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Abgefahren

Ein ICE-Testzug erreichte 405 km/h, um Erkenntnisse für Strecken-Instandhaltung zu gewinnen. Trotz Rekord bleibt Pünktlichkeit aber ein Problem der Deutschen Bahn.

Im ersten Moment hört es sich positiv an, wenn die Deutsche Bahn – wie in diesen Tagen geschehen – vermeldet, dass ein ICE-Testzug auf einer bereits in Betrieb befindlichen Neubaustrecke einen Geschwindigkeitsrekord von 405 Kilometer pro Stunde aufgestellt hat. Gemeinsam mit Hersteller Siemens habe man den Hochgeschwindigkeitszug getestet.

"Die Testfahrten liefern uns wichtige Erkenntnisse für die Sanierung und Instandhaltung von Schnellfahrstrecken sowie die technische Weiterentwicklung von Hochgeschwindigkeitszügen und kommen somit auch den Fahrgästen zugute", teilte der Chef der Bahn-Infrastrukturtochter DB InfraGo, Philipp Nagl, mit. Bei dem Test kam ein mit Messtechnik ausgestatteter Mittelwagen einer neuen Zugplattform zum Einsatz. Vor Kurzem erst musste die Bahn vermelden, dass die Fernzüge des Unternehmens im Mai unpünktlicher unterwegs gewesen waren als im Vorjahr – und als je zuvor.

Nur 62 Prozent der ICE- und IC-Züge erreichten ihr Ziel im vergangenen Monat ohne größere Verzögerung. Eigentlich peilt die Bahn für 2025 einen Pünktlichkeitskorridor von 65 bis 70 Prozent an. Mit den aktuellen Werten sei man "absolut nicht zufrieden", habe Digital-Vorständin Daniela Gerd tom Markotten betont. Die Gründe dafür lägen überwiegend in der Infrastruktur, die zu alt und störanfällig sei. Insofern dürfte es die DB-Verantwortlichen sicherlich gefreut haben, dass nun ein Rekord auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke erzielt worden ist, frei nach dem Motto: "Wir können es doch!"

Ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher zeigt allerdings, dass die Deutsche Bahn den letzten Rekord für einen ICE-Testzug schon vor 37 Jahren gemeldet hat: Am 1. Mai 1988 erreichte ein Testzug die Höchstgeschwindigkeit von 406,9 Kilometer pro Stunde – nach wie vor Rekord auf deutschen Schienen und erzielt auf einer damals neu gebauten ICE-Strecke. Bleibt zu ergänzen, dass die Bahnstrecke, auf der der aktuelle "neue" Rekord erzielt worden ist, wegen Brückenarbeiten kurz zuvor für den Personenverkehr gesperrt wurde, bis Mitte Juli sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Eine Fahrt zwischen Leipzig und München dauert in dieser Zeit bis zu 60 Minuten länger.

Kai-Werner Fajga

Kai-Werner Fajga

Chefredakteur Allgemeine Bauzeitung

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