Kaum ein Thema beschäftigt uns derzeit so sehr wie der Fachkräftemangel. Zwar ist die Baubranche mit diesem Problem nicht allein, doch trifft sie der demografische Wandel aufgrund des massiven Einbruchs am Arbeitsmarkt während der Nullerjahre besonders hart. Eine Frage, die in Gesprächen mit Industrievertretern und Verbänden häufig aufkommt, ist die, ob es in Deutschland mittlerweile zu viele Abiturienten gibt, um den vorwiegenden Bedarf an gewerblichen Auszubildenden zu decken. Der Anteil an sog. Arbeitern, also jenen Arbeitnehmern, die vornehmlich praktische Tätigkeiten ausführen, ist mit durchschnittlich 70 % in den Betrieben des Bauhauptgewerbes sehr hoch. Spätestens seit dem Pisa-Schock, im Grunde aber schon lange davor, hat der Anteil an Schulabgängern mit allgemeiner Hochschulreife drastisch zugenommen. Aktuell liegt er bei etwa 50 %. Nicht selten ist von einem Akademisierungswahn die Rede, der von einem zunehmend liberaleren und von Quoten getriebenen Schulsystem begünstigt wird. Auch die Eltern stehen in der Kritik, ihre Kinder zum höchst möglichen Bildungsgrad zu drängen, ohne dabei deren persönliche Stärken, Schwächen und Wünsche zu berücksichtigen. Betrachtet man die immer weiter auseinanderdriftende Schere zwischen den einzelnen Schulabschlüssen, erscheint die Entwicklung der letzten zwanzig Jahre in der Tat beunruhigend. Dagegenhalten muss man jedoch, dass sich auch die Welt und insbesondere die Berufswelt dramatisch verändert haben. Auch vermeintlich einfachere Berufsfelder verlangen im Zuge der Digitalisierung und der Wegrationalisierung einfacher Arbeiten ein immer höheres Bildungsniveau. Mehr Abiturienten sind sicherlich kein Grund zur Sorge. Vielmehr gilt es heute, jungen Menschen aufzuzeigen, dass es auch abseits der Universitäten zahlreiche spannende Möglichkeiten gibt, ihr Abitur in eine erfüllende und lukrative Beschäftigung zu überführen.
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