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Dillinger-Stahl prägt Bernabéu-Dachkonstruktion

Das Estadio Santiago Bernabéu erhielt ein innovatives, 40% leichteres Dach aus 3100 t hochfestem Dillinger-Stahl S690QL1, montiert von Horta Coslada.

Von ABZ
Transformation des Stadions
Der zusammengebaute Träger vor der Fertigstellung. | Foto: Real Madrid

Madrid/Spanien (ABZ). – Für die Transformation des Estadio Santiago Bernabéu zu einer Multifunktionsarena kam hochfester Stahl S690QL1 von Dillinger zum Einsatz.

Das spanische Stahlbauunternehmen Horta Coslada verarbeitete laut Angaben des Herstellers 3100 t dieses Premiumstahls für die herausfordernde Dachkonstruktion – eine in Europa bisher einmalige Menge für ein Stahlbauprojekt.

Das neue Stadiondesign stammt vom Hamburger Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) sowie spanischen Projektpartnern. Zu den prägenden Designelementen zählen eine skulpturale Hülle aus Edelstahllamellen, versenkbarer Rasen und die schwebend anmutende Dachkonstruktion mit vollständig einfahrbarem Innendach.

Gewichtseinsparung von 40 Prozent

Horta Coslada, nach eigenen Angaben das größte Stahlbauunternehmen Spaniens mit vier Werken und 390.000 m² Produktionsfläche, wurde mit dem Bau von drei herausragenden Gestaltungselementen beauftragt. Das 1963 gegründete Unternehmen ist auf komplexe Großprojekte wie Brücken, Stadien und Hochhäuser spezialisiert. Für das Dach des Bernabéu Stadions verarbeitete Horta Coslada insgesamt 13.000 t Stahl, davon 3100 t S690QL1 von Dillinger in Blechdicken von 10 bis 120 mm. Die höhere Festigkeit ermöglicht laut Hersteller leichtere und schlankere Konstruktionen, die sonst bautechnisch nicht möglich wären.

"Diese Konstruktion war nur mit der Stahlsorte S690, einem leichten Stahl mit sehr hoher Streckgrenze möglich", erklärt Alejandro Otero Gutiérrez, Geschäftsführer von Horta Coslada. "Verglichen mit anderen Lösungen konnten wir durch den Einsatz dieses Stahls etwa 40 Prozent Stahl einsparen."

Nach Einschätzung von Otero Gutiérrez wurde eine so große Menge an S690, wie sie für das Dach des Bernabéu Stadions verarbeitet wurde, in Europa noch nie zuvor im Stahlbau eingesetzt. Die QL1-Klasse erfüllt durch die schärfste Zähigkeitsklasse höchste Sicherheitslevel.

Vier Fachwerkträger tragen das Dach

Die ursprüngliche Planung für das Hauptdach beruhte auf dem Speichenradprinzip mit einem inneren Zugring und 44 Radialseilen. Diese Seilkonstruktion wurde durch ein konventionelleres System mit vier Fachwerkträgern aus Stahl ersetzt, die das gesamte Stadiondach tragen. Hauptträger sind die Nord- und Südtraverse mit jeweils 6 m Breite und Höhe bei einer Spannweite von 176 m. Beide Hauptträger wurden in Fachwerkkonstruktion vollständig aus S690 gebaut und wiegen jeweils fast 1500 t. Sie liegen an nur vier Punkten auf, von denen zwei neu gebaut wurden.

"Bei anderen Stahlgüten hätte das Dach etwa 20.000 Tonnen Gewicht gehabt. Mit dem S690 haben wir nur etwa 12.000 Tonnen Stahl benötigt", sagt Otero Gutiérrez. Rund ein Drittel der gesamten Dachkonstruktion wurde aus S690 von Dillinger gefertigt.

Montage ohne Zutritt zum Innenraum

Eine besondere Herausforderung war die ursprüngliche Auflage von Real Madrid, den gesamten Stadionumbau bei laufendem Spielbetrieb und ohne jeglichen Zutritt zum Innenraum durchzuführen. Horta Coslada entwickelte deshalb eine Konstruktionsstrategie, um die riesigen Traversen außerhalb des Stadions zusammenzubauen.

Kernbestandteil war eine provisorische Plattform in 6 m Höhe vor dem westlichen Stadioneingang, auf der alle Komponenten der Dachträger vormontiert wurden. Die Vorfertigung aller Einzelteile erfolgte im Werk von Horta Coslada in Madrid.

Mehr als 100.000 Teile wurden dort geschnitten und gebohrt, bevor sie zu transportfähigen Elementen zusammengeschweißt wurden.

Für den Transport zur Baustelle musste jeder Träger in 40 Teile unterteilt werden. Die gesamte Trägerkonstruktion über dem Stadion ist vollständig verschraubt – insgesamt 336 500 Schrauben waren dafür erforderlich, erläutern die Beteiligten.

Durch den Einsatz des höherfesten Stahls S690 wurde nicht nur die Tonnage des Dachs verringert, sondern auch die Anzahl der erforderlichen Bauteile. "Wir haben rund 300 Lkw eingespart", konkretisiert Otero Gutiérrez diesen Vorteil. Dies bedeute eine signifikante Senkung der Verkehrsbelastung und Verringerung der Umweltbelastung durch CO2.

"Ich kenne in Europa nur zwei Firmen, die diesen Stahl in dieser Dicke herstellen können. Dillinger ist in Europa als wahrscheinlich bester Lieferant von so dicken und hochwertigen Stählen bekannt", erklärt der Stahlbauer rückblickend.

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