, ist die Einmaligkeit des Bauwerkes. "Ich bin seit mehr als 35 Jahren in der Kanalsanierung tätig und wir haben schon viele alte Mauerwerkskanäle aus dem 18. Jahrhundert saniert. Aber so ein altes, geschichtsträchtiges Bauwerk wie den Geiselbachkanal haben wir noch nie saniert. Das ist schon eine Besonderheit", sagt Schmidt.

Da sind zum Beispiel die von Hand gehauenen Sandsteine, die die Steinmetze mit ihren persönlichen Zeichen gekennzeichnet haben. Oder auch eine alte Brückenkonstruktion, in der noch Holzornamente zu sehen sind. Die Schäden eines Brandes in einer Küferei sind heute noch erkennbar. Die Natursteine sind in diesem Bereich von der Hitze aufgeplatzt. Alle diese kleinen Kennzeichen lassen die Geschichte des historischen Esslingen erahnen.

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