Zum Inhalt springen

Tight-In-Pipe-Verfahren ersetzt Betonrohre

In Dortmund-Asseln steht die Sanierung eines 225 m langen Kanalabschnitts an. Das innovative Tight-In-Pipe-Verfahren bietet effiziente Lösungen für komplexe Herausforderungen.

Von ABZ
Schadhafter Dortmunder Kanal
Mit dem optimierten Tight-In-Pipe-Verfahren hat die Sanierungstechnik Dommel einen 225 m langen Kanalabschnitt im Dortmunder Stadtteil "Am Hagedorn" saniert. | Foto: Sanierungstechnik Dommel

Dortmund (ABZ). – In Dortmund-Asseln hat die Sanierungstechnik Dommel GmbH einen 225 m langen Kanalabschnitt mit dem Tight-In-Pipe-Verfahren erneuert. Die seit 1938 verlegten Betonrohre waren nach einem Tagesbruch als stark deformiert und nicht begehbar eingestuft worden.

Die Stadt Dortmund entschied sich gemeinsam mit der Gelsenwasser AG für das grabenlose Sanierungsverfahren. Die Gelsenwasser AG hat die Projektträgerschaft zur Umsetzung von Investitionen im Bereich der Abwasserbeseitigung übernommen und führt neben der Planung und Bauüberwachung auch die Bauherrentätigkeit durch.

Die betroffenen Betonrohre in der Straße "Am Hagedorn" führten ursprünglich das Abwasser vom Asselner Hellweg nach Norden ab. Nach einer Netzumstrukturierung 1988 fungiert der Abschnitt als Start-Strang und mündet nach 225 m in einen Verbindungsschacht.

Von dort setzt sich das Netz als gemauertes Eiprofil 900/1135 fort.

Eine offene Bauweise wäre nach Angaben der Beteiligten technisch möglich gewesen. "Eine offene Bauweise erschien technisch zwar möglich, wäre jedoch aufgrund der Lage im Geh- und Straßenrandbereich sowie eines schützenswerten Baumbestands mit erheblichen Eingriffen verbunden gewesen", erklärt Lennart Wenzel, Bauingenieur für Abwasser und Kanalinfrastruktur bei Gelsenwasser.

Zusätzlich hätten Versorgungsleitungen und verlegte Glasfaserkabel eine großflächige Öffnung des Bodens erheblich verkompliziert. Nach Prüfung verschiedener Verfahren schieden sowohl Schlauchliner als auch Wickelrohrlösungen aus, da die statische Tragfähigkeit nicht ausreichte. Ein Einzelrohr-Lining mit kleineren Rohren hätte aufgrund des großen Ringraums zahlreiche Kopfbaugruben zur Anschlussanbindung erfordert.

Arbeitssicherheitsrelevante Einschränkungen kamen hinzu, da der stark deformierte Kanal trotz seiner nominellen DN 900 nicht begehbar war.

Für das Tight-In-Pipe-Verfahren hat Dommel eine spezielle Rohrschubeinheit entwickelt. Die Anlage ist als modulare Plug-and-Play-Lösung ausgelegt. Einschubzylinder in verschiedenen Größen und Leistungsklassen lassen sich ohne Werkzeug anschließen und bei Bedarf austauschen.

Neue Rohre werden aus den Baugruben heraus in den Altkanal eingezogen beziehungsweise durch eine Hydraulik mit 160 t Zug- und Schubkraft an ihren Bestimmungsort gebracht. Dank der Möglichkeit des Parallelbetriebs von zwei Einschubeinheiten stellte die Nennweite von DN 900 kein Hindernis dar.

Für das Projekt wurde ein speziell gefertigter, konischer Kaliberkopf eingesetzt. Dieser wurde vor dem ersten Rohr in die Haltung eingebracht und diente dazu, vorhandene Deformationen zurückzudrücken und die Trasse für das Neurohr freizumachen.

Als Neurohr kamen Vortriebsrohre aus Polypropylen (PP) mit einem Außendurchmesser von 840 Millimetern und einer Wanddicke von 39 Millimetern zum Einsatz. Die Baugruben für das TIP-Verfahren mussten neben zahlreichen querenden Leitungen nicht nur die Maschinentechnik aufnehmen, sondern auch ein belastbares Widerlager für die Einbaukräfte bieten.

Für den Rohreinbau des 225 m langen Kanalabschnittes benötigte das Team acht Wochen. Anschließend wurden 35 Zuläufe an das Neurohr geöffnet und mit Einschweißsätteln ebenfalls grabenlos angebunden. Die Bauzeit betrug insgesamt fünf Monate.

Dank des grabenlosen Verfahrens waren die betroffenen Straßen nie komplett für den Verkehr gesperrt. Anwohner und Durchgangsverkehr wurden dadurch kaum belastet. "Wir haben am Hagedorn nicht nur Altrohre in einem schlechten Zustand, sondern auch erschwerte Bedingungen durch die Lage, Versorgungsleitungen und schützenswerte Baumbestände vorgefunden. Die Sanierungstechnik Dommel konnte für jede Herausforderung eine effiziente Lösung präsentieren, von der Anwohner und Infrastruktur gleichermaßen profitieren", resümiert Wenzel.

ABZ

ABZ

Gebaut wird überall, und das zu jeder Zeit! Die Allgemeine Bauzeitung begleitet das gesamte Baugewerbe. Schnell, sachlich und neutral - so sind wir Deutschlands meistgelesene Baufachzeitung geworden.

Alle Artikel

Weitere in Modernisierung und Sanierung

Alle anzeigen

Weitere von ABZ

Alle anzeigen