Bezannes/Frankreich (ABZ). – In Bezannes im Département Marne hat Plurial Novilia das erste Mehrfamilienhaus Frankreichs übergeben, dessen tragende Struktur und sämtliche Wände direkt vor Ort mittels 3D-Betondruck hergestellt wurden. Das Gebäude mit 12 Sozialwohnungen ist nach Herstellerangaben zugleich das größte seiner Art in Europa.
Das ViliaSprint² genannte Projekt umfasst eine Wohnfläche von 800 m² auf drei Etagen und wurde laut Plurial Novilia in nur 12 Monaten realisiert. Die Bauzeit konnte damit gegenüber konventioneller Bauweise um drei Monate verkürzt werden. Plurial Novilia ist eine Tochtergesellschaft der Action Logement Gruppe und verwaltet mehr als 39.000 Wohnungen im Grand Est sowie in der Île-de-France.
Für den 3D-Druck kam ein robotisiertes Portalsystem COBOD BOD2 von Peri 3D Construction zum Einsatz. Das System erzeugt durch schichtweises Extrudieren von Beton die tragenden Außen- und Innenwände direkt auf der Baustelle. Der druckbare Beton wurde von Holcim auf Basis der TectorPrint-Technologie entwickelt und mit synthetischen Makrofasern verstärkt.
Der verwendete Beton gehört zur CO₂-reduzierten ECOPact-Reihe und ermöglicht nach Herstellerangaben eine Emissionsreduktion von mindestens 30 Prozent gegenüber herkömmlichem Beton. Die im März 2025 gestartete Druckphase konnte in 34 effektiven Tagen abgeschlossen werden – 16 Tage schneller als ursprünglich geplant.
"Diese Leistung bestätigt das enorme Potenzial dieser innovativen Bauweise, die sowohl die Bauzeiten verkürzt als auch die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle verbessert", erklärt Jérôme Florentin, Direktor für Projektentwicklung bei Plurial Novilia.
Für den 3D-Druck waren lediglich drei Bediener erforderlich, während im traditionellen Bau sechs Personen benötigt wurden. Die Bediener arbeiten ergonomisch und steuern den Prozess per Tablet, ohne schwere Lasten heben zu müssen. Dies soll die Sicherheit erhöhen und das Risiko von Arbeitsunfällen und Muskel-Skelett-Erkrankungen reduzieren.
Auch die benötigten Materialien und Geräte werden nach Angaben der Beteiligten reduziert: Statt Schalungen und Laufstegen kommen hauptsächlich der Roboter und ein Gerüst zum Einsatz. Die Technologie halbiert laut Hersteller die zu erwartenden Abfallmengen von 10 auf 5 Prozent und reduziert das Transportaufkommen, da der Beton vor Ort verarbeitet wird.
Um die Leistungsfähigkeit der 3D-Bauweise zu bewerten, errichtete Plurial Novilia auf demselben Grundstück ein nahezu identisches Gebäude in konventioneller Bauweise. Dieses zweite Gebäude dient dem Vergleich sowohl während der Bauphase als auch im Betrieb.
"Bei Peri 3D Construction sind wir stolz darauf, dieses Projekt als Technologiepartner und in der Druckausführung unterstützt zu haben", sagt Dr. Fabian Meyer-Brötz, Geschäftsführer von Peri 3D Construction. "Das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, was heute bereits im 3D-Gebäudedruck möglich ist – auch in Frankreich: schnelleres Bauen, weniger Arbeitskräfte und vollständig tragende Strukturen."
Das architektonische Konzept von HOBO Architecture integriert biobasierte und geobasierte Materialien wie Perlit für die Dämmung sowie Holz für Balkonstrukturen. Das Gebäude verfügt über 500 m² Photovoltaikanlagen und eine hybride Gas-Wärmepumpe von Atlantic Systèmes.
Die Gebäudeausrichtung basiert auf Sonnenstudien und ermöglicht nach Angaben der Planer rund 60 Prozent Energieautarkie bei Einhaltung der französischen RE2020-Vorgaben für 2025. Durch kompakte Bauweise und optimierte Formen konnte etwa 10 Prozent Beton eingespart werden.
Die Baukosten liegen derzeit etwa 30 Prozent über denen konventioneller Bauweisen, hauptsächlich aufgrund von Forschungs- und Entwicklungsaufwand sowie Zertifizierungen. Die Gesamtinvestition belief sich auf 4,5 Millionen Euro. Die höheren Kosten haben laut Plurial Novilia keinen Einfluss auf die Mieten.
"ViliaSprint² ist ein bedeutender Schritt bei der Erprobung neuer Bauverfahren und zeigt das Potenzial des 3D-Drucks für schnelleren und nachhaltigeren Wohnungsbau", so Johnny Huat, Geschäftsführer von Plurial Novilia.
Aufbauend auf diesen Erfahrungen plant Plurial Novilia ein weiteres Projekt mit etwa 40 Wohneinheiten. Dabei sollen zwei 3D-Drucker gleichzeitig eingesetzt werden, um die Bauzeit weiter zu verkürzen und die Kosten langfristig auf das Niveau konventioneller Bauweisen zu senken.