Selsingen. – Das Bauunternehmen Matthäi realisiert derzeit das erste 3D-Druck-Gebäude Norddeutschlands. Das Bürogebäude auf dem Gelände des Tochterunternehmens Matthäi Schlüsselfertigbau ist ein Neubau, mit dem das Unternehmen neue Wege beschreitet.
Am Freitag, dem 23. Mai 2025, um 10 Uhr war es so weit: In einem Live-Event, zu dem auch die Presse eingeladen war, wurde das erste 3D-Druck-Projekt in Norddeutschland vorgestellt. Das Bauunternehmen Matthäi realisiert dort die neue Bauweise. Das Bürogebäude selbst ist auf dem Gelände des Tochterunternehmens Matthäi Schlüsselfertigbau angesiedelt und ein Neubau, dessen Wände von einem 3D-Drucker errichtet werden. Gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Peri 3D Construction wird nun ein zweigeschossiges Bauwerk errichtet, das hohe architektonische Maßstäbe setzt und die Blicke schon jetzt auf sich zieht.
Der Druckstart für den künftigen Firmensitz von Matthäi Schlüsselfertigbau war bereits am 21. Mai 2025, seitdem fährt der 3D-Drucker Stück für Stück die Wände des neuen Gebäudes ab und lässt es Schicht für Schicht in die Höhe wachsen. Insgesamt ist für das Erdgeschoss eine reine Druckzeit von 50 Stunden veranschlagt. Für das Obergeschoss kommen noch einmal 55 Stunden Druckzeit hinzu. Das Fundament, die Bodenplatte, die Decken und das Dach werden in herkömmlicher Bauweise hergestellt.
Mittlerweile sind die Wände des Erdgeschosses in Selsingen gedruckt und die Erdgeschossdecke wurde betoniert. "Nun werden wir mit dem Druck des Obergeschosses fortfahren", erläutert Henryk Busch, Projektleiter in Selsingen bei Matthäi Schlüsselfertigbau gegenüber der ABZ. Bis Ende Juli soll der Druck des Obergeschosses abgeschlossen sein.
Die Erfahrungen mit Hersteller Peri und dem 3D-Drucksystem bewertet der Experte bisher als sehr gut. "Die Bauzeit ist momentan mit einer herkömmlichen Bauweise ungefähr vergleichbar, allerdings sind wir hier auch noch in einem Lernprozess und werden jeden Tag schneller", sagte Busch. Im Vorfeld hätten die Mitarbeiter des Bauunternehmens eine Schulung bei Hersteller Peri in Weißenhorn bekommen, an der Baustelle in Selsingen ist ein Peri-Mitarbeiter für die Schulung der Mitarbeiter und die Betreuung der Baustelle vor Ort dabei. "Im Prinzip probieren wir das ganze System ja noch aus, da wir die Anlage das erste Mal fahren", ergänzt Busch.
Die Aussagen im Vorfeld von Peri, dass die Nutzung des 3D-Drucksystems relativ einfach erlernbar sei, kann auch Busch bescheinigen: "Die Schulung der Mitarbeiter ging recht schnell und erfordert keine umfassende Expertise, denn der Drucker wird per Tablet gesteuert – und das kann im Prinzip nahezu jeder Maurer oder Betonbauer bedienen." Eine gewisse Affinität zur Bedienung von solchen Geräten sollte allerdings schon vorhanden sein.
Wie der Projektleiter weiter mitteilt, seien die Druckphasen bisweilen auch unterbrochen worden, um Erfahrungen zu sammeln und sich auszutauschen. Allerdings habe man nicht mit einem so großen Interesse Dritter an dem System gerechnet: "Wir haben hier zeitweise 30 bis 40 Interessenten vor Ort, die sich das System ansehen wollen, von Schulen bis hin zu Fachbetrieben und Experten, das hat uns schon überrascht." Das habe den Baustellenbetrieb dann doch mitunter verzögert.
Die voraussichtliche Gesamtfertigstellung des Bauwerks ist für Dezember 2025 geplant. Das Bauwerk aus dem 3D-Drucker wird letztlich beachtliche Maße aufweisen – insbesondere für ein Gebäude, das in dieser innovativen Bauweise umgesetzt wird. Rund 7,4 Meter soll das Bürogebäude hoch sein, 22,5 Meter lang und 13,5 Meter tief. Die Formgestaltung und die Fassade sorgen für eine beeindruckende Optik. Das in Selsingen entstehende Bauwerk stehe exemplarisch für den Leitspruch der Matthäi-Gruppe: "Wir bauen die Zukunft." Schließlich werde nicht nur ein Bürogebäude in beeindruckendem Tempo errichtet, sondern auch der eigene Erfahrungsschatz als Bauunternehmen vergrößert. Schon während der Planungsphase habe Matthäi nach eigenen Informationen mit dieser Pionierarbeit das eigene Wissen rund um das Thema 3D-Druck erheblich erweitert.
"Die gesamte Matthäi-Gruppe ist stolz darauf, das erste 3D-Druck-Gebäude in Norddeutschland realisieren zu dürfen", betont Bernd Mergard, Geschäftsführer von Matthäi Schlüsselfertigbau. "Gemeinsam mit unseren Partnern von Peri 3D Construction gehen wir einen wichtigen Schritt in die Zukunft des Bauens. Hier zeigt sich einmal mehr, wie sehr Matthäi unternehmerisches Wachstum mit dem Gedanken an Innovation und Fortschritt verbindet", ergänzt Mergard.
Fachlich begleitet wird das Projekt auch durch das Ingenieurbüro Schiessl Gehlen Sodeikat GmbH. Für das Ingenieurbüro ist es eine große Freude, die Matthäi Schlüsselfertigbau GmbH & Co. KG sowie alle Projektbeteiligten bei der Errichtung des ersten 3D-gedruckten Gebäudes in Norddeutschland zu unterstützen. Die Anwendung der innovativen Bautechnik erfordere eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung (vBg) beziehungsweise eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE). Die Aufgabenfelder des Ingenieurbüros umfassen dabei die Erstellung des Prüf- und Zulassungskonzepts sowie eines Gutachtens für die Erwirkung der vBg beziehungsweise ZiE. Darüber hinaus begleiten sie die Projektbeteiligten beratend sowie gutachterlich seit der Planungsphase, in der Bauphase – und auch noch einige Jahre nach Bauabschluss.
Das 3D-Drucksystem stammt von Peri 3D Construction, einem Anbieter von Komplettlösungen für den 3D-Gebäudedruck. Zum Einsatz kommt der COBOD BOD2 – ein großformatiger Portaldrucker, der vor Ort in einer Konfiguration mit 24 Metern Länge, 15 Metern Breite und 9 Metern Höhe aufgebaut wurde. Die Bedienung des Druckers wird eigenständig durch ein Team von Matthäi Schlüsselfertigbau übernommen. Dafür wurden die Mitarbeiter an der Maschine geschult. Zudem ist ein erfahrener Supervisor von Peri 3D Construction vor Ort, um das Projekt zu begleiten und bei technischen Fragen zu unterstützen.
Matthäi Schlüsselfertigbau ist ein Tochterunternehmen der Matthäi-Gruppe. Als einer von über 75 Standorten der Verdener Unternehmensgruppe ist das Unternehmen auf das Errichten funktionaler Bauwerke spezialisiert. Das Bauunternehmen Matthäi aus dem niedersächsischen Verden ist seit mehr als 90 Jahren aktiv und über 3500 Menschen arbeiten innerhalb der Matthäi-Gruppe. Nach kontinuierlichem Wachstum ist Matthäi heute in allen Disziplinen des Bauens erfolgreich vertreten.
Die Matthäi-Gruppe zählt nach eigenen Angaben zu den Top 20 der größten Bauunternehmen Deutschlands – gemessen an der jährlichen Bauleistung. Jahr für Jahr realisiert die Matthäi-Gruppe deutschlandweit über 1000 Bauprojekte.
Rund 4500 Baumaschinen und Baufahrzeuge kommen auf den Baustellen von Matthäi zum Einsatz. Jeder Standort hat Zugriff auf einen modernen und leistungsstarken Fuhrpark.