Rocester/UK | Der britische Hersteller JCB stellte anlässlich der jährlichen Neuheitenvorstellung viele neue Baumaschinen vor und steigt erneut in eine Rekordjagd ein.
Als sich am Abend des ersten Tages der zweitägigen JCB-Pressekonferenz der 81-jährige JCB Chairman Anthony Bamford höchstselbst in Begleitung den Saal der Abendveranstaltung betrat war klar, dass nun noch ein Höhepunkt folgen musste. Rund 60 geladenen Journalisten war zuvor am Nachmittag eine ganze Palette neuer Baumaschinen des britischen Herstellers vorgestellt worden, nun saßen alle vor einer verdächtig langen, schwarzen von einem Vorhang verhüllen Wand, als Lord Bamford dazu kam und eine Moderatorin das Wort ergriff.
Lord Bamford, direkter Nachfahre des Firmengründers, einer der reichsten Männer Großbritanniens und jahrelang Lenker der Geschicke des Konzerns erscheint sonst nicht zu Presseveranstaltungen – knisternde Spannung lag in der Luft. Ein paar Momente später wurde der rund 20 Meter lange Vorhang gelüftet – und zum Vorschein kamen nicht etwa neue Radlader, Kettenbagger, Dumper oder sonstige Baumaschinen, sondern eine waschechte, exakt 9,75 Meter lange Rakete für den Auto-Rennsport, genannt »JCB Hydromax«.
Wer bereits einmal das firmeneigene Werksmuseum am Stammsitz des Unternehmens in Rocester besucht hat, wird sich erinnern, dass dort neben historischen Anhängern, Traktoren und Ladern bereits ein ähnliches Gefährt ausgestellt wird, der futuristische aussehende »Dieselmax«, Baujahr 2006. Was viele nicht wissen: Im August 2006 hatte JCB mit dem Dieselmax und einer Geschwindigkeit von 563,14 Kilometer pro Stunde einen Diesel-Landgeschwindigkeitsrekord aufgestellt, der bis heute Bestand hat.
Im August dieses Jahres soll nun der damalige Fahrer Andy Green erneut am Steuer sitzen, diesmal am wasserstoffbetriebenen JCB Hydromax. »Großbritannien hat eine stolze Tradition im Aufstellen von Geschwindigkeitsrekorden. Als britisches Unternehmen begeistert es mich, erneut einen Rekord ins Visier zu nehmen – diesmal mit Wasserstoff. Dabei geht es nicht nur um Geschwindigkeit, sondern darum, das erstklassige Ingenieur-Know-how im Vereinigten Königreich sowie die Leistungsfähigkeit und Robustheit unserer neuen Wasserstoffmotoren zu demonstrieren«, sagte JCB-Chairman Anthony Bamford.
Zum Start der Presseveranstaltung am Nachmittag zuvor hatte im Vergleich zur Salzsee-Rakete eher klassische Baumaschinenkost auf dem Präsentationsprogramm der Briten gestanden: Neue Walzenzüge, Baggerlader, Dumper und wasserstoffbasierte Baumaschinenlösungen wurden vorgestellt.
Mit dem die VM58D und die VM78D etwa wird die Reihe der Walzenzüge des Hersteller in der Klasse 4- bis 8-Tonnen-Klasse erweitert. Neben den größeren Modellen VM118D, VM128D und VM138D erweitern nun die beiden Maschinen das Portfolio mit Einsatzgewichten von 5,4 und 7,1 Tonnen. Durch die nahezu vollständige Gleichteilstrategie im Hinterwagen profitieren beide Modelle von einer hohen Komponentengleichheit und damit von vereinfachter Wartung und effizienter Teilelogistik, so JCB. Angetrieben werden die kompakten Modelle von einem Stufe V-Dieselmotoren von JCB mit 55 Kilowatt Leistung.
Unter dem Kürzel 715 wurde ein neuer Muldenkipper angekündigt, der das Portfolio des Herstellers für anspruchsvolle Transportaufgaben im Gelände erweitern soll. Der Zweiachser lässt sich durch eine breite Auswahl an optimal an unterschiedlichste Bodenverhältnisse und Einsatzbedingungen anpassen, er verfügt über ein Einsatzgewicht von 9,3 Tonnen, seine Mulde verfügt serienmäßig über einen Boden aus verstärktem Hardox 450 Stahl und bietet ein Fassungsvermögen von 7,1 Kubikmeter bei einer Nutzlast von 12,75 Tonnen.
Mit der Einführung des 9T Dual Drive erweitert JCB zudem sein Raddumper-Portfolio. Die neue Dual Drive Kabine wurde entwickelt, um eine breite Kundengruppe anzusprechen und sowohl die Sicherheit des Bedieners als auch die Sicherheit auf der Baustelle deutlich zu erhöhen – bei gleichzeitig reduziertem Kraftaufwand und geringerer Ermüdung des Fahrers. Basierend auf der Technologie des bewährten JCB Dual Drive Baggerladers ermöglicht das System dem Bediener, Sitz und Bedienelemente zu drehen, sodass er stets in Fahrtrichtung blickt. Dies soll die Übersicht erhöhen und gefährliche Fahrmanöver erheblich reduzieren.
Mit dem neuen 3CX Sitemaster bringt JCB nun ein aktuelles Modell seiner Baggerlader-Reihe in den Markt, das vor allem durch seinen Einstiegspreis in Höhe von 66.000 Euro Unternehmensgründern einen attraktiven und wirt-schaftlichen Start in die Selbstständigkeit ermöglichen soll.
Gleichzeitig stelle der 3CX Sitemaster für Vermieter eine leistungsfähige und kosteneffiziente Ergänzung ihrer Mietflotten dar. Die Maschine mit 55 Kilowatt-Motor wird in einer einzigen, fest definierten High Spec Ausstattung angeboten und verfügt serienmäßig über eine komfortable Kabine sowie Servolenkung. Dank des Verzichts auf DEF (AdBlue) überzeugt sie durch eine hohe Kraftstoffeffizienz und ist im Produktportfolio neben den bewährten JCB Modellen 3CX Plus und 3CX Pro positioniert.
Auf der Basis des Baggerlader-Modells stellte JCB mit der offiziellen Markteinführung des »3CX Hydrogen« nun den ersten serienmäßig produzierten wasserstoffbetriebenen Baggerlader vor. Die Maschine bietet eine emissionsfreie Lösung für nachhaltig orientierte Bauunternehmen weltweit – ohne Kompromisse bei Leistung oder Einsatzfähigkeit, so der Hersteller. Der 3CX Hydrogen wird von einem Wasserstoffmotor-Verbrennungsmotor mit 55 Kilowatt angetrieben – laut JCB mit Leistung und Drehmoment auf Diesel-Niveau. Das Modell habe eine vollständige EU-Motortypgenehmigung für Off Road Maschinen erhalten und wird in einem Leasing-Modell vertrieben. In Zusammenarbeit mit »HyKit« hat JCB parallel ein mobiles Betankungssystem entwickelt, das bei Bedarf eine einfache und schnelle Befüllung direkt auf der Baustelle ermöglichen soll und ebenfalls vorgestellt wurde – ganz ohne die langen Ladezeiten, die mit batterieelektrischen Maschinen verbunden seien.
JCB arbeitet nach eigenen Angaben seit über fünf Jahren an der Entwicklung von Wasserstoffmotorentechnologie und hat mehr als 100 Millionen Pfund in die Entwicklung des JCB -Wasserstoffmotors sowie entsprechender JCB-Technik investiert.
Der Hersteller habe die Technologie in enger Zusammenarbeit mit Kunden umfassend unter realen Einsatzbedingungen erprobt – in der Stromerzeugung, in Teleskopladern sowie im 3CX Baggerlader. Die Maschine verfügt über drei mit Verbundwerkstoff ummantelte Wasserstofftanks, die auf dem Kabinendach montiert sind und bei einem Druck von 350 bar ausreichend Speicherkapazität für einen ganztägigen Einsatz bieten sollen.
Abgesehen von den Wasserstofftanks und den Kraftstoffleitungen wird sich die Maschine für Baggerladerkunden weltweit vertraut anfühlen, verspricht JCB.
Parallel zum Wasserstoff-betriebenen Baggerlader stellte JCB auch einen Energieerzeuger auf der Basis des Wasserstoffmotors vor. Um Emissionen zu reduzieren, steige die Nachfrage nach nachhaltigen und sauberen Energielösungen, informiert der Hersteller. Deshalb sei der Strom-Generator G60RS H entwickelt worden, der Robustheit und einfache Bedienung mit moderner Wasserstoff-Antriebstechnologie kombinieren soll.
Das wasserstoffbetriebene Aggregat lädt das Powerpack bedarfsgerecht nach, das anschließend elektrische Maschinen und Geräte versorgt.
Der G60RS H kann als Bestandteil eines standortweiten Mikronetzes eingesetzt werden und arbeitet dabei im Verbund mit dem dreiphasigen JCB Powerpack als Steuer- und Speichereinheit. Als evolutionäre Weiterentwicklung nutze das Stromaggregat die gleichen Steuerungs- und Steckdosen-konzepte wie die bewährten dieselbetriebenen Modelle.
Auch Gehäuse, Hebe und Staplertaschen sowie die Außenabmessungen entsprechen vollständig den bekannten Ausführungen. Nach den Neuheitenvorstellungen am Nachmittag und dem Knalleffekt des Abends stand am nächsten Tag nach einem Werksrundgang der Fertigungsstätte für Kettenbagger die Praxisvorführung der Maschinen im eigenen Steinbruch auf dem Programm. Allerdings wartete auch der Werksrundgang noch mit einem neuen Highlightauf: die neuen Kettenbagger 420X und 520X.
Mit dem 520X erweitert JCB seine X-Series-Kettenbagger um ein neues Marktsegment, die Bagger haben Einsatzgewichte von 52 bis 57 Tonnen und stellen die größten Baumaschinen dar, die JCB bisher je gebaut hat. Mit der Einführung des neuen Modells komplettiert der Hersteller seine Kettenbaggerreihe, die nun die Modelle 370X und 420X umfasst.
Mit dem 520X erweitert JCB die X-Series-Kettenbagger um ein neues Marktsegment mit einem Einsatzgewicht von 52 bis 57 Tonnen. Die Maschine kann wahlweisemit einem 6,9 Meter langen Standardausleger für maximale Vielseitigkeit oder mit einem 6,5 Meter langen Mass-Excavation-Ausleger konfiguriert werden.
Für den 6,5-Meter-Mass-Excavation-Ausleger stehen wahlweise ein 2,55-Meter- oder ein 3,0-Meter-Heavy-Duty-Löffelstiel zur Verfügung. Beim 6,9-Meter-Reichweitenausleger kann die Maschine mit einem 3,0-Meter- oder einem 3,3-Meter-Löffelstiel aus-gestattet werden. Abhängig von der jeweiligen Spezifikation ist der 520X für Löffelgrößen von 2,8 bis 3,4 Kubikmeter ausgelegt. Der Bagger wird von einem 298 Kilowatt starken Cummins-X12-Dieselmotor angetrieben. Der Kettenbagger 420X ergänzt die JCB-Baggerpalette um ein Modell der 40-Tonnen-Klasse, Zielkundschaft sind insbesondere an Anwender aus den Bereichen Gesteinsgewinnung, Abbruch und Erdbewegung sowie an Steinbruchbetriebe. Der Bagger wurde laut JCB speziell für an-spruchsvolle Schwerlastanwendungen entwickelt.
Angetrieben wird die Maschine von einem Sechszylinder-Dieselmotor mit 240 Kilowatt, das Modell ist mit einer JCB CommandPlus Kabine, JCB UX Bedienoberfläche und einem schwerern Unterwagen ausgestattet. Der 420X wird serienmäßig mit dem Earthmoving Pro Pack inklusive einer 2,6 Kubikmeter-HD-Schaufel angeboten. Damit biete der 420X ein rund zehn Prozent größeres Schaufelvolumen als der 370X.
Auch international baut JCB seine Aktivitäten aus, im Bundesstaat Texas (USA) baut der Hersteller ein neues Werk auf, dass 1500 Arbeitsplätze bieten soll und das neue Hauptquartier von JCB in Nordamerika werden soll. Das Werk soll noch dieses Jahr eröffnet werden und ist bereits im Bau.