Stuttgart (dpa). | Hinter der geplanten Sanierung der Stuttgarter Oper stehen wieder Fragezeichen: Angesichts hoher Kosten und immer größerer Vorbehalte stellt Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) das milliardenschwere Projekt auf den Prüfstand. In einem Spitzengespräch von Stadt und Land habe man sich darauf verständigt, das Projekt durch eine Expertenanhörung prüfen zu lassen, teilte das Staatsministerium mit. Zuvor hatte der SWR berichtet. Die Prüfung soll laut Staatsministerium auch die Frage einbeziehen, ob das bisherige Gebäude saniert wird oder ob es doch einen Neubau geben soll.
Das Land bekenne sich unmissverständlich zu einer modernen, zukunfts- und arbeitsfähigen Spielstätte für die herausragenden Ensembles, sagte Özdemir einer Mitteilung zufolge. „Aber ein Projekt dieser Dimension braucht Vertrauen und Unterstützung - bei allen Projektbeteiligten, im Landtag, im Gemeinderat und in der Öffentlichkeit.“ Er habe deswegen vorgeschlagen, dass Land und Stadt noch einmal alle Fakten auf den Tisch legten und die Einschätzung von Experten einholten. Man werde das Projekt aus heutiger Perspektive bewerten und dabei ergebnisoffen vorgehen.
Zuvor war der Widerstand gegen die Sanierungspläne immer weiter gewachsen. CDU-Fraktionschef Tobias Vogt hatte gemahnt, angesichts der schwer angeschlagenen kommunalen Haushalte und drohender Krankenhausschließungen müsse die Politik die Kosten berücksichtigen.
Der 1912 eröffnete Littmann-Bau neben dem Landtag ist in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand. Zuletzt hatten Land und Stadt Stuttgart angekündigt, die Pläne für das Interimsgebäude deutlich abspecken zu wollen und die Kosten so auf maximal 289 Millionen Euro drücken zu wollen. Eine offizielle Schätzung, wie hoch die Kosten für die gesamte Sanierung ausfallen, gibt es derzeit nicht. 2019 ging man bei einer Berechnung von rund einer Milliarde Euro aus.
