Eine alte Stahlbrücke auf dem Gelände des ehemaligen Zellstoffwerks in Heidenau-Großsedlitz musste weichen. Da eine klassische Demontage nicht möglich war, kam eine in Deutschland bisher selten angewendete Rückbaumethode zum Einsatz: das Schneiden von Stahl mit Diamantsägetechnik.
Heidenau-Großsedlitz (ABZ). – Die Bahnmagistrale von Dresden Richtung Osten nach Tschechien gehört zu den meistbefahrenen Strecken Sachsens. Täglich rollen unzählige Personen- und Güterzüge unter der alten Bahnbrücke hindurch. Für den Rückbau der Stahlkonstruktion beauftragte die Deutsche Bahn die Lohse Diamantbohrtechnik GmbH aus Leubsdorf im Erzgebirge.
Die Arbeiten begannen Ende Januar 2025 – mitten im Winter. Eisige Temperaturen oder Schneefall hätten das Projekt unmöglich machen können. Im Januar blieb es jedoch mild, sodass die Arbeiten wie geplant starten konnten, wie die Beteiligten berichten.
Der erste Schnitt erfolgte senkrecht
Obwohl Sperrpausen eingerichtet wurden, blieb ein Teil der Gleise weiterhin in Betrieb. Während in unmittelbarer Nähe geschnitten wurde, fuhren Züge mit bis zu 120 km/h vorbei – eine logistische und sicherheitstechnische Herausforderung.
Technisch war das Projekt laut Angaben des Unternehmens eine Premiere. Der erste Schnitt erfolgte senkrecht und rechtwinklig zur Brückenachse. Der zweite Schnitt wurde schräg zur Brückenachse ausgeführt – eine zusätzliche Herausforderung für das Sägetechniker-Team. Vorab durchgeführte Berechnungen ergaben, dass für 250 cm² Stahlschnitt rund eine Stunde benötigt wird.
Die nächtlichen Sperrzeiten boten jedoch maximal 3,5 Stunden pro Schicht – zu wenig, um die geplante Fläche fristgerecht zu schneiden. Die Lösung bot ein präzise getakteter Schichtbetrieb. Trotz aller Hindernisse wurde den Beteiligten zufolge das Ziel erreicht – und das sogar schneller als erwartet.
Insgesamt wurden 5300 cm² Stahl geschnitten. Geplant waren mehr als 20 Stunden, doch das Team benötigte eigener Aussage entsprechend lediglich 15 Stunden. Das ergab eine Leistung von mehr als 350 cm² und lag damit deutlich über dem kalkulierten Durchschnitt.
"Wir stellen uns nahezu allen Herausforderungen."
"Eine Stahlbrücke dieser Größe mit Diamantsäge zu zerlegen, war eine der größten Herausforderungen, die unser Unternehmen je angenommen hat", erklärt Geschäftsführer Carsten Lohse.
Die Lohse Diamantbohrtechnik GmbH wurde 1990 gegründet und hat sich seitdem auf Betonbohren und -sägen konzentriert. "Wir stellen uns nahezu allen – und dabei sehr gern auch neuen – Herausforderungen", unterstreicht Carsten Lohse.