Neustadt an der Weinstraße (ABZ). – Liegen Schäden an der Kanalisation im Bereich von viel befahrenen Straßen vor, ist eine minimalinvasive Lösung meist die erste Wahl. Denn so lassen sich umfangreiche Verkehrseinschränkungen oft vermeiden. Vor dieser Aufgabe stand jetzt auch die Sanierungstechnik Dommel in Neustadt an der Weinstraße, die gemäß Firmeninformationen mit dem innovativen Berstlining-Verfahren Regen- und Schmutzwasserkanäle reparierte.
Durch die grabenlose Herangehensweise konnten die Kanäle in gleicher Trasse effizient, umweltfreundlich und mit minimalen Beeinträchtigungen erneuert werden.
Im Rahmen der Neugestaltung des Bahnhofumfelds in Neustadt an der Weinstraße wurde eine umfassende Kanalerneuerung in der Bahnhofstraße durchgeführt. Nachdem im Herbst 2023 das Projekt öffentlich ausgeschrieben wurde, erhielt die Sanierungstechnik Dommel aus Hamm den Zuschlag. Anfang 2024 begann die eigentliche Ausführung. Insgesamt 145 m Regen- und Schmutzwasserkanäle wurden mittels des Berstlining-Verfahrens saniert. Abgestimmt auf parallellaufende Bauprojekte und sorgfältig geplant wurde die Maßnahme schnell und effizient umgesetzt.
Aufgrund der zentralen Lage und der hohen Verkehrsfrequenz war es entscheidend, dass die Sanierungsarbeiten zügig und mit minimalen Beeinträchtigungen durchgeführt werden. Ein kritischer Punkt war die Nähe eines Regenwasserkanals zum zu sanierenden Schmutzwasserohr, wodurch die Mindestabstände nach dem technischen Regelwerk nicht eingehalten werden konnten. Um Beschädigungen zu vermeiden, wurde an dieser Stelle eine zusätzliche Baugrube erstellt.
Konkret wurden 32 m des Regenwasserkanals und 114 m des Schmutzwasserkanals von Schacht zu Schacht saniert. Dabei wurden die bestehenden Steinzeug-Rohre mit Durchmesser DN 200 durch Kurzrohr-Module aus Polypropylen mit Durchmesser DA 280 ersetzt. Vor Beginn der Sanierung führte Dommel eine Reinigung der Kanäle sowie TV-Inspektion zur Erfassung des aktuellen Kanalzustandes durch. Zusätzlich wurden zwei Anschlussleitungen an die neu eingezogenen Kanäle angeschlossen, was über punktuelle Baugruben geschah.
Dafür wurden diese vor dem eigentlichen Berstlining am Anschluss zum Hauptkanal freigelegt. Während des Berstvorgangs wurden die Abwässer gesammelt und umgeleitet, um den reibungslosen Betrieb aufrechtzuerhalten.
Das Berstlining-Verfahren ist eine effiziente Methode zur grabenlosen Kanalerneuerung. In diesem konkreten Fall wurde ein Berstlining im Press-Zieh-Verfahren angewendet, das aus den vorhandenen Schächten heraus erfolgt.
Das Verfahren beginnt mit der Vorbereitung der Schächte. Dabei wird in einem Schacht eine Seilzug-Maschine installiert, die einen Aufweitkopf durch das alte Rohr zieht. In dem zweiten Schacht einer Haltung wird eine hydraulische Schubeinrichtung positioniert, die synchron zum Zug der Seilzug-Maschine die neuen Rohre in die zu erneuernde Haltung hineinpresst.
Das Pressen und Ziehen der Maschinen zerstört das alte Rohr und verdrängt die Bruchstücke radial in das umgebende Erdreich.
Gleichzeitig wird das neue Rohr in den entstandenen Hohlraum eingezogen und ersetzt das Altrohr in gleicher Trasse. Das Verfahren ermöglicht eine schnelle und umweltfreundliche Erneuerung von Kanälen, da umfangreiche Erdarbeiten entfallen und die Oberfläche nur minimal beeinträchtigt wird. Durch die Aufteilung der Kräfte für das Einbringen der Neurohre auf zwei vorhandene Schächte, war in Neustadt keine gesonderte Maschinen-Grube mit Widerlager erforderlich.
Nach dem Rohreinzug erfolgte eine optische Inspektion der Abwasserkanäle mittels TV-Kamera, um den Erfolg der Maßnahme zu überprüfen. Durch die minimalen Beeinträchtigungen und die umweltfreundliche Durchführung konnten die städtischen Verkehrsströme nahezu ungehindert weiterfließen.