München (ABZ). – Im Münchner Stadtteil Neuhausen entsteht mit dem HEAVEN-Quartier ein gemischt genutztes Areal, in dem historische und neue Gebäudestrukturen miteinander verbunden werden.
Die Rock Capital Group setzt dabei auf die Wiederverwendung von mehr als 100.000 historischen Pflastersteinen, die auf einer Fläche von rund 3460 m² als zentrales Gestaltungselement im Außenraum eingesetzt werden.
Das Quartier an der Nymphenburger Straße umfasst drei Bestandsgebäude sowie zwei Neubauten. Ziel des Projekts ist es nach Angaben der Beteiligten, die historische Identität des Standorts sichtbar zu erhalten und gleichzeitig eine zeitgemäße städtebauliche Entwicklung zu ermöglichen.
»Wir wollen die Geschichte des Ortes bewusst sichtbar machen und weitererzählen«, erklärt Andreas Wißmeier, Geschäftsführer der Rock Capital Group.
Während die fünf Gebäude des Quartiers architektonisch jeweils eigenständig gestaltet sind, übernehmen die wiederverwendeten Pflastersteine die verbindende Rolle im Freiraum. Sie strukturieren Wege, Plätze, Aufenthaltsbereiche und Grünflächen und bilden damit ein durchgängiges gestalterisches System.
Nach Angaben der Planer wird der Boden im Projekt bewusst als eigenständiges Gestaltungselement verstanden, das neben der Architektur eine gleichwertige Rolle einnimmt. Die Außenräume sollen nicht als Nebenflächen, sondern als integraler Bestandteil des Quartiers funktionieren.
»Die unterschiedliche Wahrnehmung von Fassade und Boden verleiht dem Quartier eine besondere Tiefe, die weit über die visuelle Architektur hinausgeht«, so Korbinian Pröckl, Asset Manager der Rock Capital Group.
Aufbereitung und Wiederverwendung historischer Steine
Die historischen Pflastersteine wurden aus dem Bestand aufgenommen, sorgfältig sortiert und für die Wiederverlegung aufbereitet. Die Bearbeitung erfolgt unter Erhalt der bestehenden Gebrauchsspuren, die weiterhin sichtbar bleiben und bewusst in die Gestaltung integriert werden.
Die Arbeiten erfordern laut Projektbeteiligten eine hohe Präzision, da die Steine händisch entnommen, geprüft und wieder eingebaut werden. Insgesamt betrifft dies eine Fläche von rund 3460 m².
Pflastersteine zählen zu den traditionellen Elementen der Stadtgestaltung und werden seit Jahrhunderten in urbanen Räumen eingesetzt. Im HEAVEN-Quartier wird diese Bauweise bewusst aufgegriffen und weiterentwickelt.
Langlebigkeit und ökologische Aspekte
Nach Angaben der Projektbeteiligten können hochwertige Pflasterbeläge eine Nutzungsdauer von mehr als 150 Jahren erreichen. Im Vergleich zu Asphalt- oder Betonflächen, die in deutlich kürzeren Intervallen erneuert werden müssen, wird damit der Materialeinsatz reduziert.
Durch die Wiederverwendung der vorhandenen Steine wird zudem der Bedarf an neuem Material verringert. Dies reduziert laut Projektangaben den Einsatz sogenannter grauer Energie und trägt zur Ressourcenschonung bei.
Die Pflasterflächen sind so ausgeführt, dass Niederschlagswasser über die Fugen versickern kann. Dadurch wird die Kanalisation entlastet und die lokale Grundwasserneubildung unterstützt. Die historischen Steine weisen laut Projektbeschreibung deutliche Gebrauchsspuren auf, die bewusst erhalten bleiben. Farbvariationen und Abnutzungsmerkmale werden als gestalterische Qualität verstanden, die dem Quartier einen eigenständigen Charakter verleiht.
Die Kombination aus Bestandsmaterial und neuen Gebäuden führt zu einem städtebaulichen Ensemble, das historische und moderne Elemente miteinander verbindet.
Grünräume ergänzen die Pflasterflächen
Ergänzt wird die Freiraumgestaltung durch Baumpflanzungen, Staudenbeete und begrünte Aufenthaltsflächen. Diese Elemente sollen die versiegelten Bereiche gliedern und zur Aufenthaltsqualität beitragen.
Auf den Dachflächen der Gebäude entstehen zusätzlich begrünte Bereiche, die als Aufenthalts- und Veranstaltungsflächen genutzt werden können. Neben der Nutzungserweiterung tragen diese Flächen nach Angaben der Projektbeteiligten auch zur Regenwasserrückhaltung und zur Reduzierung von Hitzeinseln bei.
Mit dem HEAVEN-Quartier entsteht in München-Neuhausen ein städtebauliches Projekt, das die Wiederverwendung historischer Pflastersteine als zentrales Gestaltungselement nutzt. Der Ansatz verbindet Bestandserhalt, Materialkreisläufe und neue bauliche Strukturen zu einem zusammenhängenden Freiraumkonzept im urbanen Kontext.