Uttrichshausen (ABZ). – Ein Projektbericht aus dem Herzen Deutschlands, mitten im hessischen Bergland, wo sich die A 7 durch Täler und Höhen schlängelt, steht ein Rückbauprojekt der besonderen Art an: Die 880 m lange Talbrücke bei Uttrichshausen wird im Auftrag der Strabag AG zurückgebaut – und das mit chirurgischer Präzision.
Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Brückenrückbau wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als hochkomplexes Unterfangen. Der Grund: Hinter den sogenannten Querspangliedern verbergen sich schwachgebundene, asbesthaltige Pappen – ein Relikt aus vergangenen Bauzeiten. Diese Materialien stellen nicht nur eine erhebliche Herausforderung für den Arbeitsschutz dar, sondern erschweren auch einen unkomplizierten Rückbau der Brücke erheblich.
Die Antwort auf diese Herausforderung ist ein durchdachtes Rückbaukonzept, das auf Präzision und Sicherheit setzt. Zunächst werden rund 1200 Bohrungen mit einem Durchmesser von 32 mm sowie Kernbohrungen mit 150 mm Durchmesser von oben eingebracht. Diese dienen der Vorbereitung für den Einbau von Schwerlastankern, die später die entstehenden Betonblöcke sichern.
Anschließend kommt die Wandsäge zum Einsatz: Mit ihr werden Trennschnitte gesetzt, sodass handhabbare Blöcke mit den Maßen 3 x 0,5 x 0,3 m entstehen. Je nach Lage werden diese Blöcke entweder mit einem Kran oder einem Kettenbagger ausgehoben – ein Balanceakt zwischen Technik und Taktik. Die ausgebauten Blöcke werden nicht einfach auf einen Lkw geladen. Aufgrund der Asbestbelastung müssen sie in spezielle BigBags verpackt, sicher abtransportiert und anschließend fachgerecht entsorgt werden.
Jeder Schritt unterliegt dabei strengen Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen. Dieser Teil des Rückbau-Projekts ist auf eine Dauer von vier Wochen angesetzt – ein sportlicher Zeitrahmen, der nur durch präzise Planung und eingespielte Teams eingehalten werden kann. Doch das Ziel ist klar: Die Brücke soll nicht nur verschwinden, sondern dies auch sicher, sauber und nachhaltig tun, so die Verantwortlichen.