Zum Inhalt springen

Teupe verschiebt Brücke bei laufendem Bahnverkehr

Die Teupe Gruppe führte den beeindruckenden Verschub der 350 t schweren Cölvebrücke bei laufendem Bahnverkehr durch, Fertigstellung im Spätsommer 2025 geplant.

Von ABZ
Deutschland-Premiere für Gleisbau
Nach der Fertigstellung des Überbaus im April 2025 begann die eigentliche Hauptleistung der Teupe Gruppe: der Verschub | Foto: Teupe

Duisburg/Moers (ABZ). – Die alte Cölvebrücke zwischen Duisburg und Moers wurde im Oktober 2021 wegen Einsturzgefahr abgerissen. Seitdem warten die Anwohner auf einen Ersatzbau. Ab Dezember 2024 wurde der neue Brückenüberbau auf den Traggerüsttürmen der Firma Teupe zusammengeschweißt.

Nach der Fertigstellung des Überbaus im April 2025 begann die eigentliche Hauptleistung der Teupe Gruppe: der Verschub. .

Dies war nach Unternehmensangaben kein leichtes Unterfangen, immerhin musste die gevoutete, rund 350 t schwere Stahlbrücke horizontal über 6 Bahngleise etwa 40 m weit geschoben und anschließend um 5,4 m abgesenkt werden.

Erstmalig in Deutschland erfolgte dies bei laufendem Bahnbetrieb - so konnten Sperrungen und Umleitungen im Bahnverkehr vermieden werden. Während des Verschubs musste in jeder Phase die Sicherheit des Bahnverkehrs sowie der Mitarbeiter gewährleistet werden. Vor jedem Verschub hat Teupe deswegen eine Sicherheitseinweisung aller Beteiligten durchgeführt. Außerdem wurde der Überbau 3,4 m oberhalb des vorgeschriebenen Sicherheitsraums für die Oberleitung eingeschoben, um der planmäßigen Durchbiegung der Brückenkonstruktion von 1,5 m entgegenzuwirken und eine Gefährdung des Bahnverkehrs auszuschließen.

Selbstfahrende Plattformen

Zunächst wurde der Brückenüberbau auf der Duisburger Seite zusammengebaut. Die Konstruktion wurde auf acht Turmachsen mit je vier Bati-Schwerlasttürmen der Firma Teupe errichtet. Teupe fügte auch einen Vorbau- und einen Nachlaufschnabel an – diese bestanden aus jeweils acht HEB 1000 Profilen mit 22-Meter-Länge, die mit Spannstäben und IPE 600 Profilen ausgesteift wurden. Mit diesen kam der Überbau nun auf rund 90 Meter-Länge und 450 t Gewicht.

Vor dem Verschub wurden fünf der Achsen zurückgebaut. Die letzte Achse wurde auf selbstfahrenden Schwerlastplattformen aufgebaut, sogenannten Self-Propelled Modular Transporters (SPMTs). Diese vier SPMTs übernahmen den schrittweisen Verschub des Überbaus über die Gleise. Die beiden verbleibenden Achsen hat Teupe mit Wippenlagern ausgestattet, die im technischen Büro neu entwickelt und in der eigenen Stahlbauwerkstatt gefertigt wurden. Von den insgesamt 12 gefertigten Wippen waren jeweils 8 belastet, die restlichen vier waren auf der nächsten Achse in Verschubrichtung vormontiert. Mit diesem rollierenden System konnte der Verschub ohne Verzögerungen stattfinden.

Die schwimmende Lagerung der jeweils 2,4 x 3 m großen Wippen ermöglichte einen flexiblen Auflagewinkel des gevouteten Überbaus. Trotz einer Materialstärke von 5 cm waren die Tragplatten der Wippen so flexibel, dass sie die Verformungen der Brücke aufnehmen konnten. Um die Reibung zwischen dem Überbau und den Wippen zu verringern, hat Teupe Platten aus Polyamid auf die Tragplatten der Wippen montiert.

Zusätzlich wurden zwischen Überbau und Auflagerfläche Schlitten eingesetzt, die in der eigenen Stahlbauwerkstatt gefertigt und exakt an die Stegbleche des Überbaus angepasst wurden. Diese verhinderten ein Einschneiden der Bleche in die Auflagerfläche und sorgten für eine bessere Lastverteilung auf den Wippen. Sie wurden kontinuierlich am Ende der Wippe aus- und dann in Verschubrichtung wieder eingeklinkt und bereits während des Verschubs für ein besseres Handling verschlankt.

Fertigung der Wippen

Für die Fertigung der 5 t schweren Wippen baute Teupe spezielle Vorrichtungen, um die großen Wellen mit der Tragplatte verschweißen zu können. Der Aufwand hat sich gelohnt: "Die Wippen bieten eine Auflagerfläche für Stahlträger bis zu 1,8-Meter-Breite. Damit sind sie flexibel für viele weitere Projekte einsetzbar", erzählt Kai Brockherde, Leiter des Projektmanagements im Stahlbau.

Beim Einsatz der selbstfahrenden Schwerlastplattformen ergaben sich zwei Herausforderungen: Erstens entsprach der Abstand zwischen den Bati-Türmen nicht dem üblichen System der SPMTs. Um die Plattformen dennoch einsetzen zu können, hat Teupe spezielle Kopplungsstücke entwickelt und in der eigenen Stahlbauwerkstatt gefertigt. Zweitens brachten die 6-achsigen SPMTs enorme Kräfte auf. Deshalb prüfte Teupe nach jedem Anfahren sämtliche Verbindungsmittel der Stahlkonstruktion. Umso beeindruckender ist der größte horizontale Verschub von 20 m, der an einem einzigen Tag realisiert wurde!

Nach dem horizontalen Einschub über die Bahngleise musste der Überbau anschließend um 5,4 m in seine Endlage abgesenkt werden. "Bei dieser großen Absenkhöhe die Richtung zu behalten, war dabei nicht einfach", erläutert Marius Müller, Projektleiter im Bereich Traggerüstbau. "Wir haben Führungsträger eingebaut, um die Brücke gegen große horizontale Verschiebungen zu sichern."

Überprüft wurde der Fortschritt regelmäßig durch einen Vermesser. Am 16. Mai hat der Überbau dann seine vorläufige Lage erreicht.

Es folgen nun noch der Materialabbau und -abtransport sowie das endgültige Umlagern auf die Widerlager in einigen Monaten. Geplant ist die Fertigstellung des Neubaus im Spätsommer 2025. Eins steht bereits fest: In diesem Projekt haben sich zwei Unternehmen der Teupe Gruppe in den Bereichen Traggerüstbau und Stahlbau perfekt ergänzt. Durch schnittstellenübergreifende Zusammenarbeit, Expertise und technisches Know-how konnte die Gruppe alle Leistungen aus einer Hand liefern. Übrigens ist die Baustelle an der Cölvebrücke hautnah als Video im Youtube-Kanal der Teupe Gruppe erlebbar.

ABZ

ABZ

Gebaut wird überall, und das zu jeder Zeit! Die Allgemeine Bauzeitung begleitet das gesamte Baugewerbe. Schnell, sachlich und neutral - so sind wir Deutschlands meistgelesene Baufachzeitung geworden.

Alle Artikel

Weitere in Brückenbau

Alle anzeigen

Ermittlungen eingestellt

Von ABZ
/

Weitere von ABZ

Alle anzeigen