Berlin (ABZ) | Kaufmann Bausysteme hat gemeinsam mit Primus developments den neuen Amtssitz am Spreebogen in Berlin realisiert. Das sechsgeschossige Holz-Hybrid-Gebäude dient seit der Übergabe im Sommer 2026 als Ausweichquartier des Bundespräsidialamts. Auf einer Fläche von 18.700 m2 bietet es Platz für 179 Büros und Veranstaltungsräume. Insgesamt kamen 382 Holzmodule zum Einsatz. Die Bauzeit betrug nach Angaben des Unternehmens 20 Monate, das Budget lag bei 205 Millionen Euro.
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro sauerbruch hutton. Die Planung erfolgte am Unternehmenssitz von Kaufmann Bausysteme im österreichischen Reuthe. Die Module wurden im Produktionswerk in Berlin-Herzfelde vorgefertigt. Dort konnten nach Herstellerangaben täglich bis zu zehn Einheiten unabhängig von Witterung und Jahreszeit produziert werden. Anschließend erfolgten die Anlieferung per Lkw und die Montage auf der Baustelle.
Während die Holzmodule gefertigt und montiert wurden, liefen auf der Baustelle parallel die Tiefbauarbeiten und die Errichtung der Stahlbetonstrukturen. Die Kombination der verschiedenen Bauprozesse sollte die Bauzeit reduzieren. Die standardisierte Vorfertigung trug laut Unternehmen zudem dazu bei, den Materialeinsatz und die baubedingten Emissionen zu verringern.
Geschäftsführer Christian Kaufmann sieht im seriellen Bauen weiteres Entwicklungspotenzial: „Die Zukunft des Bauens ist seriell und zirkulär. Das schont Ressourcen, minimiert die Kosten und sichert hohe Qualität – auch bei komplexen öffentlichen Projekten. Die wachsende Nachfrage bestätigt unser Konzept.“
Die 382 Module bilden das konstruktive Zentrum des Gebäudes. Sie lassen sich zu Gruppenbüros oder Besprechungsräumen verbinden und bei Bedarf nachträglich zusammenlegen oder trennen. Die Büro- und Sanitärmodule sind auf dem Sockel und an den Gebäudekernen aus Stahlbeton angeordnet. Das Obergeschoss wurde als Holzelementkonstruktion ausgeführt. Dadurch stehen dort größere Spannweiten und Raumhöhen für Veranstaltungsbereiche zur Verfügung.
Jürgen Bartenschlag vom Architekturbüro sauerbruch hutton erläutert das Konstruktionsprinzip: »Wir bauen hier im System, weniger in Modulen – der Unterschied ist wesentlich. Ein System denkt Regel und Ausnahme zusammen. Jedes Tragwerk und jede Bauweise kommt dort zum Einsatz, wo sie ihre spezifischen Stärken entfaltet. Das ist konstruktive Konsequenz«.
Im Innenraum sind die sichtbaren Holzoberflächen und farbigen Wandverkleidungen auf die Gestaltung abgestimmt. Sie prägen die Räume und lassen den modularen Aufbau weniger in Erscheinung treten. Energetisch erreicht das Gebäude laut Projektangaben den Standard »Effizienzgebäude Bund 40«. Zur Energieversorgung dienen Fernwärme und Photovoltaik.
Nach der Nutzung durch das Bundespräsidialamt soll das Gebäude künftig weiteren Bundesbehörden zur Verfügung stehen. Kaufmann Bausysteme sieht das Projekt als Referenz für den Einsatz serieller Holzbauweisen bei öffentlichen Gebäuden. Das Familienunternehmen aus dem Bregenzerwald erwartet für 2026 einen Umsatz von 330 Millionen Euro. Im Jahr 2027 feiert es sein 75-jähriges Bestehen.