Zum Inhalt springen

Alles auf E

Experten in Deutschland und Frankreich empfehlen batterieelektrische Lkw zur Dekarbonisierung. Strategien sollten koordiniert sowie Ladeinfrastruktur ausgebaut werden.

Es ist erst rund ein halbes Jahr her, dass die Tests mit elektrischer Oberleitung auf Autobahnen und auf Teststrecken der Republik beendet wurden – die Technik der Lkw sei zu teuer und die Wartung der Fahrzeuge wie auch der Strecken seien sehr aufwendig, lauteten einige der damaligen Testergebnisse.

Nicht wenige Experten propagierten damals, dass Wasserstoff als Energieträger für alternative Antriebstechnologien zu favorisieren sei, insbesondere bei Maschinen, die besonders leistungsfähig sein müssen. Das ist scheinbar lange her, denn jüngst favorisierten Experten des deutsch-französischen Rats der Wirtschaftsexperten (FGCEE) sowie der französische Rat für Wirtschaftsanalyse (CAE) bei der Umstellung des Güterkraftverkehrs auf einen klimaneutralen Antrieb – Trommelwirbel – die Konzentration auf batterieelektrische Lastzüge. Um die Dekarbonisierung zu beschleunigen, sollten Deutschland und Frankreich ergänzend ihre Strategien koordinieren, politische Maßnahmen sollten sich auf batterieelektrische Lkw konzentrieren, da diese Technologie die vielversprechendste Lösung für eine schnelle und effiziente Dekarbonisierung darstelle. Zudem "verbessert sich die Batterieleistung rasch und deren Kosten sinken", urteilen die Fachleute.

Anfang März hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA) vor dem Hintergrund möglicher Strafzahlungen, die die EU Autoherstellern wegen Nicht-Erreichen der Klimaziele hätte aufbürden können, mitgeteilt, dass der in Brüssel vorgestellte "Action Plan" der EU-Kommission erste überfällige Schritte der EU in die richtige Richtung aufweise – allerdings lasse sich weiterhin eine Gesamtstrategie und der notwendige grundsätzlichen Politikwechsel vermissen. Die Abwendung von Strafzahlungen in dieser Phase sei "richtig und fair" gewesen.

Der "Action Plan" rückt laut dem Verband richtigerweise die schweren Nutzfahrzeuge stärker in den Fokus. "Sie sind Rückgrat der europäischen Wirtschaft, weshalb die besonderen Herausforderungen der Nutzfahrzeugindustrie stärker anerkannt werden müssen", so der Verband. Besonders groß seien hierbei die Nachholbedarfe beim Ausbau der Lade- und H-Tankinfrastruktur, hieß es. "Die im Rahmen einer 'European Clean Transport Corridor Initiative' in Aussicht gestellte Anerkennung der Lkw-Ladeinfrastruktur als Teil der kritischen Infrastruktur und beschleunigte Genehmigungsverfahren sind insofern erste wichtige Bausteine, um die notwendige Beschleunigung zu erreichen", hob VDA-Präsidentin Hildegard Müller hervor. "Deutschland und Frankreich haben die Chance, sich gemeinsam in Europa zu positionieren", betonte Monika Schnitzer, Co-Vorsitzende des FGCEE. "Dies wäre ein weiterer Meilenstein in der langjährigen Zusammenarbeit der beiden Staaten."

Kai-Werner Fajga

Kai-Werner Fajga

Chefredakteur Allgemeine Bauzeitung

Alle Artikel

Weitere in Alternative Antriebe

Alle anzeigen

Weitere von Kai-Werner Fajga

Alle anzeigen