Hamburg (ABZ). – Seit Oktober 2023 ist die Hagedorn Unternehmensgruppe damit beauftragt, am Standort Hamburg-Moorburg eines der größten Kraftwerksareale der vergangenen Jahre zurückzubauen. Dabei kommt umfangreiche Abbruchtechnik zum Einsatz und es sind präzise abgestimmte Prozesse und eine hohe Taktung erforderlich.
Nach der Sprengung der beiden 137 m hohen Kamine im November 2024 folgten der Rückbau der E-Filter und des REA-Schaltanlagengebäudes. Im April und Mai 2025 wurden die beiden Kesselhäuser gesprengt, aktuell läuft ihr strukturierter Abtrag. Auch der Kühlturm wurde oberirdisch zurückgebaut. Seine Kühlturmtasse dient inzwischen als Aufbereitungsfläche für den anfallenden Bauschutt.
Besonderen Fokus erhält laut Unternehmen derzeit das Kohlekreislager. Da die Fläche Anfang kommenden Jahres an ein Neubauprojekt übergeben werden soll, wird dort in hoher Frequenz gearbeitet. Das Rückbauverfahren unterscheide sich deutlich von üblichen Abläufen: Der Abtrag erfolgt von unten nach oben. Zwölf Stützen werden parallel bearbeitet und schrittweise abgesenkt. Sechs Großgeräte arbeiten dafür gleichzeitig im Verbund.
Die engen Platzverhältnisse und die hohe Maschinendichte erfordern eine detaillierte Planung und exakt abgestimmte Abläufe. Die eingespielte Mannschaft vor Ort sorgt dafür, dass die Abläufe trotz der komplexen Randbedingungen zuverlässig ineinandergreifen - ein Faktor, der für Hagedorn bei Großprojekten dieser Art laut eigener Aussage entscheidend ist.
Parallel entstehen die Fundamentdurchbrüche. Die bis zu 10 m breiten und rund 3 m tiefen Ringfundamente werden mittels Seilsäge getrennt und anschließend herausgestemmt. Damit entsteht Raum für neue Leitungsführungen. In diesen Arbeitsschritt ist auch das Tiefbau-Team der Hagedorn Gruppe eingebunden.
Sie übernimmt den Bodeneinbau sowie die Erneuerung der unterirdischen Infrastruktur, darunter Regen- und Schmutzwasserleitungen, Borde, Straßeneinläufe und Rinnen.
Auf der Kraftwerksseite erfolgt gleichzeitig der Rückbau der massiven Kohlebandbrücken. Dort arbeitet Hagedorn mit dem eigenen Kranunternehmen Wasel zusammen.
Eine 600-Tonnen-Raupe, ein 650-Tonnen-Mobilkran, ein 500-Tonnen-Mobilkran sowie zwei 150-Tonnen-Autokrane heben die tonnenschweren Baugruppen aus, lösen sie aus der Konstruktion und ermöglichen anschließend deren Zerkleinerung.
Hagedorn-Projektleiter Stefan Kleinelümern betont die Dimension des Vorhabens: "Für Moorburg benötigen wir den vollständigen Umfang unserer Abbruchtechnik – von Geräten der 30- bis 50-Tonnenklasse bis hin zu Maschinen mit mehr als 200 t Einsatzgewicht. Entscheidend ist, dass alle Einsätze mit dem Auftraggeber und den Neubauprojekten sauber aufeinander abgestimmt sind."
In den kommenden Monaten bleibt das Kohlekreislager der zentrale Schwerpunkt. Gleichzeitig laufen der Abtrag der Kesselhäuser sowie die Rückbauarbeiten an den Schaltanlagengebäuden und am Maschinenhaus weiter. Der vollständige Rückbau des Kraftwerks ist zugleich nun die Grundlage für das geplante Folgeprojekt: Im Rahmen des Hamburg Green Hydrogen Hub wird seit diesem Jahr mit dem Bau einer 100-Megawatt-Elektrolyseanlage begonnen.