Monheim (ABZ). – In Monheim am Rhein hat die Nüssli Gruppe als Totalunternehmer die erste Achtfach-Sporthalle Europas fertiggestellt. Der Neubau im Schulzentrum Berliner Ring bietet auf zwei Ebenen insgesamt 4400 m² Sportfläche und wurde in Schnellbauweise mit vorgefertigten Holz- und Betonbauteilen realisiert.
Die Stadt stand vor der Aufgabe, sowohl für das Otto-Hahn-Gymnasium und die Gesamtschule am Berliner Ring als auch für örtliche Sportvereine zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.
Die Lösung ist eine Achtfach-Sporthalle als erste Etappe einer umfassenden Neugestaltung des Schulzentrums. Der Neubau auf dem früheren Außensportgelände ermöglicht den Abriss der alten Hallen, auf deren Grund später neue Schulgebäude entstehen sollen.
Flexible Aufteilung auf zwei Ebenen
Das Konzept sieht eine Aufteilung auf zwei Ebenen mit jeweils vier Halleneinheiten vor, die sich je nach Bedarf flexibel zusammenschalten oder einzeln nutzen lassen.
Jede Ebene kann mithilfe von Vorhängen in vier gleichgroße Bereiche unterteilt werden. Die insgesamt 4400 m² große Sportfläche wird durch weitere 3000 m² für Umkleiden, Technik, Erschließung und einen Kraftsportbereich ergänzt. Eine ausfahrbare Teleskoptribüne mit 500 Sitzplätzen in der unteren Halle ermöglicht auch Sportveranstaltungen mit größerem Publikum.
Laufenden Schulbetrieb so wenig wie möglich beeinträchtigen
Ausschlaggebend für die Auftragsvergabe an Nüssli war laut der Stadt Monheim die geplante Projektrealisation in Schnellbauweise mit Fertigteilen und hochwertigen Materialien sowie die Expertise des Unternehmens aus dem Temporärbau. Das Bauprojekt sollte in kürzester Zeit umgesetzt werden, um den laufenden Schulbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.
"Durch vorgefertigte Beton- und Holzbauteile können insbesondere Prozesse wie die Produktion der Elemente parallel zu den Rohbauarbeiten vor Ort erfolgen und arbeiten wir witterungsunabhängig. Wir sparen damit rund ein halbes Jahr Bauzeit und können die Bauabläufe präzise takten", erklärte Gesamtprojektleiter Udo Baader von Nüssli.
Als Totalunternehmer setzte Nüssli das Sporthallenprojekt in Zusammenarbeit mit asp Architekten, Schlaich Bergermann Partner für das Tragwerk, Herzner & Schröder sowie Corall Ingenieure um. Insgesamt koordinierte das Unternehmen fast 150 Partnerbetriebe, rund die Hälfte davon aus der Region.
Der Sportkomplex wurde mit vorgefertigten Bauteilen aus Stahlbeton und Holz realisiert. In den Untergeschossen und Treppenhäusern kamen Betonfertigteile und Spannbetonträger für die Wände und Stützen zum Einsatz. Die Außenwände der Sporthalle sowie des viergeschossigen Nebengebäudes mit Technik, Sanitär, Umkleiden und Gymnastikflächen sind in Holzrahmenbauweise ausgeführt. Das Dachtragwerk besteht aus einer Holzbinderkonstruktion mit 16 Dachbindern und aufgesetzten Dachsparren, die das Sheddach bilden. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglichte parallele Arbeitsabläufe: Während die Wand-, Decken- und Dachelemente aus Holz im Werk produziert wurden, konnte der Unterbau auf der Baustelle gleichzeitig fertiggestellt werden. Projektpartner Schlosser Holzbau verbaute dabei rund 934 m³ Bauholz, was laut Hersteller rund 950 t CO2 bindet.
Stahlunterspannung für große Spannweiten
Eine zentrale Herausforderung stellte die Überbrückung der 30 m Dachspannweite dar. "Dazu wurden die 16 Dachbinder mit je zwei Zugstabsystemen aus Stahl unterspannt", erklärt Rainer Scheuermann, Konstrukteur bei Schlosser Holzbau. Diese Baulösung ermöglicht einen kleineren Querschnitt der Binder. Komplett mit Stahlunterspannung vorgefertigt, erreichten die Binder in vier Sondertransporten die Baustelle, wo sie per Baukran positioniert wurden. Die Fassadengestaltung unterstreicht den Charakter des Gebäudes. Die vorgehängte, lichtgraue Lochblechfassade der Sporthalle schafft ein Verhältnis zwischen Transparenz und Geschlossenheit. Das viergeschossige Nebengebäude wurde mit einer Lärchenholzfassade verkleidet. 5 m tief ins Gelände versenkt, fügt sich der Komplex in die Umgebung ein.
Der neue Sportkomplex dient primär dem Schulzentrum Berliner Ring: 84 % der Hallenzeiten werden für den Schulsport genutzt. Abends und an den Wochenenden steht die Halle den Sportvereinen zur Verfügung. Die Bauzeit betrug von Frühjahr 2023 bis März 2025 knapp zwei Jahre bei einer Nutzfläche von 6000 m².