Eigentlich war ja schon alles vorgezeichnet: Bis 2030 sollte Hannovers Innenstadt nach dem Willen des aktuellen Bürgermeisters Belit Onay (Grüne) nahezu autofrei sein, Parkplätze verschwinden und Einkaufswillige möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrrädern anreisen. Dem Deutschen Städtetag habe der Ansatz als Blaupause gedient, anderen Städten europaweit Mut gemacht.
Dass ausgerechnet die Stadt in Deutschland Autos komplett aus der Innenstadt fernhalten wollte, die jahreslang genau das Gegenteil umgesetzt hat und sich lange Zeit als "die" Einkaufsstadt lobte, mag in der Klimawandel-Diskussion als Anlass für einen Paradigmenwechsel durchgehen. Warum aber nun schlichtweg alle Autos aus einer Innenstadt verschwinden sollen – also auch solche mit alternativen Antrieben – zugunsten der Lebensqualität der Innenstadt-Anwohner, erschließt sich nicht jedem.
Zudem besteht Hannovers Innenstadt überwiegend aus Verkaufstempeln, und auch das Argument, dass quasi alle Bürger der umgebenden Region – wie auch Pendler – ausgegrenzt werden sollten, rief Kritiker auf den Plan. Der Rat der Stadt Hannover (mit Vertretern von SPD, CDU und FDP) mahnte dann an, das Zentrum müsse erreichbar bleiben – auch mit dem Auto. Parkmöglichkeiten solle es weiterhin geben. Als "unausgewogen" hat der SPD-Fraktionschef Lars Kelich das Mobilitätskonzept der Stadtverwaltung bezeichnet, es richte sich an junge und gesunde Menschen oder jene, die in der Stadt wohnten.
Da SPD, CDU und FDP die Mehrheit im Rat stellen, werde vermutlich auch beschlossen, was diese beantragen wollen. Anfang 2025 soll ein neuer Entwurf für einen Masterplan Mobilität vorgelegt werden. "Die Stadtgesellschaft ist bereit, viel weiterzugehen", hat Onay darauf entgegnet. Es bleibt fraglich, warum dies nur zu Fuß, per Fahrrad, mit Roller oder "Öffis" geschehen darf.