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Weltpremiere in Erlangen

Wenn ein Baumaschinenhersteller wie Volvo CE zur Vorstellung einer Weltneuheit einlädt, dann sind die Erwartungen der Pressevertreter schon recht hochgeschraubt. Auf einer Baustelle in Erlangen wurde das Versprechen jedoch anschaulich eingelöst.

Erste Baustelle ausschließlich mit E-Geräten und E-Baumaschinen
Projektpartner beim ersten vollelektrischen Rückbau (v. l.):Torsten Höppner (Siemens Digital Industries), Daniel Bechmann (Siemens Real Estate), Therese Schmitz-Hillebrecht (Volvo CE), Michael Metzner (Metzner Recycling) und Peter Bauer (Volvo CE). | Foto: Kai-Werner Fajga

Erlangen. – Wenn ein Baumaschinenhersteller wie Volvo CE zur Vorstellung einer Weltneuheit einlädt, dann sind die Erwartungen der Pressevertreter schon recht hochgeschraubt. Auf einer Baustelle in Erlangen wurde das Versprechen jedoch anschaulich eingelöst..

Baumaschinenhersteller Volvo CE hatte gemeinsam mit mehreren Projektpartnern Anfang Juli zu einem Presse-Event nach Erlangen eingeladen, wo eine Weltneuheit vorgestellt werden sollte. Entsprechend groß war das Interesse der Medien vor Ort – rund 50 Vertreter der internationalen und lokalen Presse, von Fachmedien, Rundfunk und Fernsehen konnten von den Veranstaltern begrüßt werden.

Volvo CE hatte mit Partnern am Siemens Technology Campus in Erlangen eine Baustellensituation vorbereitet, wie es sie weltweit bisher noch nicht gegeben hat, denn alle Arbeiten im Zusammenhang mit der Baustelle werden mit elektrischen Baumaschinen und Geräten erledigt. Dementsprechend war der Lärmpegel vor Ort bei der Vorstellung zwar ungefähr so, wie man ihn von einer Baustelle erwartet, an dem schweres Gerät bewegt wird, Fassaden abgerissen werden, ein Bohrhammer meißelt oder eine Abbruchschere werkelt.

Allerdings fällt der Geräuschpegel insgesamt dann doch deutlich aus leiser aus, denn statt ständig wummernder Dieselaggregate hört man nur Elektromotore surren. Und wenn der Volvo-Radlader L20 Electric im Gebäude Aufräumarbeiten erledigt, geschieht das so leise, dass die Maschine in Bewegung quasi nicht hörbar ist.

Siemens Real Estate, Volvo Construction Equipment und Metzner Recycling betreiben als Partner in Erlangen ein Projekt, tatsächlich als Vorbild dienen kann und soll. Beim Neubau des Siemens Technology Campus in Erlangen wird bereits der Rückbau konsequent klimaneutral umgesetzt, das war dem Bauherren Siemens Real Estate ein wichtiges Anliegen. Das später an diesem Ort entstehende Forschungszentrum und weitere Gebäude sollen vollkommen klimaneutral betrieben werden. Beim aktuellen Abriss kommen dabei innovative vollelektrische Baumaschinen von Volvo CE zum Einsatz, die Emissionen erheblich reduzieren.

Unterstützt wird das Projekt dabei von Partnern wie dem Volvo-Händler Robert Aebi, Husqvarna Construction, Volvo Trucks, den Erlanger Stadtwerken und weiteren Dienstleistern. Auch ein elektrischer Prallbrecher der Wirtgen Group/Klemann ist im Einsatz.

Alles auf "E" gesetzt

Alle verwendeten Baumaschinen verfügen somit über elektrische Antriebe, die per Batterie oder Kabel mit Strom versorgt werden. Zudem stellt Metzner Recycling sicher, dass eine besonders hohe Recyclingquote der Baumaterialien erreicht wird und wertvolle Ressourcen im Kreislauf bleiben. Erst das Zusammenspiel moderner Technologien und nachhaltiger Verfahren macht das Projekt zu einem Vorzeigebeispiel für die Abbruchbranche.

Siemens hatte zuvor die Gründung eines neuen Campus für Entwicklung und High-Tech-Fertigung in Erlangen verkündet, Investitionen von rund 500 Millionen Euro sollen für den Ausbau von Forschungs- und Fertigungskapazitäten fließen. Damit will Siemens den Standort zum weltweiten Forschungs- und Entwicklungs-Zentrum sowie zum Nukleus für weltweite Technologie-Aktivitäten im industriellen Metaverse entwickeln.

Der Ausbau des Standorts folgt einem umfassenden und zukunftsweisenden Nachhaltigkeits- und Energiekonzept, denn das rund 200.000 Quadratmeter große Areal wird als Null-Emissionen-Standort ausgerichtet, der höchste Nachhaltigkeitskriterien erfüllen soll: Geplant sind etwa eine innovative Energieinfrastruktur, grüne Energieversorgung in Partnerschaft mit der Stadt Erlangen und der umfassende Einsatz von nachhaltigen digitalen Gebäudetechniklösungen von Siemens. Realisiert wird der neue Campus in Erlangen von Siemens Real Estate, dem Immobilienunternehmen des Konzerns, gemeinsam mit Siemens Digital Industries.

Erste Schritte waren die virtuelle Planung und Simulation des neuen Technologiecampus noch vor dem ersten Spatenstich, so dass mit einem digitalen Zwilling der Gebäude bereits wichtige Nachhaltigkeitsziele berücksichtigt und eingeplant werden können. Auch beim Rückbau der bestehenden Gebäude beschreiten Bauherr Siemens Real Estate gemeinsam mit Metzner Recycling neue Wege, denn zusammen mit Partner Volvo CE wird so der weltweit erste emissionsfreie Rückbau im industriellen Maßstab realisiert.

Mega-Projekt für Erlangen

Die vollelektrischen Baumaschinen zerlegen und zerkleinern zwei Gebäude mit einer Grundfläche von 3300 Quadratmetern und einem Gebäudevolumen von rund 24 700 Kubikmetern. Aus dem elektrifizierten Abbruch werdenungefähr 12 800 Tonnen mineralisches Recycling-Material gewonnen, die beim Neubau direkt vor Ort wieder verwendet werden. Insgesamt haben die mit den Abbruchrobotern rückgebauten Gebäude eine rund 96-prozentige Wiederverwertung aller anfallenden Materialien – beispielsweise als Unterbau bei Bodenplatten, als Zuschlagstoff zum Beton oder als Doppelbodenplatten, die vom Hersteller wieder zurückgenommen und aufgearbeitet werden.

"Wir haben uns als Unternehmen ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele gesetzt und wollen bis 2030 klimaneutral sein", sagt Daniel Bechmann, General Manager des Bauprojekts. "Bei unseren Neubauprojekten sind wir bereits weitestgehend CO2-neutral im Betrieb. Daher war es für uns eine tolle Gelegenheit, gemeinsam mit unseren kompetenten Rückbaupartnern einen entscheidenden Beitrag zur CO2-Reduzierung auf einer Großbaustelle umzusetzen", so Bechmann.

Was zunächst wie ein Pilotprojekt erscheint, ist in Wirklichkeit ein praxisnaher Feldversuch – basierend auf konkreten Anforderungen, realen Rahmenbedingungen und messbaren Ergebnissen. Der vollelektrische Maschinenpark von Volvo, ergänzt durch emissionsfreie Lkw, kam bei laufendem Abbruchbetrieb zum Einsatz.

Alle Abläufe wurden so organisiert, dass Baureste direkt auf der Baustelle fachgerecht recycelt und als Rohstoffe für Folgeprojekte vorbereitet wurden. Das Ziel: Emissionen reduzieren, Transporte vermeiden, Ressourcen effizient nutzen.

Innovative Maschinen im Einsatz

Der durchgängige Einsatz elektrischer Maschinen erstreckt sich über sämtliche Phasen des Projekts – von der selektiven Entkernung und Schadstoffsanierung bis zum vollständigen Abbruch. Innerhalb der Gebäude kommen etwa der vollelektrische Volvo ECR18 Kompaktbagger sowie der Volvo L20 Electric Radlader zum Einsatz: Der ECR18 übernahm das präzise Aufbrechen und Abschlagen von Beton- und Mauerwerk – unterstützt durch einen Abbruchroboter DXR145/DXR305 von Husqvarna, während der L20 Electric das ausgebrochene Material effizient aus dem Gebäude transportierte.

Für den großvolumigen Gebäuderückbau sorgten der Volvo-Umschlagbagger EW240 Electric MH sowie der Raupenbagger EC230 Electric, ebenfalls vollelektrisch, die den eigentlichen Abbruch übernahmen.

Der L120 Electric Radlader bewegte das gebrochene Material anschließend zum kettenmobilen elektrischen Brecher. Unterstützt wurde der gesamte Prozess durch die elektrifizierte Logistik – Volvo Trucks transportierten das aufbereitete Material ab und demonstrierten, dass emissionsfreier Materialfluss auch im innerstädtischen Umfeld bereits heute machbar ist.

"Unsere Transformation ist keine Vision mehr, sondern Realität", sagt Therese Schmitz-Hillebrecht, Head of Market Area Central Europe bei Volvo CE. Für den Hersteller ist dieses Projekt ein weiterer Baustein in der konsequenten Umstellung auf emissionsfreie Maschinenlösungen. "Wir entwickeln nicht nur elektrische Baumaschinen – wir begleiten unsere Partner auf dem Weg in eine emissionsfreie Zukunft. Dass ein Unternehmen wie Metzner den Mut zeigt, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen, ist ein starkes Zeichen."

Nichts geht ohne starke Partner

"Ohne das enge Zusammenspiel aller Beteiligten wäre dieses Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen", sagt Peter Bauer, Segment Leader bei Volvo CE. "Metzner hat den Mut gezeigt, neue Wege zu gehen – und Volvo konnte gemeinsam mit Partnern zeigen, welches Potenzial heute schon im elektrischen Bauen steckt." Die Offenheit seitens Siemens Real Estate während der Projektvorbereitung habe ebenfalls zum Erfolg beigetragen.

"Dieser vollständig elektrisch betriebene Rückbau beweist die Machbarkeit von Baustellen mit Null-Emissionen. Die Erkenntnisse, die wir daraus ziehen können, sind für alle Beteiligten wertvoll, von politischen Entscheidungsträgern über Kunden aus der Bauindustrie bis hin zu Projekteignern und Maschinenbetreibern", so Mathias Pfitzenmeier. Seine Funktion ist VP Sales & Services Deutschland bei Husqvarna Construction.

"Nachhaltiges Bauen ist möglich – wenn Technik, Planung und Teamgeist aufeinandertreffen", sind sich die Verantwortlichen vor Ort sicher. Metzner und Volvo blicken gemeinsam mit ihrem Partnernetzwerk gespannt auf die nächsten Schritte und sind überzeugt: Der Weg zur emissionsfreien Baustelle beginnt genau hier.

Kai-Werner Fajga

Kai-Werner Fajga

Chefredakteur Allgemeine Bauzeitung

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