Zum Inhalt springen

Bauherrengemeinschaft setzt auf neue Art der spritzbaren Dämmung

Von ABZ
Wohnen im ehemaligen Brauerei-Lagerhaus
Die Rückseite des Sixenstadels in der Renovierungsphase. |

Nördlingen (ABZ). – Der Sixenstadel von Nördlingen ist ein denkmalgeschütztes historisches Gebäude aus dem Jahr 1712. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel diente der Stadel der in Nördlingen ansässigen Brauerei Sixenbräu als Lagerhaus. Auch das angrenzende Nebenhaus war als Lagerhaus genutzt worden. In diesen beiden ehemaligen Scheunen wollte eine Bauherrengemeinschaft Wohnkomfort für zehn Familien schaffen. Architekt und Energieeffizienzexperte Michael Leberzammer vom Architekturbüro Schlientz hatte bei der Sanierung der beiden alten Fachwerkgebäude Auflagen einer strengen Altstadtsatzung und des Denkmalschutzes wie das Beibehalten der historischen Fassade einzuhalten sowie ein tragfähiges Brandschutzkonzept zu erstellen, um die Stadel in zwei moderne Mehrfamilienhäuser mit zehn Einheiten mit Größen zwischen 80 und 130 m² umzuwandeln. "Allein die Sicherstellung der Rettungswege und die Bauteilanforderungen für Wohngebäude der Gebäudeklasse 4 fordern einen Planer bei Fachwerkhäusern ordentlich. Außerdem war es natürlich wichtig, eine bauphysikalisch sichere Lösung zu entwickeln", so Leberzammer, der bei dem Projekt nicht nur Architekt und Bauleiter war, sondern auch einer der Bauherren ist und eine Wohnung mit seiner Familie bewohnt.

Um alle Anforderungen unter einen Hut zu bringen, entschieden sich der Architekt und seine Mitstreiter, für die Sanierung der beiden Gebäude fast ausschließlich mineralische Baustoffe einzusetzen. Bei der Dämmung der beiden Häuser setzte Michael Leberzammer auf die neue Art der spritzbaren Dämmung, den hochwärmedämmenden Leichtputz Tri-O-Therm M der Schwenk Putztechnik, Premiummarke der quick-mix Gruppe. Tri-O-Therm M ist ein rein mineralischer, EPS- und aerogelfreier Leichtputz der Baustoffklasse A1 (nicht brennbar), der das Umweltzeichen "Blauer Engel" trägt. Seine im Vergleich zu anderen mineralischen Dämmputzen sehr niedrige Wärmeleitfähigkeit erreicht Tri-O-Therm M nach Angaben des Herstellers über eine Kombination einer hochfesten Hartperlite mit einem speziell für dieses Produkt entwickelten Luftporenbildner und -stabilisator. Beides sei patentiert und erziele ein Luftporenvolumen von über 75 %, so die quick-mix Gruppe als Hersteller. Die dritte Komponente der TRI-O-Technologie sei ein hybrides Bindemittel, welches die Härtung des schaumartigen Mörtels im Vergleich zu klassischen Putzmörteln deutlich reduziere. Das Besondere daran sei das Zusammenspiel dieser namensgebenden drei Komponenten: Durch die Wasserzugabe entstehe ein Mörtelschaum mit einem hohen Luftporenvolumen, der durch das gleichzeitige Einsetzen der beschleunigten Bindemittelhärtung nicht mehr in sich zusammenfalle. Somit würden die Luftporen eingeschlossen und das hohe Luftporenvolumen auch nach der maschinellen Verarbeitung noch gemessen.

"Mit dieser Lösung haben wir mehrere Fliegen mit einer Klatsche schlagen können", so der Architekt. Für den Brandschutz sei nur ein nichtbrennbarer Baustoff nach Baustoffklasse A1 als Dämmstoff in Frage gekommen, außerdem sei eine klassische Dämmung an der Fassade aus ästhetischen und Denkmalschutzgründen ausgeschieden. Und das komplette Wand- und Dämmsystem sollte diffusionsoffen und kapillarleitend sein. All das ließ sich mit dem Tri-O-Therm M realisieren.

Um die Fachwerkgebäude nachhaltig gegen Umwelteinflüsse und insbesondere gegen Schlagregen zu schützen, wurden die Fassaden außen mit einem Trass-Kalkputz der Schwenk Putztechnik belegt, der sich durch eine hohe Beständigkeit gegenüber Umwelteinflüssen auszeichnet. Zuvor war das Fachwerk bereits mit dem Quellmörtel der Schwenk Putztechnik ausgespritzt worden, um ein Höchstmaß an Dichtigkeit zu erreichen.

Die Fachwerkwände wurden innen jeweils zunächst mit einer Schicht Trass-Kalkputz belegt, ehe die spritzbare Dämmung Tri-O-Therm M mit Dicken von 60 bis 80 mm aufgebracht wurde. Bei den Bruchsteinwänden betrug der Tri-O-Therm-M-Auftrag 50 mm. Als Armierungsputz lieferte die Schwenk Putztechnik den KSN, einen Kalkspachtel Natur, als Oberputz kam der Kalk-Innenputz naturweiß zum Einsatz. Somit ließ sich ein diffusionsoffenes kapillarleitendes System auf rein mineralischer Basis mit hervorragender Feuchteregulierung realisieren, das darüber hinaus höchsten Ansprüchen an die Wohngesundheit genügt. Die Kalk-Innenputzlinie (KIP) der Schwenk Putztechnik ist nach Angaben des Herstellers bislang als einziges Innenputzsystem vom TÜV Nord als "für Allergiker geeignet" zertifiziert.

Der diffusionsoffene feuchteregulierende Wandaufbau und die Dämmung durch den Tri-O-Therm M kam den Bauherren auch in Bezug auf das Heizkonzept zugute. "Wir setzen in allen Räumen eine Wandheizung ein und durch die niedrige Wärmeleitfähigkeit des Tri-O-Therm M wird sichergestellt, dass keine Strahlungswärme nach außen verloren geht, sondern die Wandheizung in die richtige Richtung, also nach innen, wirken kann", erklärt Michael Leberzammer.

"Durch sein günstiges E-Modul ist Tri-O-Therm M der ideale Leichtputz für den Einbau von Wandheizungen. In Kombination mit dem passenden Armierungsgewebe kommt er besonders gut mit den unterschiedlichen Rohrmaterialien klar und gleicht etwaige Ausdehnungen der Leitungssysteme aus. Und das ohne Gefahr der Rissbildung", erklärt Markus Hager, der betreuende Projektmanager der quick-mix Gruppe.

Beim Verlegen der Wandheizungen wurde zunächst der Tri-O-Therm M in Solldicken von 60 bis 80 mm aufgetragen, dann erfolgte die Montage der Kunststoffverbundrohre in Schienen, die in eine weitere Tri-O-Therm-M-Ebene ebenengleich eingebettet wurden. Nach dem Trocknen und Aufheizen erfolgte die Armierung mit Gewebe und einer Dickschicht-Spachtelung mit dem Kalk Spachtel Natur. Das Finish der Innenwände wurde mit dem Kalkspachtel glatt der Schwenk Putztechnik ausgeführt.

Nach Abschluss des Sanierungsprojektes sind der Architekt und die weiteren Bauherren zufrieden: "Unser Konzept ist voll aufgegangen. Wir haben es geschafft, modernen, wohngesunden Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig den Charme der Fachwerkhäuser zu bewahren", so Leberzammer, der viel Wert auf den Erhalt von bestehender Bausubstanz legte. Wo nötig, wurden Fachwerksbalken zwar ertüchtigt oder ausgetauscht, aber stets sichtbar gehalten. So dominiert bspw. bei den Fenstern im Obergeschoss die jahrhundertealte Kreuzkonstruktion mit vier Flügeln.

ABZ

ABZ

Gebaut wird überall, und das zu jeder Zeit! Die Allgemeine Bauzeitung begleitet das gesamte Baugewerbe. Schnell, sachlich und neutral - so sind wir Deutschlands meistgelesene Baufachzeitung geworden.

Alle Artikel

Weitere in Modernisierung und Sanierung

Alle anzeigen

Weitere von ABZ

Alle anzeigen