Scheidegg (ABZ). – Die Kernsanierung einer mehr als 100 Jahre alten Klinik bei laufendem Betrieb stellte die Verantwortlichen vor besondere Herausforderungen.
In der denkmalgeschützten KJF Fachklinik Prinzregent Luitpold in Scheidegg musste unter anderem eine schadhafte Decke aus unbewehrtem Stampfbeton instandgesetzt werden.
Außerdem waren in der Küche und den Speiseräumen etwa 170 m² Deckenfläche zu sanieren. Die nach alter Bauweise handverdichtete Rabitzdecke wies zahlreiche Fehlstellen, Verunreinigungen und Kieselnester auf. Zudem sollte die Decke auf die Brandschutzklasse F90 angehoben werden.
Die Fachverarbeiter entfernten zunächst die vorhandene Rabitzdecke. Dabei wurden lokale Fehlstellen und Kieselnester im Gewölbebeton sowie alte Aussparungen und weniger verdichtete Betonbereiche sichtbar. Nach der Beseitigung von Verunreinigungen und Fremdkörpern wurde die Oberfläche der Stampfbetonkappendecke durch Druckluftstrahlen auf eine Rautiefe von mehr als 1 mm vorbereitet.
Anschließend trugen die Handwerker Spritzbeton in einer Schichtdicke von 4 cm auf das Deckengewölbe auf. Damit erreichten sie die vorgegebene Mindestbauteildicke von 10 cm und schlossen gleichzeitig Fehlstellen in der Gewölbestruktur. Die Oberfläche blieb spritzrau.
Für die Instandsetzung kam das System StoConcrete Repair Prime TS 136 zum Einsatz. Laut Hersteller eignet sich dieses System besonders für niedermodulige Untergrundbetone der Altbetonklasse A 3. Der Bestandsbeton verfügte über eine geringere Festigkeit, da er entsprechend der Erbauungszeit per Hand verdichtet beziehungsweise gestampft wurde.
Der polymervergütete Betonersatz StoCrete TS 136 wird im Trockenspritzverfahren appliziert. Nach Angaben des Herstellers ermöglicht dieses Verfahren einen geringen Rückprall und große Schichtdicken in einem Arbeitsgang. Ein weiterer Vorteil war die Möglichkeit der Verarbeitung bei laufendem Betrieb – der Unterricht in den darüberliegenden Räumen konnte laut Beteiligten ungestört weitergehen.
Die KJF Fachklinik Prinzregent Luitpold liegt in Scheidegg im bayrisch-schwäbischen Landkreis Lindau (Bodensee). Sie wurde 1912 erbaut und 1916 eröffnet. Die Kinderheilstätte entstand durch eine Spende des damaligen Prinzregenten Luitpold und sollte "900 Meter über dem Meeresspiegel, in waldreicher, windstiller Lage" der Gesundung von Stadtkindern dienen. Inzwischen stehen die Gebäude unter Denkmalschutz und beherbergen nach wie vor eine Spezialklinik für Kinder und Jugendliche.
Bauherr des Projekts war die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V. Die Planung übernahm die FG Architekten und Sachverständige GmbH aus Sonthofen, für die Tragwerksplanung zeichnete böller bischof Beratende Ingenieure PartGmbB aus Lindenberg verantwortlich. Die Ausführung erfolgte durch die Rauer Bau- und Betonsanierungs GmbH aus Dietenheim.