Hamm (ABZ). – Die schwedische Firma Hammerglass hat sich auf Scheiben aus hartbeschichtetem Polycarbonat spezialisiert, die im Gegensatz zu Glas bruchsicher, von beiden Seiten gehärtet und zudem UV-beständig sind. Die Montage übernimmt der Baumaschinenlieferant. Im Fall von Cat-Geräten ist es Zeppelin und eine der 35 Niederlassungen in Deutschland, wie das Bauunternehmen mitteilt.
Hammerglass begann 1993 mit der Entwicklung einer Oberflächenbeschichtung aus Siliziumdioxid und ließ sie sich patentieren. Die Beschichtung macht Scheiben laut Zeppelin bruchsicher, diffusionsdicht, chemikalienbeständig, feuerfest und abriebfest. Bezüglich Haltbarkeit entspreche sie der Kategorie P8B.
"Beim P8B-Test wird die Scheibe mit 70 Axtschlägen getestet. Hammerglass besteht diesen Test", erklärt Marius Schiller, Senior Sales Manager für Zentral- und Osteuropa bei Hammerglass. Nach seiner Aussage werden in Baumaschinen häufig Glasscheiben eingebaut, welche höchstens die Anforderungen P5A erfüllen. Selbst in laminierter oder durchwurfhemmender Form seien sie nicht sicher gegen Steinschlag.
300 mal stärker als Glas
Bauunternehmen rüsten ihre Maschinen daher zuweilen mit einem Schutzgitter vor der Kabine aus. Diese dienen zwar dem Schutz, doch haben sie den Nachteil, die Sicht des Maschinisten deutlich einzuschränken.
"Wer auf Gitter setzt, dem muss auch klar sein: Gitter sind keine hundertprozentige Sicherheit. Ein spitzer Stein kann trotzdem durch die Zwischenräume durchfliegen und die Scheibe durchbrechen", sagt Schiller. "Unsere Scheibe bietet jedoch genug Widerstand", versichert er. Trifft ein Stein eine Scheibe aus Polycarbonat, kann sie laut Zeppelin die Energie aufnehmen.
Das liege an den Eigenschaften des Materials, das 300 mal stärker und flexibler als Glas sei und deswegen nicht brechen könne. Glas sei wiederum härter und verkratze nicht so leicht. Bei Hammerglass lässt sich die zwölf mm dicke Scheibe daher mit einer zusätzlichen Verschleißscheibe schützen, informiert das Vertriebs- und Serviceunternehmen.
Doch was passiert mit den Scheiben, wenn auf Baustellen, etwa im Abbruch oder im Steinbruch gearbeitet wird, wo in der Regel feine Staubpartikel in der Umgebung unausweichlich sind? "Fahrer sollten ohnehin immer dafür sorgen, dass ihre Scheiben sauber sind, damit sie eine gute Sicht haben", rät Schiller. "Damit die Scheiben nicht verschmieren, gibt es ein Relais, mit dem der Einsatz des Scheibenwischers verzögert wird und erst Wasser über die Scheibe läuft, bevor der Wischer sich in Bewegung setzt."
Hammerglass-Scheiben lassen sich laut Zeppelin nachträglich in Baumaschinen integrieren. Der Hersteller soll dafür im Durchschnitt ein bis zwei Stunden Einbauzeit ansetzen. Der Rahmen ersetze die Original-Glasscheibe und werde an denselben Punkten wie das Abbruchgitter verschraubt. Extra-Schweißnähte oder zusätzliche Schraubverbindungen seien nicht erforderlich.
Lebensrettend
Zeppelin führt nach eigenen Angaben die Montage der Scheiben an Cat-Geräten aus. "Viele Kunden kennen immer noch nicht die Vorteile der Sicherheitsverglasung, dabei kann sie im Ernstfall Leben retten", meint Andreas Zurawka, Serviceberater der Zeppelin-Niederlassung Hamm.
Die Polycarbonat-Scheiben bieten sich nach eigenen Angaben für Baumaschinen ab 20 t Einsatzgewicht aufwärts an. Sie kommen für verschiedene Bereiche infrage: Abbruch, Recycling, Stahlproduktion, Schlacke-Entsorgung und Kampfmittelbergung. Für letzteren Einsatz werden jedoch mitunter auch noch stärkere Geschütze zur Sicherheit der Mitarbeiter aufgefahren, erklärt Zeppelin, wie zum Beispiel Panzerverglasung und besonders dicke Bodenplatten aus Stahl, die unter den Boden der Kabine geschweißt werden. "Manchmal kann es aber auch Sinn machen, Kompaktmaschinen wie einen Minibagger mit unseren Scheiben auszurüsten, der dann im Glasfaserausbau tätig ist und den Asphalt aufbrechen muss", sagt Marius Schiller.
Sechs bis acht Millimeter dick
Welche Art von Scheiben eingebaut werden, hängt vom Sicherheitsniveau und von der Tätigkeit der Baumaschinen ab. In der Schutzklasse eins weisen die Hammerglass-Frontscheiben nach Angaben von Zeppelin eine Dicke von 6 bis 8 mm auf. Muss bei Arbeiten mit Steinschlag oder Explosion gerechnet werden, sind die Scheiben noch dicker und haben eine FOPS2-Zulassung, so das Unternehmen.
Diese gebe es nur, wenn verschiedene Tests erfolgreich absolviert würden. Hierzu komme etwa der Abriebschutz, UV-Schutz, die ECE-Richtlinie R43, aber auch die Prüfung der Durchbruchhemmung nach DIN EN 356 auf den Prüfstand.