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Moderne Arbeitswelt in Holz und Beton

In Ingelheim entstand ein nachhaltiger Holz-Beton-Neubau mit 100 Büroräumen, flexibler Sanitärausstattung und Energieeffizienz-Standard KfW-55.

Von ABZ
Mit modularen Elementen umgesetzt
Die neue Kreisverwaltung Mainz-Bingen entfaltet sich in einer modernen Holzhybridbauweise. | Foto: Kirsten Bucher

Ingelheim (ABZ). – Es ist ein außergewöhnliches Gebäude, das an der Konrad-Adenauer-Straße in Ingelheim am Rhein entstanden ist. Weil der Platz im angestammten Verwaltungssitz des Landkreises Mainz-Bingen nicht mehr ausreichte, entschieden sich die Verantwortlichen für einen Neubau.

Dieser ist nun in einer modernen Holzhybridbauweise mit einer offenen Kammstruktur zu sehen. Er entfaltet sich mit 100 Büroräumen auf einem 10000 m² großen Gelände entlang der Haupterschließungsstraße. Im Bereich der Sanitärinstallation fiel die Wahl nach öffentlicher Ausschreibung auf die modulare Lösung mit vorgefertigten Installationswänden von TECEsystem. "Ein großer Vorteil war es, dass dabei alles in einer Hand war, Gewerkschnittstellen wurden reduziert und das Fehlerpotenzial minimiert", sagt René Koch, Niederlassungsleiter vom Büro ZWP Ingenieur-AG aus Wiesbaden. Im Sommer 2023 haben die rund 300 Mitarbeiter ihre Büros bezogen.

Der Entwurf stammt aus der kreiseigenen Fachabteilung Gebäudemanagement. Die Besonderheit des Neubaus liegt in seiner nachhaltigen Konstruktionsart: Denn oberhalb der in Betonbauweise errichteten Tiefgarage sind die vier Geschosse komplett aus Holz errichtet worden. Die Entscheidung des Kreistages folgte den Beschlussempfehlungen der zuständigen Kreisausschüsse: Das neue Dienstgebäude sollte aus einem nachhaltigen Baustoff entworfen werden.

Reduzierte Lasten

Deshalb fiel die Wahl auf Holz. "Eine Konstruktion aus Holz bringt viele Vorteile mit sich: Sie bedeutet reduziertere Lasten. Somit kann eine geringere Fundamentierung konzipiert werden und der Materialverbrauch ist geringer als in konventioneller Bauweise. Außerdem ist Holzbau sehr trocken, im Vergleich zu Betonbau entfallen daher lange Trocknungszeiten. Insgesamt entstehen dank Holz weniger Kosten und der Bau kann schneller abgeschlossen werden", erklärt Architektin Monika Gerharz vom Gebäudemanagement und ergänzt: "Zudem ist unser gewähltes Baumaterial im Fall eines Rückbaus wiederverwertbar. Auch das Holzwerk ist zertifiziert und garantiert eine CO2-arme Herstellung." Ebenso nachhaltig ist das von der ZWP Ingenieur-AG entwickelte Energiekonzept, mit dem der Neubau den KfW-Standard 55 erfüllt.

Über der Tiefgarage aus Beton ist nun ein viergeschossiger Komplex in E-Form entstanden. "Wir haben uns für offene Strukturen entschieden und gegen geschlossene Innenhöfe, in denen sich im Sommer die Hitze staut", sagt die Architektin.

Während nach oben hin mit vier Stockwerken die maximale Höhe erreicht ist, bietet sich auf der Rückseite Raum für eine mögliche Erweiterung. "Im Endausbau könnte Raum für 500 Mitarbeiter entstehen. Im aktuellen Neubau ist der Platz für Mitarbeiter in 290 Vollzeitstellen ausgelegt", führt Gerharz aus. Vorschriftsmäßig sind die Tiefgarage, die Fluchtwege und der Treppenhauskern aus Beton errichtet worden. Der Gebäudegrundriss ist stark gerastert. Nutzräume, Büros und größere Räume zur Bevorratung wurden entsprechend der Vorgaben von Landesseite geplant, Grundlage bildete ein Achsrater von 1,35 m. So entsteht in den Zweierbüros ausreichend Platz für die Mitarbeiter. Während Lager und Küchenzonen im Hauptbaukörper in der Mitte des Gebäudes angeordnet wurden, finden sich in den Eckpunkten drei Sanitärkerne pro Etage mit je sechs Toilettenanlagen, die ebenfalls erweitert werden können.

Bei der Installation der Sanitäranlagen fiel die Wahl auf die industriell vorgefertigten Installationswände von TECEsystem. Da diese komplett ab Werk vorgefertigt auf die Baustelle geliefert werden, entfielen zeitaufwändige Montageschritte. Es geht einfach schneller. 168 industriell vorgefertigte Installationswände von TECEsystem sind im gesamten Neubau eingesetzt worden – teils als Trennwände zwischen zwei Sanitärräumen, teils als Vorwände. "Die Ausschreibung war produktneutral und ergebnisoffen, die ausführende Firma Schupp hat sich für TECEsystem entschieden und erstmals ein Projekt damit realisiert", sagt Planer René Koch. Flexibilität bei einem möglichen Anbau, Zeitersparnis auf der Baustelle und die Reduzierung von Fehlern seien entscheidende Faktoren beim Innenausbau gewesen.

Industriell vorgefertiger Installationswände

Koch beurteilt den Einsatz industriell vorgefertiger Installationswände im Rückblick positiv: "Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Es gab weniger Schnittstellen, weniger Risikopotenzial im Sinne von Mängeln und Bauverzug und somit viel weniger Fehler als in konventioneller Bauweise. Es gab nur ein Unternehmen, nicht mehrere Ansprechpartner. Wir hatten nur die ausführende Firma als Kontakt. Das war viel einfacher, sonst wäre der Koordinationsaufwand für uns viel größer gewesen. Zudem sind wir von Tece sehr gut beraten worden." Projektleiter Fabian Uebel vom ausführenden Installationsbetrieb Schupp GmbH aus Idar-Oberstein sagt: "Das System von TECEsystem ist bei richtiger Planung sowie entsprechenden Vorarbeiten eine wirkliche Zeitersparnis. Die Installationswände kommen just-in-time auf die Baustelle und müssen dort nur noch ausgerichtet und verschraubt werden. Sollten bei zukünftigen Projekten die Rahmenbedingungen es ermöglichen, werden wir TECEsystem gerne wiederverwenden."

Die klassische Einteilung in Toiletten für Damen und Herren sucht man in der neuen Kreisverwaltung übrigens vergebens. In jeder Zelle befinden sich ein WC und ein Waschbecken, zusätzlich in zwei Kabinen auch ein Urinal. Der von der Arbeitsstättenverordnung vorgeschriebene Vorraum mit Waschbecken wird deshalb nicht mehr benötigt.

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