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Ramme unterstützt Offshore-Netzanbindung

Die grabenlose Kabelverlegung bei BalWin1 und BalWin2 auf Norderney nutzt die GRUNDORAM TAURUS für stabile HDD-Bohrungen im Sandboden.

Von ABZ
Grabenlose Kabelverlegung
Die Baustelle 'Am Leuchtturm' während des Einbaus des zweiten Casings im Juli 2025. Im Hintergrund das Arbeitsponton im Watt. | Foto: Tracto

Lennestadt (ABZ). – Bei der Offshore-Netzanbindung BalWin1 und BalWin2 auf Norderney kam eine GRUNDORAM Stahlrohrramme vom Typ TAURUS für die grabenlose Leitungsverlegung im HDD-Verfahren zum Einsatz. Die Ramme half beim Einbringen von Casing-Rohren für HDD-Bohrungen in instabilem Sandboden..

BalWin1 und BalWin2 sind zwei von vier Netzanbindungssystemen des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, die von Windparks in der Nordsee über zwei Konverterplattformen unter der ostfriesischen Insel Norderney bis zum Festland in Hilgenriedersiel verlaufen. Jedes System verfügt über eine Übertragungskapazität von 2000 MW.

Die grabenlosen Trassenabschnitte auf der Insel werden von LMR Drilling zusammen mit ihren Schwesterfirmen TAGU und TRNW aus der Ludwig Freytag Gruppe gebaut. Die Verlegung der Schutzrohre für die Seekabel erfolgt in drei Phasen: Im Sommer 2025 werden sechs HDD-Bohrungen von der Inselmitte ins südliche Watt Richtung Festland erstellt, 2026 wird von dort nach Nordstrand in Richtung der Offshore-Konverterplattformen gebohrt und 2027 wird der Festlanddeich in Hilgenriedersiel unterquert.

Da der sandige Boden im Startbereich der HDD-Bohrungen sehr instabil ist, wurden mit dem GRUNDORAM TAURUS an den Eintrittspunkten der Bohrungen Casing-Rohre zur Führung in die bohrbaren Schichten eingerammt.

Die Baustelle "Am Leuchtturm" auf Norderney hat eine Arbeits- und Lagerfläche von 22.000 m². Zwei HDD-Großbohranlagen mit 250 beziehungsweise 450 t Schub- und Zugkraft, zwei Schwerlastkräne sowie mehrere Stapler und Bagger sind im Einsatz. Die HDD-Bohrungen von Norderney aus haben eine Länge von 1010 m in südlicher und 1140 m in nördlicher Richtung.

Die Casing-Rohre, durch die die HDD-Bohrungen landseitig starten, haben einen Durchmesser von 800 mm und sind jeweils 24 m lang. Bei diesen Dimensionen wirkt die TAURUS-Ramme von TRACTO mit einer Länge von fast 4 m und einem Gewicht von 4 800 kg beinahe klein.

Mit Horizontalrammen werden für gewöhnlich Stahlrohre als Medien- oder Schutzrohre mit bis zu 40.000 Nm Schlagenergie vorgetrieben. Weil das Erdreich im vorne offenen Rohr aufgenommen wird und Hindernisse nicht verdrängt werden, ist das Verfahren trotz der immensen Schlagkräfte so erschütterungsarm, dass es auch in sensiblen Umgebungen eingesetzt werden kann.

Die Schlagenergie der Rammen hilft auch, komplizierte HDD-Bohrungen erfolgreich abzuschließen und Casing-Rohre für HDD-Bohrungen einzurammen. Das funktioniert Tracto zufolge zuverlässig und zielgenau, weil die Ramme direkt mit dem vorzutreibenden Stahlrohr schubfest verbunden und axial dahinter ausgerichtet ist.

"Es ist sehr wichtig, dass die Casings sehr genau eingebaut werden, damit die Bohrungen ordnungsgemäß ausgeführt werden können", erklärt LMR-Projektleiter Jorn Stoelinga.

Die Dünen- und Wattlandschaft von Norderney ist Teil des Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Zum Schutz dieses Ökosystems dürfen Bauarbeiten im Sommer 2025 nur von Juli bis September stattfinden. "Hier kommen besonders geschützte Vogelarten vor, die im Frühjahr brüten. Und ab September besteht die Gefahr von Sturmfluten", sagt Henning Gründemann, Projektleiter der Amprion Offshore GmbH.

Die Bauarbeiten unterliegen strengen Auflagen sowie einer naturschutzfachlichen Baubegleitung. "Um Natur und Umwelt so gut wie möglich zu schützen, gelten besondere Maßgaben wie das Nulleinleitungsprinzip. Es besagt, dass keinerlei Stoffe von der Baustelle in die Umwelt gelangen dürfen", erklärt Gründemann.

Da Norderney eine beliebte Ferieninsel ist und die Campingplätze in den Dünen im Sommer ausgebucht sind, gibt es eine Lärmschutzwand um die Baustelle sowie feste Taktungen und Zeitfenster für das Einschlagen der Stahlrohre.

Die 24 m langen Stahlrohr-Casings bestehen aus je zwei Segmenten à 12 m, die in einem Neigungswinkel von exakt 14° in Sollrichtung der Bohrungen eingeschlagen werden. Mithilfe eines Schwerlastkrans wurde zuerst ein Rohrsegment in die Führungsschiene der 6 m hohen Startrampe gelegt, dann die TAURUS-Ramme dahinter positioniert und zentimetergenau ausgerichtet.

Anschließend wurden Schlagsegmente in die Öffnung des Stahlrohrs montiert und die Ramme schub- und zugfest damit verbunden. Nachdem das erste Segment sukzessive eingerammt war, wurde die Ramme gelöst, das zweite Segment angeschweißt, mit dem erneut in Position gebrachten TAURUS verbunden und bis zur bohrbaren Bodenschicht vorgetrieben.

Dieses Prozedere nahm einen ganzen Arbeitstag in Anspruch und wiederholte sich an den darauffolgenden Tagen. Der TAURUS übertrug seine Schubkraft von bis zu 18 600 Nm verlustfrei auf das Stahlrohr. "Durch die Einweisung der Spezialisten von Tracto wurden unsere Mitarbeiter stark unterstützt und konnten sehr schnell mit der Rammtechnik vertraut werden", berichten Jorn Stoelinga und Felix Buntkiel, der zukünftig bei LMR die Rammarbeiten betreuen wird. Das Team von LMR begann bereits während des Einbaus des dritten Casings mit den Pilotbohrungen. Nachdem sie erstellt sind, werden die Stahlrohre herausgezogen und die Kabelschutzrohre vom südlichen Watt aus in den Bohrkanal eingezogen. Die Inbetriebnahme der Netzanbindungssysteme wird 2030 (BalWin1) und 2031 (BalWin2) erfolgen.

ABZ

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