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"Sündenfall"

Die ÖDP spricht vom "ersten Sündenfall in der Bergwelt" und kritisiert den seilbahntechnischen Ersatzbau ohne Umweltprüfung.

Jetzt ist es passiert – der "erste Sündenfall in der Bergwelt" wird von der bayerischen ökologisch-demokratischen Partei (ÖDP) beklagt. Wir erinnern uns – der Sündenfall bedeutet in der Theologie den Akt menschlichen Ungehorsams gegenüber Gott. Wer jetzt denkt, da würde die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse in der Bergwelt angeprangert, ist jedoch vollkommen auf dem Holzweg – es geht um den Neubau einer Seilbahn.

Konkret soll die Scheidtobelbahn durch einen Sechser-Sessellift an gleicher Stelle ersetzt werden. Also das, was man im Infrastrukturbereich etwa als Ersatz-Neubau einer Straßenbrücke verstehen würde. Die ÖDP ruft jedoch den schlimmsten aller biblischen Fälle aus, weil der Ersatzbau nach dem aktuellen, dritten Modernisierungsgesetz des bayerischen Landtags ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und Beteiligung von Umweltverbänden auskommen kann – und weil mehr Personen als bisher durch den Lift befördert werden können sollen.

Damit werde der Weg frei für mehr "Skizirkus" in einem sensiblen Ökosystem, moniert die ÖDP. Der Betreiber der Fellhornbahn entgegnete, dass die Bahn zwar mehr Menschen befördern könnte, zeitgleich aber eine benachbarte Bahn ersatzlos abgebaut werden würde – die Beförderungszahl bliebe somit gleich. Das Landratsamt Oberallgäu als Genehmigungsbehörde teilte mit, dass der Antrag der Bergbahn von 26 Fachstellen geprüft werde – auch auf Aspekte des Natur- und Umweltschutzes hin und weiterhin genauso akribisch wie zuvor, so das Landratsamt. Die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller (freie Wähler) sagte zu der auf Landesebene mitgetragenen Einschränkung der Umweltverträglichkeitsprüfung: "Zu häufig haben die Verbände ihr Beteiligungsrecht nicht als Instrument sachlicher Expertise genutzt, sondern für ideologisch motivierte Fundamentalkritik missbraucht – und damit den eigentlichen Zweck der Regelung verfehlt."

Es bleibt abzuwarten, ob das Beispiel der ÖDP bundesweit Schule machen wird. Nachahmer, die Gutachten einfordern, weil über Ersatzneubau-Autobahnbrücken mehr Lkw fahren als vor 20 Jahren, werden vermutlich nicht lange auf sich warten lassen.

Kai-Werner Fajga

Kai-Werner Fajga

Chefredakteur Allgemeine Bauzeitung

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