Ludwigsfelde (ABZ). – In der brandenburgischen Stadt Ludwigsfelde ließ das kommunale Wohnungsunternehmen Märkische Heimat vor Kurzem einen der ersten WBS-70-Plattenbauten vom deutsch-estnischen Gesamtlösungsanbieter Seeria Renova seriell sanieren.
Das Projekt kann zur Blaupause für die schnelle, wirtschaftliche und mieterfreundliche Sanierung großer Plattenbaubestände in Deutschland und Osteuropa werden, sind die Projektverantwortlichen überzeugt.
Der 102 m lange, fünfgeschossige Gebäuderiegel in der Albert-Schweitzer-Straße 2 bis 14 hat eine neue Gebäudehülle aus 228 vorgefertigten Holzfassadenelementen erhalten, die inklusive Wärmedämmung, dreifach verglasten Fenstern und Faserzement-Oberfläche im Werk vorgefertigt wurden und auf der Baustelle nur noch montiert werden mussten. Die 82 Mietparteien blieben während der bis April dieses Jahres andauernden Sanierungsarbeiten in ihren Wohnungen. Da die Arbeiten vor Ort schnell vonstatten gingen und der Eingriff in die Wohnungen minimal ausfiel, können serielle Sanierungen in bewohntem Zustand durchgeführt werden. "Als kommunales Unternehmen und größter Vermieter der Stadt wollen wir einen aktiven Beitrag zur Umsetzung der regionalen Klimaziele leisten und mit der ersten seriellen Sanierung in Brandenburg ein besonderes Zeichen setzen", erklärt Geschäftsführer Frank Kerber.
Wie die meisten Plattenbauten ist auch der Gebäuderiegel in Ludwigsfelde an das öffentliche Fernwärmenetz angeschlossen, das derzeit noch weitestgehend auf fossilen Energien basiert. Eine 82 kWp starke Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt 17,9 kWh "grünen" Strom pro Quadratmeter Wohnfläche. Da sich ein Mieterstrom-Modell in Ludwigsfelde aufgrund der Rahmenbedingungen derzeit noch nicht wirtschaftlich umsetzen ließ, wird die selbst erzeugte Solarenergie ins öffentliche Energienetz eingespeist.
"Rein rechnerisch reduziert die Produktion und Einspeisung der erneuerbaren Energien vom Dach die CO2-Emissionen der fossilen Energieträger aus dem Fernwärmenetz um 50 Prozent. Bilanziell ist das Gebäude somit ein Null-Emissionshaus", erläutert Kaarel Väer, Geschäftsführer des ausführenden Sanierungsunternehmens Seeria Renova. Zur weiteren CO2-Reduktion tragen die 228 Fassadenelemente aus Holz bei, die dauerhaft mehr als 100 t CO2 binden. Nach der Sanierung hat sich die Energieeffizienz des Ludwigsfelder Plattenbaus vom energetischen Mittelfeld C auf das Neubau-Niveau A+ verbessert. Der Primärenergiebedarf und CO2-Ausstoß sind um rund 65 % gesunken.
Mit rund 650.000 Wohneinheiten ist der WBS 70 der meistgebaute Plattenbautyp der DDR. Da Plattenbauten bereits nach den Prinzipien der seriellen und modularen Vorfertigung geplant und in Großtafelbauweise errichtet wurden, sind sie gut für die serielle Sanierung geeignet.
Der kompakte Baukörper der zumeist fünf- bis sechsgeschossigen Gebäude sowie das vordefinierte Fassadenraster von 6 x 2,8 m bieten beste Voraussetzungen. Die für den WBS-70-Plattenbau in Ludwigsfelde entwickelte serielle Sanierungslösung lässt sich auch auf den Plattenbautyp P2 sowie die QP-Serie übertragen und kann somit mehr als 50 % des ostdeutschen Plattenbaubestandes auf Klimakurs bringen, heißt es. "Bei einer hohen Anzahl gleichartiger Gebäude greifen kostensenkende Skalierungseffekte schneller und in einer ganz anderen Größenordnung. Deshalb kann von dem Projekt in Ludwigsfelde ein Katalysatoreffekt ausgehen, der den seriellen Sanierungsmarkt insgesamt auf ein neues Level hebt", betont Nico Gorsler, Teamleiter des Kompetenzzentrums Serielles Sanieren der dena.