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Schreckgespenst

Die deutsche Industrie verzeichnet einen Rückgang der Beschäftigung um 1,8 %. Experten warnen vor Deindustrialisierung, aber langfristige Resilienz wird betont.

Nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY), die auf Zahlen des Statistischen Bundesamts beruhen soll, beschäftigte die deutsche Industrie zum Ende des ersten Quartals 5,46 Millionen Menschen – das seien 101.000 weniger als ein Jahr zuvor und entspreche einem Rückgang von 1,8 Prozent. Industrieunternehmen stünden gewaltig unter Druck, so die Berater, aggressive Wettbewerber aus China drückten die Preise, wichtige Absatzmärkte schwächelten, in Europa stagniere die Nachfrage auf niedrigem Niveau, hinter dem gesamten US-Markt stehe ein großes Fragezeichen.

Gleichzeitig kämpften Unternehmen mit hohen Kosten – etwa für Energie und Personal. Schon seit geraumer Zeit wird über das Schreckgespenst der Deindustrialisierung Deutschlands öffentlich viel diskutiert – nun scheint es näher zu rücken. Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA), wies unlängst darauf hin, dass neben den 2024 bereits verloren gegangenen Industriearbeitsplätzen weitere Stellenstreichungen im großen Maßstab angekündigt worden seien, beispielsweise bei der Deutsche Bahn (30.000 Stellen), ZF Friedrichshafen (bis zu 14.000 Stellen), oder Thyssenkrupp (11.000 Stellen).

"Die Industrieproduktion in Deutschland ist seit 2018 rückläufig", sagte Müller, und "ein Ende dieser Spirale nach unten nicht absehbar." Nach einer aktuellen Umfrage des Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) gehen 60 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen in der Baubranche trotz der schwachen Umsatz- und Ertragserwartungen davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten im Unternehmen gleichbleiben werde.

"Das ist eine Kraftanstrengung und eine unternehmerische Entscheidung, vor der ich nur den Hut ziehen kann", betonte HDB-Präsident Peter Hübner jüngst. Denn nach einem Umsatzrückgang fünf Jahre in Folge hielten die Unternehmen weiter an ihrem Personal fest. Laut EY hat die Krise der deutschen Industrie längst eine Debatte über den Standort Deutschland entfacht – Kritiker sprechen von einer Deindustrialisierung. Im langfristigen Vergleich sei die Beschäftigung in der Industrie aber gewachsen: Ende 2024 lag sie laut Statistischem Bundesamt um 3,5 Prozent oder 185.000 Menschen höher als 2014.

Der Industriestandort Deutschland hat sich laut EY dank einer sehr starken Substanz immer wieder als "bemerkenswert widerstandsfähig" erwiesen.

Kai-Werner Fajga

Kai-Werner Fajga

Chefredakteur Allgemeine Bauzeitung

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Von dpa
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