Frankfurt am Main (dpa). – Frankfurts Skyline ist einzigartig. Und es kommen weitere Wolkenkratzer dazu. Doch die Zeiten am Immobilienmarkt sind rau. Ist der Boom allmählich vorbei? Richtfeste werden gefeiert, aber Grundsteinlegungen sind rar.
Die Skyline gehört zu Frankfurt wie der Apfelwein oder Deutschlands größter Flughafen. Die bundesweit höchsten Hochhäuser stehen allesamt in "Mainhattan". Knapp 40 Hochhäuser sind über hundert Meter hoch. Etwa die Hälfte misst sogar mehr als 150 Meter, was als Definition von Wolkenkratzern gilt.
Dass diese Skyline sich wieder mal ändert, zeigt sich derzeit auf "Deutschlands größter innenstädtischer Baustelle" – wie es bei der Stadt heißt. Dort, am Rande des Bankenviertels, entsteht das Projekt "Four". Schon jetzt ragen vier Türme in den Himmel, der höchste ist fast fertig und misst dann 233 Meter. Auf der Baustelle sind laut dem Entwickler Groß & Partner zwischenzeitlich rund 1500 Menschen beschäftigt. Die Arbeiten würden sieben Tage die Woche, fast rund um die Uhr laufen. Kürzlich wurde Richtfest gefeiert. Das gesamte Ensemble, zu dem auch 600 Wohnungen gehören, ist voraussichtlich 2025 fertig.
Quasi ums Eck entsteht das nächste Großprojekt, der "Central Business Tower". Das 205 Meter hohe Gebäude soll nach Angaben der Helaba Ende 2027 fertiggestellt werden. "Dieser wird noch nicht so wahrgenommen, weil momentan noch nichts nach oben wächst. Das wird sich aber bald ändern", sagt Frankfurts Planungsdezernent Marcus Gwechenberger.
Rauer Immobilienmarkt
Doch die Projekte können nicht darüber hinwegtäuschen dass die Lage am Immobilienmarkt rau ist. Es scheint: Richtfeste werden noch gefeiert, aber Grundsteinlegungen sind eher rar. Große Vorhaben wie der "Millenium Tower" oder die Bebauung des früheren Polizeipräsidiums geraten ins Stocken. "Da wird momentan abgewartet. Das hängt unter anderem mit der Zinssteigerung und den höheren Baukosten zusammen", erklärt Gwechenberger.
Ist der Hochhaus-Boom also vorbei? Klar ist: Kriege, Krisen und Inflation haben dem Immobilienmarkt zugesetzt. Hinzu kommen Unsicherheiten, etwa was die künftige Nutzung von Büroflächen betrifft. Stichwort: Home Office. Laut dem Immobilienspezialist Jones Lang LaSalle (JLL) betrug die Leerstandsquote bei Büros in Frankfurt im dritten Quartal diesen Jahres 8,3 Prozent und lag damit immerhin 0,2 Prozentpunkte unter der des Vorquartals. Zum Vergleich: Europaweit lag die Quote im ersten Halbjahr laut JLL bei 7,6 Prozent.
Aber wie stellt sich die Stadt mittelfristig auf? "Ich glaube, wir befinden uns momentan in einer schwierigen Phase", sagt Oberbürgermeister Mike Josef. "Doch wenn Sie sich die Immobilienentwicklung und die Entwicklung Frankfurts der letzten Jahrzehnte anschauen, gab es immer schon Schwankungen." Wichtig sei, als Standort attraktiv zu bleiben.
Laut Josef gibt es aktuell einige Firmen, die innerhalb Frankfurts umziehen, also beispielsweise aus großen Büros am Stadtrand auf kleinere Flächen in attraktiver Innenstadt-Lage. Zudem gelte es, auf veränderte Anforderungen flexibel zu reagieren – etwa wenn nach der Corona-Flaute doch wieder die Nachfrage nach Hotels steige.
Frühzeitige Planung
Und es gehe auch um eine frühzeitige Planung und klare städtebauliche Vorgaben. "Wir überlegen uns beispielsweise im Rahmen des Hochhausentwicklungsplans, wo in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Hochhäuser entstehen können und wo nicht", erklärt der OB. Der Plan sorgt auch dafür, dass die meisten Türme nicht vereinzelt, sondern in Gruppen stehen, wodurch die markante Skyline entsteht. Solche Cluster gibt es vor allem im Bankenviertel oder auch am Messegelände.
Die Zeiten abgeschotteter Büros und Banktürme ist auch in Frankfurt allmählich vorbei. Nach dem Beispiel von New York oder Singapur wird auch am Main seit einigen Jahren in den Hochhäusern auf eine Mischnutzung von Arbeiten, Wohnen und Freizeit gesetzt. Im "Four" soll es eine Kita, ein Hotel, eine öffentliche Markthalle und eine frei zugängliche Dachterrasse geben. 78 Mietwohnungen sind laut Groß & Partner öffentlich gefördert. Für manche ist das immer noch zu wenig, bei künftigen Hochhausprojekten in Frankfurt muss der Anteil solcher Wohnungen bei 30 Prozent liegen.
Auch in Sachen Hybridtürme will der Hochhausrahmenplan unterstützend eingreifen: "Uns ist wichtig, dass eine Zugänglichkeit der Hochhäuser gewährleistet ist", sagt Dezernent Gwechenberger. "Das heißt, dass vor allem im Sockelbereich, also innerhalb der ersten fünf Geschosse, eine öffentliche Nutzung ermöglicht wird. Beispielsweise durch Gastronomie, Läden und kulturelle oder sportliche Einrichtungen." Das sei ein wichtiger Ansatz auch zur Belebung der Innenstadt.
Und wie sieht es in Zeiten von Wohnraummangel mit einer Umnutzung der Büros aus? "Wir haben keine rechtlichen Instrumente, Eigentümer anzuweisen, Bürofläche in Wohnraum umzuwandeln. Aber wir versuchen, Anreize zu schaffen", sagt der OB. Zudem sei es oftmals recht teuer, die bürotypischen Räume, etwa mit den Sanitäranlagen, Fluchtwegen und Rettungswegen umzuwandeln.
Aber dennoch: Nach Angaben von JLL vom Sommer hat sich in Frankfurt in den vergangenen 15 Jahren die Zahl der Umwandlungen mehr als verdoppelt. Einen Grund dafür erläuterte damals JLL-Experte Helge Scheunemann: "In Frankfurt gibt es im Vergleich zu den anderen Metropolen relativ viele Flächen in Bürotürmen, die sich aufgrund der hohen Ausnutzung der Grundfläche besonders für das Umwandeln in Wohnraum eignen, da sie einen natürlichen Lichteinfall bieten."