Berlin (ABZ) | Ein Jahr nach Inkrafttreten des Bau-Turbos am 30. Oktober 2025 ziehen das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und die Kommunen eine erste Bilanz. Ein vom Ministerium initiiertes Monitoring zeigt, dass die neuen Möglichkeiten zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren bereits genutzt werden. In 72 Prozent der rund 400 am Monitoring teilnehmenden Kommunen wurde demnach über entsprechende Anträge beraten. Mehr als die Hälfte der eingereichten Anträge erhielt bereits eine Zustimmung.
Von Januar bis Juni 2026 erhielten die teilnehmenden Kommunen insgesamt 7892 Wohneinheiten eine Zustimmung. Rund 84 Prozent davon entfallen auf Mehrfamilienhäuser. Neben Neubauvorhaben nutzen die Kommunen die Regelungen auch für Aufstockungen und Umnutzungen bestehender Gebäude.
Die Monitoring-Ergebnisse zeigen laut BMWSB, dass der Bau-Turbo überwiegend für bereits genutzte Flächen eingesetzt wird. Fast neun von zehn genehmigten Wohneinheiten entstehen demnach in bestehenden Wohn- und Gewerbegebieten, auf gemischt genutzten Flächen, in Leerständen oder auf Brachflächen. Rund zwölf Prozent entfallen auf bisherige Grün- und Landwirtschaftsflächen.
Bundesbauministerin Verena Hubertz erklärt: „Vor einem Jahr haben wir den Bau-Turbo gezündet. Mit dem Bau-Turbo können Kommunen einem Bauvorhaben bis zu 20-mal schneller zustimmen als zuvor. Heute sehen wir durch unser Monitoring: Er ist in der Praxis angekommen. In mehr als zwei Drittel der befragten Kommunen wurden bereits Bau-Turbo-Anträge gestellt. Kommunen im ganzen Land packen an und nutzen die neuen Möglichkeiten des Bau-Turbos.“
Die Ergebnisse zeigten zudem, dass die Regelungen zur Flächenschonung beitragen könnten. Hubertz betont: „Dabei geht es nicht darum, immer auf der grünen Wiese zu bauen. Im Gegenteil: Die Ergebnisse zeigen, dass der Bau-Turbo Flächen schont, etwa um Baulücken zu schließen oder Gebäude aufzustocken. Fast neun von zehn zugestimmten Wohnungen entstehen auf Flächen, die schon genutzt werden.“
Das BMWSB will die bisherigen Erfahrungen nun gemeinsam mit acht Modellkommunen vertiefen. Dazu gehören München, Frankfurt am Main, Duisburg, Kiel, Trier, Ratingen, Rüdersdorf bei Berlin und der Landkreis Nienburg (Weser). Die Kommunen bringen unterschiedliche Ausgangslagen und Fragestellungen ein. An konkreten Anwendungsfällen sollen kommunale Leitlinien entwickelt und Möglichkeiten zur Beschleunigung von Verfahren untersucht werden. Gleichzeitig geht es darum, städtebauliche Qualitäten zu sichern.
Seit Inkrafttreten des Bau-Turbos begleitet das Ministerium die Kommunen im Rahmen eines Umsetzungslabors. Gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), dem Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung (vhw) sowie der Forward Planung und Forschung GmbH werden dabei Fragen zur praktischen Anwendung aufgegriffen und Hilfestellungen erarbeitet.
Parallel soll das bundesweite Datenmonitoring weiterentwickelt werden. Es erfasst die kommunale Anwendung der einzelnen Regelungen und dient als Grundlage für die gesetzlich vorgesehene Evaluierung des § 246e BauGB bis zum 31. Dezember 2029.
Die Erkenntnisse aus dem Monitoring, dem Umsetzungslabor und der Arbeit der Modellkommunen sollen nach Angaben des Ministeriums auch in die weitere Modernisierung des Planungsrechts einfließen. Hubertz erklärt dazu: „Mit unseren acht Modellkommunen gehen wir jetzt den nächsten Schritt. Gemeinsam wollen wir schauen, was vor Ort gut funktioniert, wo wir Verfahren noch einfacher machen können und wie wir diese Erfahrungen auch für andere Kommunen nutzbar machen. So können möglichst viele Städte und Gemeinden von den neuen Möglichkeiten profitieren.“