Geht es nach der neuen Bundesregierung, sollen die Strompreise für industrielle Nutzer und Privatkunden um rund 5 Cent pro Kilowattstunde sinken. Erreicht werden soll dies durch eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer "auf das europäische Minimum", die Senkung von Netzentgelten soll einen zusätzlichen Effekt auslösen.
Für Großverbraucher von Industriestrom soll sogar ein spezieller Strompreis eingeführt werden, falls sie nicht von der geplanten Kompensation profitierten. In der Tat muss Strom in Deutschland derzeit noch überdurchschnittlich teuer bezahlt werden, nur in Irland, Kroatien, Zypern, Ungarn und Luxemburg ist Strom für mittelständische Industriekunden teur er als in Deutschland – bei Großverbrauchern liegt Deutschland laut aktuellen Daten von Statista für das zweite Halbjahr 2024 im teuersten Drittel im Vergleich unter 27 Ländern.
Die Schwankungsbreite der Stromkosten ist dabei sehr groß – für den Energieträger müssen Unternehmen in Skandinavien nur etwa 30 Prozent dessen bestreiten, was in Deutschland fällig ist, in weiteren zehn Ländern müssen immerhin rund 5 Cent pro Kilowattstunde weniger bezahlt werden. "Bei einem Jahresdurchschnittsverbrauch zwischen 500 und 2000 Megawattstunden ist der Industriestrompreis hierzulande in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen", hieß es bei Statista jüngst – vor allem zwischen 2021 und 2022. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) warnte jedoch davor, das Strompreispaket der Regierung als langfristige Maßnahme anzusehen.
"Alle genannten Maßnahmen stellen zunächst ein kurzfristiges Pflaster für ein größeres Problem dar – die geplanten Maßnahmen verschieben die Kosten lediglich von einzelnen Verbrauchern in den Bundeshaushalt", teilte das Institut mit. Das Stromnetz müsse umgebaut und erweitert werden, damit der Preis langfristig auch ohne Subvention niedrig sein könne. Das umfasse auch den bedarfsorientierten Ausbau der erneuerbaren Energien, der Netze, Speicher und regelbarer Kraftwerke. Nach jüngsten Meldungen wolle die Bundesregierung Verbraucher wie Firmen weiter entlasten, die angekündigte Senkung einer Stromsteuer komme aber erst einmal nicht, hier sei der Koalitionsvertrag auf "finanzielle Möglichkeit und Wirklichkeit" getroffen, habe Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gesagt.