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Arbeiten auf 100 Meter Höhe

Umweltverträglicher Rückbau von Hochspannungsmasten im Ruhrgebiet: Industrieexperten meistern Herausforderungen mit Präzision und einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit.

Von ABZ
Umweltfreundliche Demontage von Hochspannungsmasten im Ruhrgebiet
Einer von 40 Hochspannungsmasten, den das Forstunternehmen E. Krobbach rückbaut. | Foto: Zeppelin

Duisburg (ABZ). – Knapp 100 m über dem Boden, wo der Wind durch die Stahlträger pfeift und sich dem Blick Gebiete weit jenseits des Rheins eröffnen, sind Industriekletterer vom Forstunternehmen E.

Krobbach am Werk. Im Auftrag des Unternehmens Cteam demontieren sie einen von rund 40 Hochspannungsmasten des Energieversorgers Amprion bei Duisburg. Konzentriert leiten sie den Rückbau ein. Ein Job, der unter Hochspannung erfolgt, auch wenn der Strom für die Rückbauarbeiten abgeschaltet wurde. Bei den Arbeiten kann die Kolonne auf Cat-Baumaschinentechnik der Zeppelin-Niederlassung Koblenz zählen.

"Wir arbeiten in einem Naturschutzgebiet. Eine Sprengung kommt da nicht infrage. Hier steht die Umweltverträglichkeit im Vordergrund", erklärt Firmeninhaber Holger Krobbach. Wenn ein Mast Schritt für Schritt zerlegt und sein Fundament abgebaut wird, soll nichts mehr davon übrigbleiben. Spurlos und möglichst rückstandsfrei müssen die Arbeiten erfolgen.

Auf teerhaltigen Bahnschwellen

Um den alten Mast, der durch einen neuen ersetzt wird, zu Fall zu bringen, ist er an einem 650-Tonnen-Autokran befestigt. Die Kletterer durchtrennen erst die Mastspitze mit einer Flex, dann die sechs Traversen. Später geht es an den Stamm, der Stück für Stück entfernt wird. Jedes Stück wird mithilfe des Autokrans von oben nach unten auf eine mit Vlies ausgelegte Fläche gehoben. An die 500 kg wiegt die Mastspitze und 900 kg wiegen die Traversen, die am Kranhaken hängen.

In Empfang nimmt sie ein Cat-Kettenbagger 324DLN oder ein Cat 313 mit einer Cat-Schere. Diese drückt und zerlegt die Konstruktion auf eine Größe, die in den daneben platzierten Container passt. Manche Masten fußen auf teerhaltigen Bahnschwellen. Außerdem kann es vorkommen, dass Masten einen grauen Farbton erhalten, der bleihaltig und heute längst nicht mehr Standard ist. Zerschneidet der Bagger den Stahlträger, splittert zwangsläufig die bleihaltige Beschichtung.

Entstandenes Loch auffüllen

Deswegen dient das Vlies auf der Arbeitsfläche als Schutz und Vorsichtsmaßnahme, damit die Farbsplitter nicht auf dem Boden landen, sondern hinterher eingesammelt und getrennt entsorgt werden können. Mit einem Hammer am Bagger wird das rund 350 m³ große Fundament weggestemmt, abgebaut und verfüllt. Auch für das Betonfundament gilt ein strikter Entsorgungsweg, nachdem der Betonabbruch beprobt wurde. Um das entstandene Loch wieder aufzufüllen, darf nur der nur der für die Region typische Boden eingebaut werden.

"Nehmen wir Kies aus der Region, müssen wir selbst dafür einen Herkunftsnachweis erbringen und belegen, dass es ein Naturprodukt ist. Wird Mutterboden eingebaut, muss dieser nach Bundesbodenschutzgesetz ebenso beprobt werden", veranschaulicht der Holger Krobbach den Aufwand. In den Rückbau ist eine ökologischen Baubegleitung involviert.

Entlang der Leitungstrassen

Flurschäden sollen bei den Trassenarbeiten vermieden werden. Die Vorsichtsmaßnahmen sind aufwendig. Nicht nur die Wege, sondern auch die landwirtschaftlichen Flächen werden mit Stahlplatten beziehungsweise temporären Schotterflächen geschützt. Eingesetzte Baumaschinen wie der Cat 324DLN oder der Cat 313 erhielten beispielsweise Gummipads auf den Kettenlaufwerken, um diese Stahlplatten befahren zu dürfen. "Dadurch verringert sich der Bodendruck und es bleiben keine Spuren oder Abdrücke durch das Fahrwerk zurück", sagt Krobbach

In rund drei Tagen ist der Mast demontiert. 39 solcher Masten hat das Team im Auftrag von Cteam in Summe vor der Brust – zwei von ihnen erreichen eine Höhe von 100 m. "Im Bergischen Land haben wir aber auch schon Masten mit 105 Metern rückgebaut", berichtet der Firmeninhaber. Mitunter wird auch ein Hubschrauber eingesetzt, wenn der Zugang erschwert ist. Muss im Vorfeld der Wegebau entlang der Leitungstrassen betrieben werden, kommen ebenfalls Cat-Baumaschinen ins Spiel.

Für Energieversorger und Leitungsbaufirmen

Sie unterstützen auch bei der Trassenpflege und helfen mit, wenn Übertragungsleitungen von Bäumen und Sträuchern freizuschneiden sind. "Für solche Arbeiten haben wir uns inzwischen bei Energiedienstleistern und Leitungsbaufirmen einen Namen gemacht", erklärt der Geschäftsführer.

Sein Betrieb, der einst mit Forstarbeiten begann, hat nicht erst seit dem Aufkommen der Energiewende im Zuge neuer Leitungstrassen für Energieversorger gut zu tun. Holger Krobbach beschäftigt inzwischen 65 Mitarbeiter, die Arbeiten für Energieversorger und Leitungsbaufirmen wie Mastdemontagen, Flächenräumungen oder Grünflächenpflege ausführen.

"Mit den Mitarbeitern von Cteam arbeiten wir gut zusammen. Alle sind eingespielt. Falls nötig, hilft man sich gegenseitig", beschreibt Holger Krobbach die Zusammenarbeit.

Was zählt ist, dass sich dabei jeder im Team auf den anderen verlassen kann. Das gilt auch für den Kranfahrer. "Gerade wenn etwas Wind weht, brauchen wir jemanden, der dann Ruhe bewahrt und den Kran sicher steuert", sagt der Kfz-Meister. Es gelten höchste Sicherheitsvorschriften und -vorgaben – gegenseitige Rücksichtnahme ist Grundvoraussetzung bei diesem Job.

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