Ratzenried (ABZ). – Der Straßenverkehr stellt eine erhebliche Gefahr für wandernde Amphibien dar, insbesondere während der Frühjahrs- und Herbstwanderungen zu Laichgewässern oder Winterquartieren.
Um diesen Gefährdungen wirksam zu begegnen und die Durchgängigkeit wichtiger Wanderrouten zu sichern, setzen Planer und Umweltschützer in den betroffenen Bereichen auf fest installierte Amphibienleitsysteme. Diese leiten Amphibien und sonstige bodengebundene Kleintiere sicher an ihr Ziel.
Entlang der Kreisstraße 8011 südlich von Ratzenried im Westallgäu sorgt nun auf einer Länge von knapp 800 m ein ganz spezielles Amphibienleitsystem aus Stahlbeton für die Sicherheit der Tiere. Die vom nahe gelegenen Betonwerk Hans Rinninger u. Sohn GmbH u. Co. KG aus Kißlegg gelieferten Betonelemente sind dabei von zentraler Bedeutung.
Aktuell überqueren in dem genannten Bereich jährlich mehr als 15.000 wandernde Individuen aus fünf Amphibienarten (Erdkröte, Grasfrosch, Teichmolch, Bergmolch und Kammmolch) die Kreisstraße.
Die Planer entschieden sich dafür, die lokale, überdurchschnittlich große Amphibienpopulation langfristig zu sichern. Ausgewählt wurde das molch- und laubfroschtaugliche Amphibien-Leitsteinsystem "Amphi-Pro" vom Betonwerk Rinninger. Die Anlage am Schloßweiher besteht aus drei Durchlässen mit einseitigen durchgehenden Betonleitelementen und (Abschnitt A) deckt einen Straßenabschnitt von circa 265 m Länge ab.
Das Leitsystem für Amphibien am Schießweiher (Abschnitt B) deckt mit 13 Durchlässen und beidseitigen durchgehenden Betonleitelementen einen Straßenabschnitt von etwa 460 m Länge ab. Im Bereich der seitlichen Zuwegungen wurden überfahrbare Amphibien-Stopprinnen als Wegabsperrung bündig in die Wege eingebaut und seitlich die Betonleiteinrichtung angeschlossen.
Reiner Hartinger vom Straßenamt Ravensburg erklärt die Maßnahme: "Entlang der Leiteinrichtung gelangen die Amphibien zu den Durchlässen und durch diese unbeschadet auf die andere Straßenseite. Die Anlage vermeidet somit die Tötung von Lurchen und verbindet die Teillebensräume beidseits der Straße. Der Abschnitt A befindet sich auf dem Weiherdamm des Schloßweihers. Für den genetischen Austausch spielt dieser Bereich im Vergleich zur örtlichen Gesamtpopulation eine geringere Rolle. Daher wurden im Hinblick auf die Baugrundsituation hier drei kleinere Durchlässe verwendet, die mit 24 cm Abstand zur Fahrbahnoberkannte möglichst hoch eingebaut wurden.
Die Durchlässe wurden als Rechteckprofil mit geschlossenem Boden eingebaut, um im Extremfall auch als Hochwasserentlastung für den Schloßweiher zu dienen, ohne dass es zu Ausspülungen im Tunnel kommt.
Quer- und Längsneigungen
In Abschnitt B haben wir 13 Durchlässe mit einer Länge von 8,15 (gekröpfter Durchlass) beziehungsweise 9 m (Durchlass mit Portal) eingebaut. Die Durchlässe bestehen aus einem nach unten offenen Haubenprofil mit verbreiteter Aufstandsfläche. Fertig eingebaut haben die Durchlässe in Abschnitt B eine lichte Höhe von 75 und eine lichte Weite von 100 Zentimeter. Weil der Einbau in einem kurvigen Gelände mit stark wechselnden Quer- und Längsneigungen erfolgte, wurde die Amphibienanlage sehr flächensparend und straßennah eingebaut. Ziel war es, dass sie sich in das Landschaftsbild einfügt und die umliegenden Flächen, insbesondere den Wald, nicht zu sehr in Anspruch nimmt."
Aus diesem Grund wurden auf der Waldseite in Abschnitt B Einstiegskästen verwendet. Auf der Seeseite wurde je nach Böschungssituation entweder eine gekröpfte Durchlassöffnung gewählt oder ein Portalelement mit versenktem Einstieg und Abdeckgitter eingebaut.
Doppelte Übersteigsperre
In Bereichen mit starker Straßenlängsneigung wurde die Portalscheibe an diese angepasst. Das Betonleitelement entlang der Straße weist eine doppelte Übersteigsperre auf. Diese soll verhindern, dass auch die im Gebiet vorkommenden kletterstarken Lurche den Leitstein nicht überwinden können.
Von dem Unternehmen aus Kißlegg ist Hartinger angetan. "Die Zusammenarbeit mit dem Hause Rinninger hat unkompliziert funktioniert. Auch bei technischen Rückfragen seitens der Naturschutzbehörde unterstützte uns das Betonwerk professionell."