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„Wir sind als unabhängiges Familienunternehmen gut aufgestellt"

Stockstadt (ABZ) | Im Gespräch mit Maximilian Schmidt, Geschäftsführer der Kiesel GmbH, über die aktuelle Marktsituation, das Rebranding von Hitachi zu Landcros und die Ziele des Unternehmens für 2026.

Exklusivinterview mit Kiesel-Geschäftsführer Maximilian Schmidt
Maximilian Schmidt ist Geschäftsführer von Kiesel | Foto: Kiesel

Stockstadt (ABZ) | Im Gespräch mit Maximilian Schmidt, Geschäftsführer der Kiesel GmbH, über die aktuelle Marktsituation, das Rebranding von Hitachi zu Landcros und die Ziele des Unternehmens für 2026.

ABZ: Herr Schmidt, wie würden Sie die aktuelle Marktsituation aus Sicht von Kiesel beschreiben?

Maximilian Schmidt: Ich würde den Markt in der Stabilisierungsphase bezeichnen, nach Jahren des Wachstums, teilweise Booms, haben die weltweiten politischen Situation zu sprunghafter Bewegung geführt. Der Markt stabilisiert sich immer mehr. Das Jahr 2025 war ein Konsolidierungsjahr, in dem sich alles wieder auf die Normalität eingestellt hat. Das ist ein schönes Gefühl, dass der Markt nicht mehr so überhitzt ist. Es gibt Branchen, die Fahrt aufgenommen haben – etwa der Infrastrukturbereich oder der Umschlag- und Recyclingbereich. Viele Unternehmen sind gut ausgelastet, auch wenn die Unsicherheit durch politische Signale und Kriege bei den Kunden noch spürbar ist.

International merken wir in Europa, wie sehr alles miteinander vernetzt und eng verzahnt ist, es gibt eine gewisse Abhängigkeit. Ein gutes Europa hängt oftmals von einem guten Deutschland ab, aber auch umgekehrt. Der positive Trend der Bauma ist leider etwas zum Erliegen gekommen, aber man spürt eine gewisse Aufbruchs-Euphorie in Europa aber auch in unseren Märkten.

ABZ: Welche sind Ihre wichtigsten Marktplätze?

Schmidt: Wir sind als Kiesel hauptsächlich in der DACH-Region zu Hause und sind mittlerweile auch stark in Polen vertreten. Weitere wichtige Marktplätze sind die nordischen Länder – Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark – dort allerdings im Materialumschlagbereich. Deutschland ist unser wichtigster Kern-Marktplatz mit etwa 70 Prozent Anteil an unserem Geschäft. Das ist unser Heimmarkt, darauf legen wir unseren Fokus. Im Süden Deutschlands haben wir über die Jahrzehnte ein flächendeckendes Netz aufgebaut. In angrenzenden Ländern wie Österreich und auch Polen sind wir mit unseren Hitachi-Vertretungen gut aufgestellt

Wichtig ist uns, dass wir für unsere Kunden uns möglichst breit aufstellen im Bereich Vertrieb, Miete und Service. Dabei nicht nur große Kunden fokussieren, sondern alle Kundensegmente vom Mittelstand bis Einzelunternehmer in allen Branchen. Das macht uns resistenter, wenn mal eine Branche schwächelt.

ABZ: Im Herbst 2025 hat Hitachi das Rebranding zu Landcros bekannt gegeben. Können Sie die Hintergründe erläutern?

Schmidt: Der Hitachi-Konzern Limited ist börsennotiert, und bei Hitachi Construction Machinery haben sich die Anteilseigner verändert. Hitachi ist in eine geringere Beteiligung gegangen, während der japanische Staatsfonds und der Itochu-Konzern sich beteiligt haben. Damit war klar, dass es bei Hitachi eine Namensänderung geben musste. Hitachi Limited möchte diese Marke nicht mehr aktiv nach außen vertreten, sondern verstärkt als IT-Dienstleister wahrgenommen werden.

Die Marke Hitachi ist zwar weltweit bekannt, aber eben nicht nur für Baumaschinen – in Asien gibt es Züge, Aufzüge und eine Medizinsparte. Hinzu kommt, dass in Nord- und Südamerika unter der Marke John Deere Hitachi-Maschinen verkauft wurden, auch dieses OEM wurde aufgekündigt. Mit Landcros wird nun zum ersten Mal weltweit eine einheitliche Marke gebildet. Es gibt eine schöne Kampagne, die heißt „Same Same – New Name", denn es bleibt wirklich alles beim Alten – die gleichen Ingenieure, die gleiche Qualität aus Japan, die gleichen Produktionsstandorte, der gleiche Ansprechpartner. Uns ist bewusst, dass das die Branche bewegen wird, aber mit dem Rebranding und dem Hintergrund, dass auch bei Kiesel mit dem Partner alles beim Alten bleiben wird, sind wir da sehr zuversichtlich.

ABZ: Wie beeinflusst das Ihre strategische Positionierung im Zusammenhang mit Ihrem Schwesterunternehmen KTEG, das ebenfalls zur Kiesel-Gruppe zählt und sich ebenfalls als Lösungsanbieter positioniert?

Schmidt: Wir haben ja mit der KTEG im Grunde genommen unseren Spezial-Ingenieurs-Innovationsarm mit einer sehr hochwertigen Veredelung für Technologie rund um Baumaschinen. Mithilfe von KTEG bringen wir Maschinen in neue Sphären und neue Technologien werden entwickelt. Landcros will sich auch mehr zum Lösungsanbieter entwickeln, ein Beispiel dafür ist etwa eine serienmäßige 3D-Winkel-Sensorik, die mit der neuen Baumaschinenserie ab Werk in Japan verbaut werden wird, die aber über eine offene Schnittstelle verfügt.

Das hilft uns dann zum Beispiel, unsere Makineo 2D- und 3D-Lösungen für Kunden, die Lösungen von Leica nutzen, besser anzupassen.

Wir sind froh, dass ein großer Konzern in die Richtung geht, die wir seit Jahren vorantreiben. Der Konzern wird mutiger auftreten, es kommen neue Modelle und Spezifikationen, eine neue Serie, die die alte ersetzen wird. Es wird aber dennoch notwendig sein, den Anforderungen auf unseren Märkten gerecht zu werden, und da kommen wir ins Spiel. Wir werden weiterhin unseren Systempartner-Gedanken verfolgen – von einfachen Schnellwechsel-Anbaugeräten über Steuerungen bis zum autonomen Fahren. Wir bauen mit unseren Partnern weiter ein Netzwerk auf, um für die Kunden Mehrwerte zu liefern.

ABZ: Welche Ziele haben Sie sich für 2026 gesetzt?

Schmidt: Wir haben das Jahr unter das Motto „Zusammen stark" gestellt. Wir wollen ein verlässlicher Partner auf Augenhöhe sein und das noch mehr emotionalisieren. Ein großes Augenmerk liegt auf der Entwicklung zu Service-Experten im After-Sales-Bereich. Wir spüren das stark: Wir müssen und wollen uns immer weiter zu Service-Experten entwickeln. Wir haben Regionen, wo das gut klappt, in anderen haben wir noch Aufholbedarf – das muss man objektiv sehen.

Wir haben ein „Agenda 2030"-Programm verabschiedet, und 2026 steht unter dem Stern des „Race to Excellence" – dass wir unsere Bereiche in Vertrieb, Miete und Service exzellent für unsere Kunden aufstellen. Wir haben einige Maßnahmen marktgerichtet, aber auch intern. Unsere Triebfeder ist der Gedanke, wie wir für Kunden wertvoller werden und sie noch besser und noch erfolgreicher unterstützen können.

Langfristig ist für uns entscheidend, die Unabhängigkeit als Familienunternehmen zu bewahren. Unsere Gesellschafter legen großen Wert darauf, dass alle Entscheidungen, die getroffen werden, in die Richtung laufen, dass wir langfristig über Generationen hinweg unabhängig bleiben und auch in schwierigeren Zeiten ein stabiler Partner sind. So ist es uns gelungen, auch vermeintlich schwierige Jahre zu überstehen. Dabei haben wir an der ein oder anderen Stelle etwas Federn lassen müssen, das tut einer Organisation aber auch mal gut, wenn hier und da das eigene Tun überprüft wird.

ABZ: Über wie viele Service-Stützpunkte verfügt Kiesel?

Schmidt: In Deutschland haben wir 45 eigene Standorte und bespielen im Kompaktbereich mit rund 60 Partner den Markt. Wir sind an etwa 100 Adressen in Deutschland vertreten, haben circa 350 Servicefahrzeuge im Feld und ungefähr 420 Servicetechniker. Die nächsten Jahre werden wir unseren Service-Bereich weiterhin konsequent ausbauen, da der Mensch der entscheidende Faktor ist. Hier kann man wenig automatisieren, und wir setzen eben auf kompetente Kolleginnen und Kollegen.

Wir wollen auch hier strategisch weiter wachsen, um der verlässliche Partner für unsere Kunden zu sein.

ABZ: Was waren die Hauptthemen Ihrer Hausveranstaltung, der Innovationstage 2026?

Schmidt: Für den Kiesel Innovationstag in 2026 haben wir uns auf die Branche Infrastrukturbau konzentriert, mit den großen Strom- und Energietrassen sind wir gerade in allen Bereichen sehr rührig und können als Systempartner hier den Kunden den notwendigen Mehrwert bieten.

Ein weiteres Thema ist Digitalisierung mit unserem Unternehmen Makineo, einem absoluten Vorreiter in Sachen Digitalisierung der Baustelle, versuchen wir unsere Kunden ganzheitlich zu begleiten.

Es wird zwar viel über Digitalisierung gesprochen, aber den Kunden zu unterstützen, dass er praktische Anwendungen nutzen kann, ist die Herausforderung. Wir können nur das lösen, was Kunden als Aufgaben und Herausforderungen an uns stellen. Das geht nur im Schulterschluss mit den Kunden. Wir haben mittlerweile ein schönes Netzwerk aufgebaut und mit dem Coreum einen Ort, wo wir alles darstellen können. Das ist unsere Plattform – unser Ort der Branchenvernetzung. Dort können wir alle Themen bespielen.

Wir präsentieren Lösungen für den Bereich Vermessung, die Baustellenaufnahme und die Live-Begleitung während des Baustellenprozesses bis hin zu neuen Prozessoptimierungen mit dem P-Line System, wo wir Maschine, Schnellwechsler, Anbaugerät und Fahrer verbinden, um mehr Effizienz zu ermöglichen und Baustellen effizienter zu machen.

Der diesjährige Innovationstag war für uns eine großartige Veranstaltung mit vielen Impulsen, tiefen Einblicken in die Best Practice Unternehmen sowie ehrlichen und konstruktiven Austausch. Uns hat viel positives Feedback erreicht, was uns bestätigt, mit dem Format weiterzumachen.

ABZ: Nimmt die Digitalisierung in der Baubranche Fahrt auf?

Schmidt: Ich glaube, dass sie schon recht schnell Fahrt aufgenommen hat, wenn man sich die Möglichkeiten anschaut – Telematiklösungen, Auswertung der Daten, die Maschinen produzieren. Die große Kunst ist: Wie kommt man an die Daten und wie nutzt man sie? Die Daten sind das neue Gold. Die Anwender haben verstanden, dass man mit Optimierung etwas machen kann. Ich sehe da eine große Akzeptanz kommen.

Mit KI als datengetriebener Struktur stellt sich die Frage nach Erzeugung, Qualität und Verwendbarkeit der Daten. Wenn man das in ein sauberes Konzept bekommt, kommt man einen Riesenschritt voran. Es gibt einfache Fragestellungen wie Analysen zur Nutzung von Anbaugeräten oder komplexe wie Bodenradar und Prognosen vor Investitionen. Die Branche ist in einem starken Wandel, das spüren wir anhand der Anfragen und Themen. Da gibt es sicherlich Vorreiter, die große Erfolge durch Digitalisierung feiern. Bei Innovation ist es immer so: Jemand muss anpacken, die Innovatoren, und dann kommt derjenige, der folgt. Ich bin da für unsere Branche sehr zuversichtlich.

ABZ: Welchen Stellenwert hat das Thema elektrische Baumaschinen bei Kiesel?

Schmidt: Einen recht hohen, da wir mit KTEG emmisionsfreie Lösungen produzieren. Unser Kassenschlager ist der vollelektrische Bagger ZE85, von dem wir über 60 Einheiten nach Norwegen liefern durften. Wir haben in Nischenbereichen da ein sehr gutes Produkt. Der deutsche Markt fordert Elektromaschinen noch nicht in dem Umfang wie die Automobilbranche, aber auch hier gibt es Bereiche, wo wir Lösungen präsentieren können. Es gibt auch Bereiche, wo wir nicht vertreten sind, etwa bei großen Elektro-Radladern, wo chinesische Hersteller derzeit versuchen den Markt zu erobern, da werden wir uns erstmal zurückhalten. Wir beobachten den Markt sehr genau und konzentrieren uns auf Produkte, die wir in guter, verlässlicher Qualität servicieren können, damit werden wir uns auch in den nächsten Jahren beschäftigen.

Kai-Werner Fajga

Kai-Werner Fajga

Chefredakteur Allgemeine Bauzeitung

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